Kein seltener Anblick in Klassenzimmer: gelangweilte Schüler und Schülerinnen. Foto: IMAGO/YAY Images

Warum haben so wenige Kinder Spaß am Unterricht? Eine neue Studie der Universität Stuttgart zeigt, dass das nicht zwingend an zu schwierigen Aufgaben liegt – ganz im Gegenteil.

Die Schule sollte ein Ort des Lernens sein. Wie wissenschaftliche Studien aber belegen, sind Schüler und Schülerinnen die Hälfte der Unterrichtszeit gelangweilt. So steht es in einer Pressemitteilung der Universität Stuttgart. In einer vor Kurzem veröffentlichten Studie fanden Kristina Kögler vom Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Stuttgart und Richard Göllner von der Universität Potsdam heraus: Es sind nicht die schweren, sondern vor allem die zu leichten Aufgaben, die Lernende zum Gähnen bringen.

 

Schüler brauchen Herausforderung

Knapp 100 Schüler und Schülerinnen haben über zwei Wochen hinweg mehrmals pro Unterrichtsstunde dokumentiert, wie gelangweilt sie sind, wie sehr sie der Lernstoff interessiert und wie sehr sie ihn verstehen. Unter der Voraussetzung, dass die Schüler und Schülerinnen den Stoff verstanden haben, lautet das Ergebnis der Studie: Die Lernenden müssen gefordert werden.

Sprich: Ein herausfordernder Unterricht ist keine Option, sondern der Grundpfeiler für effektives Lernen. „Langeweile wirkt wie ein Bremsklotz im Lernprozess“, wird Erziehungswissenschaftler Göllner in der Pressemitteilung zitiert. „Wer am Ende einer Unterrichtsphase gelangweilt ist, zeigt anschließend weniger Interesse und ein schlechteres Verständnis, sodass ein Abwärtssog der Unaufmerksamkeit entsteht“, ergänzt Kögler.

Kristina Kögler und Richard Göllner haben gemeinsam zum Thema „Langeweile im Unterricht“ geforscht. Foto: Kristina Kögler

Emotionen sind entscheidend für das Lernen

Das größte Risiko im Klassenzimmer ist also nicht Überforderung, sondern das genaue Gegenteil: Wenn die Kinder und Jugendlichen zu wenig gefordert werden. In der Studie, die im British Journal of Educational Psychology veröffentlicht wurde, betonen die beiden Erziehungswissenschaftler Kögler und Göllner, wie wichtig Emotionen für das Lernen sind.

Die größten Erfolge haben Schüler und Schülerinnen unter folgenden Voraussetzungen:

  • die Aufgabe ist zu bewältigen, sie ist weder zu schwierig noch zu einfach
  • der Aufgabe wird ein gewisser Wert zugeschrieben

Sprich: Die Lernenden sehen den Stoff als interessant und lohnenswert zu wissen ein. Der zentrale Punkt, dass beim Lernen keine Langeweile aufkommt, ist laut Studie also die persönliche Einschätzung der Schüler.

Langeweile durch Über- und Unterforderung

Weiter fanden die Erziehungswissenschaftler heraus, dass Interesse am Lernstoff wichtiger für das Entstehen (oder Nicht-Entstehen) von Langeweile ist als das Verständnis für die Inhalte. Denn: Sowohl über- als auch unterforderte Schüler und Schülerinnen waren laut ihrer Selbsteinschätzung vom Unterricht gelangweilt.

Interesse an der Unterrichtsmaterie hingegen konnte die Langeweile oft abhalten und etwas helfen, wenn die Schüler und Schülerinnen den Stoff nicht verstanden haben. Trotzdem ist das klare Ergebnis der Studie: Auch viel Interesse hilft nicht gegen Langeweile, wenn sich die Lernenden vom Unterricht unterfordert gefühlt haben.

Ein Tipp für Lehrer

Lehrern raten Kögler und Göllner im Fazit ihrer Studie: Der Unterricht muss fesselnd und stimulierend gestaltet werden. So kann am besten vermieden werden, dass sich Schüler und Schülerinnen gedanklich vom Unterricht verabschieden.