Erster Eingang des Stuttgart-21-Bahnhofs enthüllt: Die Bahn präsentiert den spektakulären Südzugang beim Planetarium, an dem seit Herbst 2024 gearbeitet wurde.
Eine Woche bevor die Bahn beim S-21-Lenkungskreis am 18. Juli Farbe bekennen muss, welche Teile des Projekts tatsächlich im Dezember 2026 in Betrieb gehen, hat die Projektgesellschaft am Donnerstagabend in einer kurzen Zeremonie den ersten Eingang zum Durchgangsbahnhof enthüllt.
S-21-Chef Olaf Drescher sieht „architektonischen Zauber“
Ein Kran zog die Plane in die Höhe, die das Zugangsbauwerk in der Nähe der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie und des Planetariums in den vergangenen Tagen noch verhüllte. Was da zu Vorschein kam, nannte S-21-Chef Olaf Drescher „architektonischen Zauber“. Der stelle sich nun nicht nur unter den Kelchstützen ein, sondern auch beim Anblick des künftigen Südeingangs zum Bahnhof. Die überraschend zahlreichen Zaungäste, die auf den Wegen durch die Baustelle den Vorgang beobachteten, spendeten spontan Applaus, als das Bauwerk erstmals in Gänze zu sehen war.
Mehr als 720 individuell geformte Glasscheiben sind dort in eine Stahlkonstruktion eingepasst, die den Abgang zur Ebene der Verteilerstege überspannt. Man schaffe damit, so Drescher, „das angemessene Entrée zum Herzstück des neugeordneten Bahnknotens“. Der Ingenieur räumte ein, dass die derzeitige Situation am Hauptbahnhof mit weiten Wegen durch die Baustelle kaum dem Anspruch gerecht werde, die Bahnreisenden in Stuttgart willkommen zu heißen.
Stuttgart-21-Südeingang: Arbeiten im Schutz von Zeltplanen
Im Herbst 2024 hatte die auf Fassadenbau spezialisierte Firma Seele aus Gersthofen bei Augsburg, die auch für die sogenannten Lichtaugen des Bahnhofsdachs verantwortlich zeichnet, mit dem Bau der Eingangskuppel begonnen. Alsbald verschwand der Baufortschritt hinter Zeltplanen, um die Arbeiten unter gleichbleibenden Bedingungen ausführen zu können. Die sind nun seit Donnerstagabend wieder entfernt.
Es sei für ihn ein emotionaler Moment, bekannte Seele-Geschäftsführer Andreas Hafner. Ein spektakulärer Entwurf des Architekten Christoph Ingenhoven sei in der Umsetzung auf der Baustelle „traumhaft gelungen“. Hafner unterstrich, dass es nicht mehr selbstverständlich sei, ein solch ambitioniertes Vorhaben in Deutschland umzusetzen
Stahl-Glas-Konstruktion wiegt mehr als 100 Tonnen
Gut 100 Tonnen wiege die Stahl-Glas-Konstruktion, die auf dem Beton des Rohbaus aufliege. An unzähligen Knoten seien die einzelnen Stahlelemente zu einem Ganzen verknüpft. „Die Balance aus Ästhetik, Funktion und Struktur“ mache die Gitterschale zu einem einzigartigen Bauwerk, bei dem es gelungen sei, „ die gewünschte architektonische Leichtigkeit zu verwirklichen“.
Der Eingang, der an der Willy-Brandt-Straße liegt, erlaubt den direkten Zugang zum Hauptbahnhof von der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie aus. Erstmals werden dann alle die Innenstadt passierenden Stadtbahnlinien einen Halt am Hauptbahnhof haben. Auch für die baustellengeplagten Bewohner des Kernerviertels verkürzen sich die Wege zum Bahnhof, wenn einmal in diesem Bereich der Autotunnel unter dem Gebhard-Müller-Platz verlängert und die oberirdische Straßenfläche verringert ist.
Ist eine Rolltreppe ausreichend?
Kritik an der Ausgestaltung des Eingangs hatte sich in der Vergangenheit wiederholt daran entzündet, dass es lediglich eine Rolltreppe geben wird, die Fahrgäste in beiden Richtung zur Verfügung steht. Ein Aufzug hilft auch beim Überwinden des Höhenunterschieds.
Vergleiche mit der gläsernen Pyramide am Pariser Louvre
Manch einer war überwältigt vom Anblick der illuminierten Gitterschale, die effektvoll zur blauen Stunde in Szene gesetzt wurde. Bernhard Bauer, Vorsitzender des Bahnprojektvereins Stuttgart-Ulm, prognostizierte, dass die Kuppel einmal die berühmte gläserne Eingangspyramide am Pariser Louvre in den Schatten stellen wird.