Der Leuzeknoten ist seit Jahren eine Großbaustelle. Nun wird das Vorhaben zum wiederholten Mal teurer. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Verknüpfung der Bundesstraßen 10 und 14 beim Leuze und der Tunnel unter dem Rosensteinpark greifen stark ins Stuttgarter Straßennetz ein. Das Großprojekt kostet nun fast eine halbe Milliarde Euro. Gespart werden soll bei einem anderen Vorhaben.

Nächste Kostensteigerung bei einem Großprojekt in Stuttgart: das große Straßenbauvorhaben, bei dem die B 10 in einen Tunnel unter dem Rosensteinpark verlegt wurde und die Verknüpfung der beiden Bundesstraßen 10 und 14 beim Mineralbad Leuze neugeordnet wird, wird abermals teurer. Nach der nun eingeräumten Kostensteigerung könnte sich die Endrechnung auf 495,5 Millionen Euro belaufen. Beim Baubeschluss im Jahr 2012 ging die Stadtverwaltung noch davon aus, dass die beiden miteinander verflochtenen Großvorhaben in Summe 193,5 Millionen Euro kosten würden.

 

Vorhaben kratzt an der Marke von einer halben Milliarde Euro

Diese Schallmauer ist längst durchbrochen. Beim bislang jüngsten Kostensprung schnellte die Prognose im Jahr 2021 in zwei Schritten auf 433,9 Millionen Euro. Dazu kommen nun nach neuesten Erkenntnissen weitere rund 39,5 Millionen Euro, womit das Großvorhaben nur noch knapp unter der Marke von einer halben Milliarde Euro bleibt.

Diskussion im Gemeinderat

In einem sechsseitigen Papier, das Stadträtinnen und Stadträte an diesem Dienstag erstmals diskutieren und das am Donnerstag darauf im Gemeinderat beschlossen werden soll, führt die Stadtverwaltung eine ganze Reihe von Gründen auf, die zur neuerlichen Kostensteigerung geführt hätten.

So habe die Sanierung der bestehenden Tunnel am Leuze länger gedauert. Zwar seien die Bauwerke zuvor „stichprobenartig analysiert“ worden, heißt es in der Beratungsvorlage. Einmal mit den eigentlichen Arbeiten begonnen, habe man aber „eine schlechtere Bauwerkssub-stanz angetroffen“.

Materialengpässe und längere Bauzeit

In Folge der Pandemie und des russischen Angriffskriegs in der Ukraine habe es im Bausektor vor allem bei Erdöl- und Stahlprodukten „extreme Preissteigerungen“ gegeben. Die längere Bauzeit habe zu einem längeren Personaleinsatz geführt, was ebenfalls die Kosten habe steigen lassen. Allein bei der Sanierung der Bestandsröhren und beim Neubau der dritten Leuzeröhre summieren sich die Mehrkosten auf knapp 21 Millionen Euro. Unter anderem Materialengpässe bei der technischen Ausstattung schlagen mit 3,8 Millionen Euro zu Buche. Bei der Verkehrsleittechnik sind die Kosten ebenfalls gestiegen, um rund drei Millionen Euro.

Mit der nun eingetretenen abermaligen Kostensteigerung dürften sich all jene Kritiker bestätigt fühlen, die vor Baubeginn, aber auch während der Bauphase vor unkalkulierbaren Kostenrisiken gewarnt hatten und die Projekte auch deshalb ablehnten, weil sie Investitionen in Straßenprojekte grundsätzlich ablehnen. Die Befürworter argumentierten indessen, dass vor allem mit dem Rosensteintunnel der Durchgangsverkehr auf der Pragstraße in den Untergrund verbannt werde. Das ist zwar eingetreten, als der Tunnel im Jahr 2022 eröffnet wurde. Die üblichen Staus auf dieser kürzesten Verbindung von der A 81 im Norden in Richtung Rems- und Neckartal sind aber geblieben, da sich an den neuen Tunnel unmittelbar die Großbaustelle des Leuzeknotens anschließt, wie die komplexe Verknüpfung der B 10 und B 14 in unmittelbarer Umgebung des namensgebenden Mineralbads genannt wird.

Teile des Vorhabens sind bereits in Betrieb, wie etwa eine dritte Tunnelröhre entlang des Leuze-Areals und der sogenannte Kurztunnel, durch den der Verkehr aus Richtung Esslingen kommend in Richtung Innenstadt rollt. Auch eine neue Rampe für Linksabbieger auf die König-Karls-Brücke ist bereits fertiggestellt und wird genutzt.

Einen konkreten Termin für die Inbetriebnahme des Gesamtvorhabens nennt die Stadtverwaltung in dem Beratungspapier für den Gemeinderat nicht. Klar ist aber, dass die Baustelle noch das Jahr 2025 über erhalten bleibt und sich Restarbeiten an der Wiederherstellung der Oberfläche, die jetzt noch vielerorts als Baustellen-Wüstenei daherkommt, bis ins Jahr 2026 hinziehen werden.

Projekt in Zuffenhausen soll gestoppt werden

Die nun fällig werdenden Mehrkosten von rund 39,5 Millionen Euro seien noch nicht finanziert. Deswegen schlägt die Stadtverwaltung vor, bei einem anderen Projekt zu sparen, das noch nicht begonnen wurde, aber schon lange auf der Wunschliste der unmittelbaren Nachbarschaft steht. Am Ortseingang von Zuffenhausen soll die aufwendige Auffahrtsrampe einer schlichteren Lösung weichen. Dieses sogenannte Ohr hängt noch mit der längst aufgegebenen Planung einer Fortführung der B 10/27 von der Friedrichwahl bis zum Pragsattel, der sogenannten Krailenshalden-Trasse, zusammen. Die stattdessen geplante „Direktauffahrt Friedrichswahl“ soll gestrichen werden. Dies solle „zur Finanzierung der Mehrkosten l mit der vorgelegten Beschlussvorlage beschlossen werden. Das ist der Finanzierungsvorschlag der Verwaltung“, sagt Stadtsprecher Oliver Hillinger.