Die Streitereien um die Parkplätze rund um die Uni Hohenheim schwelen seit Jahren. An einigen Stellen kommen Mallorca-Parker dazu. Ist Anwohnerparken die Lösung? Was die Bezirke sagen.
Seit 2018 bewirtschaftet das Land die Parkplätze auf dem Campus der Universität Hohenheim. Und seitdem brodelt es in Plieningen und Birkach. Denn während viele der kostenpflichtigen Stellplätze auf dem Campus regelmäßig unbelegt sind, stehen in manchen Wohnstraßen drumherum Autos Stoßstange an Stoßstange, die kein „S“ auf dem Nummernschild tragen. Insbesondere in Plieningen kommt das Problem der Mallorca-Parker hinzu: Urlauber also, die ihr Fahrzeug vor dem Abflug in den Süden kostenlos in den Wohnvierteln abstellen.
In der Vergangenheit waren deshalb immer wieder Klagen von Anwohnern laut geworden, die in ihren Straßen kaum noch Platz für das eigene Fahrzeug fanden. Selbst von offen ausgefochtenen Streitereien um Parkplätze wurde berichtet.
Die Stadt Stuttgart ist wegen der Parkplätze in Plieningen und Birkach unter Zugzwang
Zur Erinnerung: Weil das Land trotz massiver Kritik an der Bewirtschaftung seiner Parkplatzflächen keine Anstalten machte, die Maßnahme zurückzunehmen, sah sich bald die Stadt unter Zugzwang. Um dem Problem Herr zu werden, hatte die Verwaltung bereits im Jahr 2022 geprüft, ob in drei unmittelbar an die Universität Hohenheim grenzenden Wohngebieten im Gegenzug ein Parkraummanagement mit Anwohnerparken eingerichtet werden könnte. Das Ziel war klar: Die Studenten sollten gedrängt werden, ihre Fahrzeuge entweder doch auf den Uniparkplätzen abzustellen oder gleich mit dem öffentlichen Nahverkehr anzureisen.
Die Parkdruckuntersuchung der Stadt hatte allerdings zunächst nur für ein Wohngebiet in Plieningen einen Wert ergeben, der ein Parkraummanagement rechtfertigen würde. In zwei anderen untersuchten Gebieten in Plieningen und Birkach lag er knapp unter der Schwelle. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Noch 2023 hatte die FDP im Plieninger Bezirksbeirat bemängelt, dass die erhobenen Daten aufgrund des gewählten Untersuchungstermins nicht aussagekräftig seien. Man mutmaßte damals, dass die tatsächliche Parkdruckbelastung weit höher lag.
Von einer solchen Einschätzung hat sich inzwischen eine Mehrheit in den Bezirksgremien von Plieningen und Birkach gründlich verabschiedet. Zwar wird weiterhin bezweifelt, dass die Messungen der Stadt repräsentativ waren. Doch inzwischen mit einer gänzlich anderen Stoßrichtung: Dass der Parkdruck in Plieningen keineswegs besonders groß sei, betont auf Anfrage etwa CDU-Bezirksbeirat Benjamin Völkel. Sowohl Birkach als auch Plieningen machten in Anträgen schon im Juli dieses Jahres deutlich, was sie vom geplanten Parkraummanagement halten: nämlich nichts.
Dass in den beiden Bezirksgremien der zwischen Anwohnern und Universitätsangehörigen jahrelang geführte und von unserer Zeitung vielfach dokumentierte Streit um die Parkplätze jetzt kleingeredet wird, dürfte indes der Tatsache geschuldet sein, dass zunehmend auch die Nachteile des Parkraummanagements für die Anwohner in den Blickpunkt gerückt sind. Zudem hatte die Novellierung der Straßenverkehrsordnung im Jahr 2024 der Stadt unvermittelt die Möglichkeit in die Hand gegeben, die Einführung einer Anwohnerparkregelung auch auf solche Wohngebiete auszudehnen, in denen der Parkdruck unter der 100-Prozent-Marke liegt.
Der Gemeinderat Stuttgart entscheidet im Dezember über das Anwohnerparken
Was dann prompt auch geschah: Im Zuge der stadtweiten Ausweitung des Parkraummanagements soll nun spätestens 2028 in drei uninahen Wohnvierteln, zwei in Plieningen, eines in Birkach, Anwohnerparken eingeführt werden.
Bevor im Dezember der Gemeinderat im Rahmen der nächsten zwei Ausbaustufen abschließend über die Erweiterung entscheidet, sollte in den betreffenden Bezirken ein Stimmungsbild eingeholt werden. In Plieningen und Birkach fiel das Votum in der vergangenen Sitzung des Doppelgremiums jetzt für alle drei in Frage kommenden Wohnquartiere negativ aus: Stattdessen betonen sowohl in Birkach als auch in Plieningen CDU, SPD, FDP und Freie Wähler, dass die Parkraumbewirtschaftung in den beiden Bezirken „nur Kosten verursachen würde, nicht aber verlässlich mehr freie Parkplätze“ garantiere. Birkachs CDU-Bezirksbeirat Jürgen Holzwarth bezeichnete eine mögliche Anwohnerparkregelung in seinem Bezirk als „nachgewiesenermaßen unwirtschaftlich“. Die Studenten der Uni Hohenheim dürften es gerne hören.