Von 1950 bis 1990 hat die Sesselbahn auf dem Killesberg ihre Runden gedreht. Foto: Sammlung Wibke Wieczorek

Daran erinnern sich viele gern: Kinder liebten es, auf den legendären Luftgondeln über den Killesberg zu schweben. Von 1950 bis 1990 war dies möglich. Im Netz wird das Comeback der legendären Stuttgarter Sesselbahn gefordert.

Stuttgart - Wer hat’s erfunden? Die Schweiz! Auf der Schweizer Sesselbahn vom Typ VR 101 saß man seitwärts zur Fahrtrichtung und schwebte damit in den Jahren zwischen 1950 und 1990 gemächlich über den Killesberg. Auf der Facebook-Seite unseres Stuttgart-Albums setzen sich viele für die Rückkehr der Luftgondeln ein.

Elisabeth Kilgenstein schwärmt: „Das war so toll! Mit einem Eis am Stiel in der Hand nach oben schweben und die Beine baumeln lassen, ein sehr schönes Vergnügen!“ Christa Weiß erinnert sich: „Ich hatte immer ein wenig Angst vor dem Aussteigen, aber das Schweben war ein unvergessliches Erlebnis.“ Auch Christoph Aichele denkt gern daran zurück: „Es war ein Traum, als Kind zusammen mit der Oma quer übers Tal der Rosen zu schweben.“ Michael Rauser gibt zu: „Vor dem ersten Pfeiler hatte ich immer ein bisschen Angst.“ Inge Spes notiert: „Oh ja, ich bin so gerne damit gefahren. Als Ersatz – denn wir hatten nie Urlaub.“

Bei der Deutschen Gartenschau im Jahr 1950 war Premiere

Wie andere auch wünscht sich Martina Müller, Kommentatorin auf der Facebook-Seite des Stuttgart-Albums, das Comeback der Sesselbahn: „Die Stadt Stuttgart würde sich dank der Topografie mit ihren Hügeln bestimmt für die ein oder andere Bahn anbieten, nicht nur auf dem Killesberg.“

Bei der Deutschen Gartenschau im Jahr 1950 hatte der Sessellift vom Typ VR 101 auf dem Killesberg Premiere gefeiert.. Der Schweizer Hersteller Von Roll hat in den 1940ern die automatisch kuppelbare Einseilumlaufbahnen entwickelt. Dieses System ermöglichte das gefahrlose Auf- und Absteigen im Stillstand – dank des Kuppelns musste das Förderseil der restlichen Bahn nicht gestoppt werden.

Ein steinernes Mahnmal erinnert an jüdische Mitbürger

1939 ist der Killesberg zur Reichsgartenschau eröffnet worden. Ein ursprünglich als Steinbruch genutztes, aber bereits aufgelassenes Gelände war nach Plänen des Landschaftsarchitekten Hermann Mattern zum Park und Ausstellungsgelände umgestaltet worden. Im NS-Staat sorgte die grüne Oase für einen Imagegewinn der Stadt Stuttgart. Aber der Terror des Regimes hat sich gerade hier offenbart. 1941 bis 1942 war das Gelände Sammlungsort jüdischer Bürger aus Württemberg und Hohenzollern für die Transporte in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Ein steinernes Mahnmal erinnert an die mehr als 2000 jüdischen Mitbürger, die hier „ihren Leidensweg in die Konzentrationslager und in den Tod antraten“, wie zu lesen ist.

Etwa 45 Hektar groß ist heute der Park im Stuttgarter Norden, der Bestandteil des Grünen U ist. Im Osten grenzt er an den Wartberg und im Süden an die Rote Wand.

2007 zog die Messe vom Killesberg zum Flughafen

Die Rolling Stones spielten hier, die Massen strömten zu Kirchentagen, Boxwettkämpfen und Friseurwettbewerben. 2007 ging auf dem Killesberg eine Ära zu Ende. Die Landesmesse zog auf die Filder – und eine grundlegende Umgestaltung begann mit dem Abbruch der Messehallen.  Die Sesselbahn gab es damals schon lange nicht mehr. Der Betrieb ist vor 30 Jahren eingestellt worden – fast heimlich, still und leise. 

Die Sesselbahnen vom Typ VR 101 sterben nach und nach aus. Die Entwicklung ist weitergegangen. Das alte System, das zu den prägenden Kindheitserinnerungen von vielen Stuttgartern zählt, läuft aber noch auf dem Mückenberg in Tschechien. Originalgondeln vom Killesberg befinden sich heute im Fundus des Vereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen. Denn in der Anfangszeit wurde der Sessellift von den SSB betrieben – die schwebende Bahn, von der viele Menschen in der Kesselstadt träumen.

Diskutieren Sie mit unter: www.facebook.com/Album.Stuttgart. Zu unserer Serie sind drei Bücher erschienen, zuletzt „Das Beste aus dem Stuttgart-Album“ im Sutton-Verlag. Wer noch mehr zur Stadtgeschichte erfahren, kann kostenlos den historischen Newsletter „StZ Damals“ abonnieren und sich dafür anmelden unter: http://stzlinx.de/stzdamals.
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