In der Nähe des Hofs bei Steinheim sollen die Module aufgebaut werden. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Ein Landwirt möchte auf einem Acker in Steinheim (Kreis Ludwigsburg) drehbare PV-Module installieren. Dennoch soll auf der Fläche weiter Getreide und Raps angebaut werden. Das gibt es im ganzen Landkreis noch nicht.

Bund und Land wollen die Energiewende forcieren. Fritz Thumm möchte dazu seinen Teil beitragen. Dem Landwirt aus Steinheim schwebte vor, auf einem 7,7 Hektar großen Acker eine Freiflächen-PV-Anlage zu errichten. Grob überschlagen hätten rund 2500 Haushalte mit grüner Energie beliefert werden können. Man sollte meinen, dass er damit offene Türen eingerannt hätte. Doch die Behörden bremsten seine Pläne jäh aus: Weil die Fläche in einem regionalen Grünzug liegt, gab es bislang kein Okay. Jetzt unternimmt Thumm einen neuen Anlauf – mit einem neuen Konzept in kleineren Dimensionen.

 

Auf einem etwa 1,5 Hektar großen Teilstück möchte Thumm mit seinem Neffen eine Agri-PV-Anlage installieren lassen. Dabei handelt es sich um Konstruktionen, die es erlauben, die Felder trotz der Stromernte weiter zu bestellen. „Die Module sollen in einer Höhe von etwa 2,10 Meter und mit einem Abstand von 17 Metern zueinander angebracht werden“, erklärt der Landwirt. Dieser Freiraum zwischen den Solarzellen macht es zudem möglich, dass sie sich drehen können. Denn Thumm hat Modelle im Sinn, die mit einem Elektromotor ausgestattet sind und mit der Sonne wandern. Das garantiert einen höheren Ertrag. Ungefähr ein Drittel der Fläche, die sich auf Tuchfühlung zu seinem Hof befindet, würde mit Solarmodulen bestückt sein, sagt er.

Agri-PV-Anlagen haben den Vorteil, dass das Ackerland weiter für den Anbau genutzt werden kann, hier zum Beispiel für Hopfen. Foto: Archiv (dpa)

„Unser Ziel ist, dass die Anlage bis zum Ende des Jahres in Betrieb geht“, erklärt Thumm. Das hänge auch mit der Förderkulisse zusammen, die dann in Aussicht stehe. Den Bauantrag habe er im Dezember eingereicht. Nun hoffe er auf eine Genehmigung. Auf dem Feld mit den Modulen würde er weiter Getreide anbauen, aber den Mais durch Raps ersetzen, weil Ersterer zu hoch wachse und somit für eine Verschattung sorgen könne.

Die Pläne für die große Lösung hat er noch nicht ganz zu den Akten gelegt. „Aber den Bauantrag haben wir schon vor 18 Monaten eingereicht und bis heute keine Genehmigung. Deshalb haben wir gesagt, wir setzen jetzt fürs Erste auf die Agri-PV-Anlage“, sagt Fritz Thumm. Rund eine Million Euro müsse man dafür investieren. Die Module hätten in Summe eine Leistung von rund 1 Megawattpeak.

Bürgermeister: Landwirt erfüllt die Kriterien

Im Steinheimer Rathaus hat man nichts an den Plänen auszusetzen. Das Gesuch wird am Dienstag, 21. Januar, im Ausschuss für Technik und Umwelt behandelt, und die Verwaltung schlägt vor, das Einvernehmen zu erteilen. Bürgermeister Thomas Winterhalter erklärt, dass für Agri-PV-Anlagen kein Bebauungsplan aufgestellt werden müsse, der Verfahrensweg ergo leichter sei. Sie seien auf landwirtschaftlichen Flächen unter bestimmten Voraussetzungen privilegiert, also gestattet. Die Kriterien seien im Falle des Antrags von Fritz Thumm erfüllt. Zum Beispiel dürfe die Grundfläche solcher Anlagen nicht größer als 2,5 Hektar sein.

Zugleich hat Winterhalter die Freiflächen-PV-Anlage nicht abgeschrieben. „Wir müssen abwarten, ob wir mit dem Verband Region Stuttgart handelseinig werden, der wegen des regionalen Grünzugs ein Zielabweichungsverfahren verlangt. Dazu wird es weitere Gespräche geben“, erklärt er.

Bei Okay würde Fritz Thumm eine Vorreiterrolle einnehmen

Der Grünzug scheint allerdings auch für die Pläne der Agri-PV-Anlage ein Hemmschuh zu sein. „Raumbedeutsame Agri-PV-Anlagen in regionalen Grünzügen sind aktuell noch grundsätzlich unzulässig, weshalb das Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Raumordnungsbehörde zu beteiligen ist“, erklärt Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamts. Der Regionalplan solle jedoch bis zum Herbst „Regelungen erhalten, nach welchen Photovoltaikanlagen auf Freiflächen unter bestimmten Bedingungen auch in regionalen Grünzügen zulässig sind“.

Sollte Fritz Thumm am Ende grünes Licht erhalten, wäre er ein Pionier im Landkreis. Es gebe „im Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes keine baurechtlich genehmigte Agri-PV-Anlage“, konstatiert Schuster.