Sicheres Feiern ist noch immer ein Privileg. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

So lange man als Frau auf dem Wasen Angst vor K.-o.-Tropfen und Übergriffen haben muss, sollte es Schutzzonen geben. Das hat die Stuttgarter CDU aber leider nicht verstanden.

Festwirte müssen ein höheres Platzgeld bei den Festen auf dem Wasen zahlen – und schon kommt die Retourkutsche der Stuttgarter CDU? In einem Antrag der Christdemokraten heißt es, die Verwaltung solle doch bitte gründlich alle Kosten und auch die gemeldeten Fälle der Wasenboje aufschlüsseln. Kurz zusammengefasst: Bringt der Safe Space für Frauen überhaupt was? Zur Erklärung: Die Wasenboje ist ein sicherer Ort für Frauen während des Volks- und Frühlingsfestes. Seit der Gründung der Wasenboje 2023 gab es mehr als 1000 Kontakte mit betroffenen Personen, die Opfer von K.-o.-Tropfen oder sexualisierter und körperlicher Gewalt geworden waren. Ein Viertel der kritischen Fälle seien minderjährige Mädchen gewesen.

 
Die Wasenboje dient als sicherer Ort für Frauen während des Volks- und Frühlingsfestes. Foto: dpa

Das Projekt ist finanziell gedeckt. Zwar in abgespeckter Version, aber Geld wurde dafür lockergemacht. Warum sollte man es genau jetzt in Frage stellen? Gerade jetzt, wo es für viele Frauen fast schon unerträglich geworden ist, einfach und grundlegend eine Frau – beziehungsweise eine weiblich gelesene Person – zu sein. In einer Welt voller Femizide, in einer Welt, in der man täglich erschaudert, wenn es um den Pelicot-Prozess und die Epstein-Files geht, in der Berichte über Gewalt und Frauenhass zum Alltag gehören.

Sexualisierte Übergriffe sind leider Normalität

Ich möchte auch unbeschwert auf dem Volksfest Bier trinken und fröhlich sein. Ich möchte auch den Festwirten und -wirtinnen nicht wenige meiner hart verdienten Euros in die Kellnerbörsen ihrer Angestellten legen, damit sie unterm Jahr in Dubai Urlaub machen können. Ich möchte auch auf einer Bierbank tanzen ohne blickdichte Radlerhosen unterm Dirndl tragen zu müssen. Ich möchte auch nachts alleine zur S-Bahn laufen können. Ich möchte auch allen Männern einen Vertrauensvorschuss geben. Sorglos sein. Singen. Und auch ein bisschen zu viel von allem haben.

Apps und Securitys werden das Problem nicht lösen

Und genau hier liegt das Problem: Die CDU möchte anscheinend nicht, dass ich als Frau auch alles haben kann. Bin ich nicht wichtig, weil ich keine Festzeltwirtin bin? Weil Dubai mich wirklich noch nie interessiert hat? Weil es in ihrem Weltbild anscheinend keine Schutzräume für Personen wie mich braucht? Weil man eh den (männlichen) Securitys im Zelt vertrauen kann? Weil es Apps gibt?

Sicheres Feiern ist noch immer ein Privileg

Wissen sie nicht, dass es viele Stuttgarter Frauen und Mädchen gibt, die seit Jahren nicht mehr aufs Volksfest oder Frühlingsfest gehen, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben und sich vor übergriffigen Männern ekeln? Liebe CDU-Stadträte und -rätinnen: Sicheres Feiern ist noch immer ein Privileg und Awareness-Konzepte und Safe Spaces sind bei so großen Veranstaltungen (leider) Normalität. Eine Retourkutsche wegen erhöhter Gebühren auf dem Rücken von Frauen auszutragen, ist hingegen ziemlich abnormal.