Der Abzweig des geplanten Pfaffensteigtunnels (r.) am Flughafenbahnhof ist bereits vorbereitet. Foto: Christian Milankovic

Der Bund plant, noch dieses Jahr die Finanzierung des Pfaffensteigtunnels zu besiegeln. Initiativen sind dagegen und fordern stattdessen die bestehende Gäubahn zweigleisig auszubauen.

Der Bund möchte noch in diesem Jahr einen Finanzierungsvertrag mit der Deutschen Bahn über den Bau des Pfaffensteigtunnels zwischen Böblingen und dem Flughafen Stuttgart schließen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel hervor. Der bahnpolitische Sprecher seiner Fraktion hat zudem noch Zahlen zur Auslastung des geplanten Tunnels und zur Förderfähigkeit des weiteren Ausbaus der Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und der Schweizer Grenze abgefragt.

 

„Die Baufinanzierungsvereinbarung zum Pfaffensteigtunnel soll in diesem Jahr abgeschlossen werden“, schreibt die Bundesregierung. 1,69 Milliarden Euro der Bundeshaushaltsmittel 2025 seien für den Abschluss eingeplant. Die zwei je rund elf Kilometer langen Röhren sollen die Gäubahnstrecke bei Böblingen mit dem neuen Flughafenbahnhof verbinden, bei dessen Bau der spätere Anschluss des Tunnels bereits vorbereitet worden ist.

Der Verlauf des geplanten Pfaffensteigtunnels. Foto: Yann Lange/ 

Zwischen dem westlichen Tunnelende im Böblinger Gewann Pfaffensteig und der S-Bahnstation Goldberg soll die bestehende Strecke für höhere Geschwindigkeiten ertüchtigt werden. Ein viergleisiger Ausbau dieses Abschnitts sei nicht geplant, teil die Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage Gastels mit. Sie beruft sich dabei auf Angaben der DB, wonach „die verkehrliche Notwendigkeit dafür nicht gegeben“ sei. Der prognostizierte Auslastungsgrad des mit 200 Kilometer in der Stunde zu befahrenden Tunnels liege bei 45 Prozent.

Initiativen fordern Ausbau der bestehenden Strecke

Die Vereinigung „Pro Gäubahn“, in der Initiativen und einige örtliche Parteigliederungen von Grüne, SPD und Linke entlang der Strecke versammelt sind, fordert zum wiederholten Mal den Verzicht auf den Bau des Tunnels und setzt sich stattdessen für den durchgehenden zweigleisigen Ausbau ein. Der wird allerdings noch auf sich warten lassen. Anders als der Pfaffensteigtunnel, bei dem das Genehmigungsverfahren läuft, befindet sich nach Angaben der Bundesregierung der südliche Gäubahnabschnitt in der Vorentwurfsplanung. Diese bilde „die Grundlage für weitere Kostenschätzungen und Termine“.

Initiativen fordern, auf den Pfaffensteigtunnel zu verzichten und stattdessen die Gäubahn durchgehend zweigleisig auszubauen. Foto: dpa/Silas Stein

Der Bunde betrachtet den Pfaffensteigtunnel als Bestandteil des Ausbaus der Gäubahn zwischen Stuttgart, dem Bodensee und der Grenze zur Schweiz. Maßgeblich für die Förderung von Bauvorhaben im Verkehrsbereich ist das Verhältnis in dem Nutzen und Kosten zueinander stehen. Für die gesamte Aus- und Neubaustrecke gibt der Bund das Nutzen-Kosten-Verhältnis mit 1,6 an. Vorhaben, die auf einen Wert größer als 1 kommen, gelten als förderungswürdig.