Zwei Strafstöße, zwei Tore: Nick Woltemade präsentiert sich in dieser Saison treffsicher aus elf Metern. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Ein Anlauf in Zeitlupe, Erfahrungen in Elversberg, Zusatzschichten im Training: Der Stuttgarter Stürmer spricht über das Thema Strafstoß – und sagt, wie er das Spiel gegen Slovan Bratislava verfolgt.

Ein Elfmeter-Problem? Spätestens mit dem 4:0-Sieg gegen den SC Freiburg ist dieses Thema beim VfB Stuttgart vorerst ad acta gelegt. Die Lösung heißt Nick Woltemade, der nach mehreren erfolglosen Schützen vor ihm nun schon zum zweiten Mal in Folge vom Punkt die Nerven behielt – was für Freude und Erleichterung allenthalben sorgte. Auch bei Fabian Wohlgemuth. „Er hat ihn souverän verwandelt und das ganz schlau gemacht“, lobte der Stuttgarter Sportvorstand mit Blick auf den Anlauf.

 

Fast schon in Zeitlupe nahm Woltemade am Samstag in der Nachspielzeit der ersten Hälfte Fahrt auf, kam nahezu zum Stehen. Aus gutem Grund, wie er im Nachhinein berichtete: „Tatsächlich schaue ich, was der Torwart macht. Ich versuche, ihn schon ein bisschen auszuschauen. Ob er sich bewegt, ob er sich nicht bewegt.“ Das Ergebnis: Der Ball schlug in der linken Ecke ein, SC-Torhüter Florian Müller war weit weg von Tuchfühlung mit dem Spielgerät.

Verwandelte Elfmeter in Elversberg und bei der U21

Die Sicherheit in den Abläufen hat Woltemade dabei nicht erst seit Samstag, er holte sie sich in mehreren Schritten. In der dritten Liga war er im Februar 2023 für die SV Elversberg gegen den 1. FC Saarbrücken (4:0) vom Punkt erfolgreich, dann im vergangenen September und Oktober zweimal für die deutsche U-21-Nationalmannschaft. Und zuletzt gab es auch Zusatzschichten beim VfB: „Wir haben im Training oft geschossen, da habe ich immer sehr gut geschossen.“

Februar 2023: Nick Woltemade trifft für die SV Elversberg vom Elfmeterpunkt. Foto: imago//Steven Mohr

Danach habe Trainer Sebastian Hoeneß einen kleinen Kreis an Spielern festgelegt, die im Spiel in Frage kommen. Woltemade war darunter – und übernahm Verantwortung. „Dann habe ich in Heidenheim den Ball genommen und ihn reingeschossen“, sagt er rückblickend über seinen ersten verwandelten VfB-Elfmeter im Dezember 2024 beim FCH (3:1). Nach dem zweiten Treffer gegen die Freiburger dürfte die Hierarchie vorerst gefestigt sein: „Jetzt haben die Jungs auch Vertrauen in mich, dass ich ihn reinmache“, sagt der Stürmer. Das sieht auch Wohlgemuth nicht anders: „Er wird vermutlich auch den nächsten schießen.“

Eine Einschränkung gilt natürlich an dieser Stelle: Sollte der VfB an diesem Dienstag (21 Uhr) in der Champions League bei Slovan Bratislava einen Strafstoß zugesprochen bekommen, wird ihn Woltemade nicht schießen. Der Stürmer wurde im August 2024 nicht für den Kader in der Königsklasse gemeldet und ist daher in der Hauptrunde nicht spielberechtigt. Für den 22-Jährigen steht deshalb am Dienstag eine individuelle Einheit in Bad Cannstatt auf dem Programm: „Ich trainiere hier und schaue das Spiel dann von zuhause.“

Vielleicht sei die ungewollte Pause auch mal ganz gut, sich nochmals zu erholen. „Die Woche war jetzt schon intensiv“, sagt Woltemade mit Blick auf zuletzt drei Bundesliga-Spiele binnen sieben Tagen. Und das nächste naht auch schon, wenn der VfB am kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim FSV Mainz 05 gastiert. Dann wieder mit Nick Woltemade, der von der wahrscheinlich besten Form seines Lebens spricht: „Da würde ich mich selbst anlügen, wenn ich nein sagen würde. Es läuft sehr gut. Ich traue mir viel zu.“ Auch vom Elfmeterpunkt.