Architekt Schweger mit dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (rechts) 2001 mit dem Turm-Modell Foto: Uli Kraufmann

Vor der Präsidentenwahl in den USA erinnert man sich in Stuttgart an großspurige Pläne von 2001 bis 2003 für einen Wolkenkratzer auf dem Pragsattel. Der Trump-Tower ist damals zum Mega-Flop geworden.

Stuttgart - Nicht wenige in Stuttgart wünschen sich, Donald Trump würde bei der Präsidentenwahl am 3. November genauso scheitern wie  sein Trump-Tower vor etwa 20 Jahren auf dem Pragsattel. Heute amüsiert man sich, wie fasziniert die Verantwortlichen der Stadt, allen voran OB Wolfgang Schuster, kurz nach der Jahrtausendwende von den Angeberplänen für das „höchste Gebäude südlich der Mainlinie“ waren. Für den Rathauschef, der von einem „neuen Wahrzeichen der Stadt“ geträumt hatte, geriet das Scheitern des Wolkenkratzers zu einem Tiefpunkt seiner Amtszeit.

Ein Wasserfall war über vier Etagen geplant

Donald Trump war niemals in Stuttgart, um persönlich für das Hochhaus zu werben, das seinen Namen tragen und mit 220 Metern größer als der Fernsehturm werden sollte. 50 Stockwerke waren geplant. Gesamtkosten: 250 Millionen Euro. Im Foyer des Towers sollte es einen 14 Meter hohen Wasserfall über vier Etagen geben. Trumps Mann in Deutschland hieß Hans Ulrich Gruber, ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Thyssen-Konzerns. Mit Ulrich Marseille, der Kliniken besaß und mit dem heutigen US-Präsident die größten Anteile an der Trump Deutschland AG mit Sitz in Berlin besaß, trieb Gruber großspurig die Pläne für den Pragsattel voran. Bei der Präsentation des Projekts in der verdunkelten Staatsgalerie im Jahr 2001 vor über 150 Politikern, Wirtschaftsvertretern und Journalisten hatte das Stadtprotokoll gerade noch verhindern können, dass Marseilles Ehefrau die amerikanische und die deutsche Nationalhymne sang.

2001 war Trump USA aus Trump Deutschland ausgestiegen, aber der heutige Präsident saß noch im Aufsichtsrat des deutschen Ablegers. Das Recht, den Namen Trump-Tower zu nutzen, hatte sich Marseille sichern lassen.

Peinliche Luftnummer wurde zum Sinnbild

Büros, eine exklusive Shoppingmall, ein Luxushotel, Wohnapartments über zwei Etagen, ein Kongresszentrum und ein Gourmetrestaurant waren für den Turm geplant. Im Frühjahr 2002 sollte der Spatenstich sein. „Nach New York, Atlanta und Las Vegas bekommt Europa 2014 den ersten Trump-Tower“, frohlockten die Investoren und verschwiegen, dass sie mit ähnlichen Projekten in Berlin und Frankfurt gescheitert waren. 2003 stoppte der Gemeinderat den gigantischen Turm, der als peinliche Luftnummer zum Sinnbild geworden ist: Wer hoch hinaus will, fällt allzu oft sehr tief.

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