Um das Züblin-Parkhaus gibt es schon viele Jahre Diskussionen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Was wird aus dem Leonhardsviertel? Partymeile? Wohngebiet? Rotlicht? Die Politik weiß nicht, was sie will. Was sich insbesondere beim Züblin-Parkhaus zeigt.

Es wird sie alle überleben. Die Herren Schuster, Föll und Hahn waren Bürgermeister, als man sich einig war: das Züblin-Parkhaus muss weg. In der Verantwortung sind längst andere Politiker, das Parkhaus ist immer noch da. Und verhindert jegliche Neuordnung des Quartiers.

 

Wer herausfinden will, was da alles gesagt und entschieden wurde, besser gesagt, nicht entschieden wurde, der braucht eigentlich ein Studium in neuerer Geschichte, als Bibliothekar – und gute Nerven. Von der Villa Berg abgesehen ist das Züblin-Parkhaus jenes Gebäude, an dem sich die flatterhafte Stadtpolitik am deutlichsten ablesen lässt.

Als das Dach des Parkhauses noch begrünt war. Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone

Beim Ziel waren sich noch alle einig. Man wollte die historische Wunde wieder schließen, die der Bau des Züblin-Parkhauses 1960/1961 in die letzten beiden verbliebenen Altstadtreste in Stuttgart geschlagen hatte. „Es ist ein so städtebaulicher Missgriff, bei dem man sich nur fragen kann, wie man damals so unsensibel mit dem historischen Umfeld umgehen konnte“, sagte 2010 Detlef Kron, damaliger Leiter des Stadtplanungsamtes. Das war Konsens. Das Leonhardsviertel und das Bohnenviertel sollten wieder zusammen finden, unter dem historischen Begriff Leonhardsvorstadt. Weg mit dem Züblin-Parkhaus, stattdessen Wohnen, Handel, Gewerbe, der Zeitpunkt schien günstig.

Dann begann das Drama. Aus rechtlichen Gründen musste man den Pachtvertrag um 12 Jahre bis 2023 verlängern. Immerhin verschaffte das der Stadt Zeit zum Überlegen und zum Handeln. Überlegt hat man viel, gehandelt nie. Es gab eine Zwischennutzung, Gärtnern auf dem Dach, Musik und Kultur und Beisammensein im Erdgeschoss. Die Bürger beteiligte man, fragte sie, was sie gerne hätte. Man drehte also ziemlich viele Schleifen. Bis der Zeitgeist und einige Stadträte auf die Idee kamen, man könne ja das Parkhaus erhalten. Geld spielte in den beginnenden 20er-Jahren keine Rolle, also beauftragte die Stadt drei Büros für Städtebau mit Planspielen. Wenig überraschend sahen die „Potenzial“. Und sagten: „Wir müssen uns an die beste Lösung herantasten.“ Wofür natürlich weitere Runden vonnöten waren. Bei der Stadt sah man die Chance, der damals arg gerupften IBA ein Projekt in der Stadtmitte anzudienen.

vergeblicher Widerstand

Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle war zunächst strikt dagegen, ebenso die Initiativen im Quartier und die Gewerbetreibenden. Der Gemeinderat beschloss 2022 dennoch einen „Wettbewerb der Ideen“, die Grundstücksvergabe sollte ergebnisoffen stattfinden. Und als IBA’27-Projekt. Man wollte kostengünstiges, gemeinschaftsorientiertes Wohnen, Flächen für Begegnung, Freizeit und Sport. Liest sich gut. Aber weil man zugleich eine Machbarkeitsstudie zur Bausubstanz in Auftrag gab, bezeichnet Kienzle ihre Zustimmung zu diesem Konzept als einer ihrer „größten politischen Fehler“.

Denn seitdem geschah, nichts! Hätte man 2023 abgerissen, würde man heute bauen. Stattdessen wird wieder debattiert. Und geparkt. Nun hat man die absurde Situation: Um das Klima zu schützen, also auf Erhalt statt Abriss zu setzen, hat man ein Parkhaus erhalten, in das weiter fleißig Autos fahren.

Es dauert. Und dauert

Und das vermutlich noch mindestens ein Jahrzehnt. Denn wie Kämmerer Thomas Fuhrmann im Wirtschaftsausschuss sagte, werde man nun das Projekt EU-weit ausschreiben. Dies erfordere eine „detaillierte Projektbeschreibung mit exakten Kriterien“. Dies solle dieses Jahr erfolgen. Die Verzögerung liege in der Machbarkeitsstudie begründet, die durch Erhalt und Umwidmung des Gebäudes nötig geworden sei. Die EU-weite Ausschreibung sei nötig geworden, ergänzt Baubürgermeister Peter Pätzold, weil eine öffentliche Nutzung vorgesehen sei. Geplant ist nämlich auch eine Turnhalle. Aber mit der Schleife durch den gewünschten Erhalt sei das Projekt komplizierter geworden.

Auch Ausstellungen waren im Parkhaus. Foto: Leif Piechowski

So kompliziert, dass es vom Film- und Medienhaus und dem Mobility Hub anstelle des Breuninger-Parkhauses überholt worden sei. „Und an einem Standort könnten nicht drei Baustellen gleichzeitig laufen.“ Sprich, erst müssen die anderen fertig werden, bevor man das Züblin-Parkhaus in Angriff nimmt. Wenn denn die Ausschreibung fertig wird, und sich überhaupt ein Investor findet. Das heißt, die Leonhardsvorstadt wird noch lange Zeit eine Schimäre bleiben. Und das Leonhardsviertel weiter auf eine Perspektive warten müssen.