Für Autofahrer steht beim Abbiegen in den Kurztunnel in Richtung Innenstadt nur eine Fahrspur zur Verfügung – ebenso wie an der Ausfahrt vom Rosensteintunnel. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das mit knapp 500 Millionen Euro größte Straßenbauprojekt in Stuttgart soll im Frühjahr 2026 fertig sein. Noch sind aber nicht alle Fahrbahnen freigegeben. Die Folge sind lange Staus.

So mancher Autofahrer wechselt nur zögerlich auf die dritte Spur der B10 vom Rosensteintunnel kommend in Richtung Esslingen. „Viele müssen sich erst an die neuen Gegebenheiten gewöhnen“, weiß Ingenieur Fabian Schmidt. Schließlich sind am Freitagmorgen die neuen Wegeverbindungen am Leuzeknoten erst wenige Stunden lang geöffnet. „Ich bin mir sicher, dass einige auch noch die Umleitungsstrecken über die Mercedes- und Benzstraße genutzt haben“, ist der verantwortliche Projektleiter vom Tiefbauamt überzeugt.

 

Rosensteintunnel über Stunden dicht

Dennoch bildeten sich im morgendlichen Berufsverkehr teilweise lange Staus. Schließlich ist der Leuzeknoten mit täglich rund 120 000 Fahrzeugen eine der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben in der Landeshauptstadt. Laut der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) hatte das vor allem große Auswirkungen in Fahrtrichtung Esslingen. Ab 7 Uhr stauten sich die Fahrzeuge bis zum Mittag über mehrere Kilometer demnach im Rosensteintunnel bis zum Pragsattel. Hingegen bildete sich in der Gegenrichtung auf der B10 in Richtung Innenstadt lediglich ein verhältnismäßig kurzer Stau bis zur Gaisburger Brücke.

Nur eine Fahrspur in Richtung Innenstadt und Esslingen

Der Hintergrund ist einfach: Zwar wurden nach den erneuten Sperrungen der vergangenen Tage in der Nacht auf Freitag, 19. September, alle endgültigen Fahrspuren in den Tunneln fertig gestellt, aber noch nicht gänzlich in Betrieb genommen. „Das hängt mit der Ampelanlage auf der König-Karls-Brücke zusammen“, erklärt Schmidt. „Diese muss noch mit den Lichtsignalen in den Tunneln synchronisiert werden“, ergänzt sein Amtskollege Moritz Baumann. Das soll bis spätestens Weihnachten der Fall sein.

Die Verkehrsteilnehmer, die aus dem Rosensteintunnel kommend in Richtung Esslingen oder Innenstadt wollen, müssen sich daher von den vorhandenen drei zunächst wieder auf eine Fahrbahn einfädeln. Erst nach dem Nadelöhr fächert sich das Angebot wieder auf drei Spuren auf. Ebenso steht in der Leuzeröhre der B10/B14 aus Esslingen sowie im Kurztunnel in Richtung Innenstadt nur eine Spur zur Verfügung. „Es ist nach wie vor eine Baustelle“. Bis Weihnachten wird nun die Baufläche am ehemaligen Wender zwischen Leuzeknoten und Wilhelma zurückgebaut. „Und dann können wir auch die restlichen Fahrbahnen öffnen“, sind die beiden Ingenieure zuversichtlich.

Noch wartet auf die beiden Projektleiter Fabian Schmitt und Moritz Baumann (von links) eine Menge Arbeit. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Mitte kommender Woche wird weitere Rampe eröffnet

In Zukunft soll das laut eigener Aussage mit Kosten von rund 495,5 Millionen Euro größte Straßenbauvorhaben, das Stuttgart je am Stück gebaut hat – der Leuzeknoten und Rosensteintunnel – nicht mehr zur „Staufalle“ werden. Schließlich sollen auf der B10/B14 aus Esslingen in Richtung Innenstadt, über den Rosensteintunnel in den Stuttgarter Norden sowie in Richtung Cannstatter Neckarvorstadt jeweils zwei Spuren verlaufen. In die Gegenrichtung aus dem Rosensteintunnel in Richtung Neckarpark und Esslingen gar drei Fahrbahnen. „Das erhöht auch deutlich die Leistungsfähigkeit der Ampel“, betont Baumann, die bei der Querung der beiden Fahrtrichtungen weiterhin notwendig ist.

Hingegen bereits Mitte kommender Woche soll die neue Abfahrtsrampe von der König-Karls-Brücke zum Rosensteintunnel in Betrieb gehen. Bis Weihnachten werden dann die notwendigen Anschlüsse der bislang genutzten Rampe gemacht. Diese wird dann zur zukünftigen Auffahrt in die Gegenrichtung nach Bad Cannstatt hergestellt. Damit ist das Ende der Arbeiten aber noch nicht erreicht. Bis Ende des Jahres wird das bisherige Baufeld direkt an der Anlegestelle des Neckar-Käptn’s gegenüber der Wilhelma geräumt. An seiner Stelle entsteht bis Frühjahr 2026 direkt am Flussufer eine großzügige Grünfläche. Genauso lange zieht sich auch noch die Umgestaltung Kreuzung der B10 mit der Poststraße, dem Abbieger zum Leuze-Parkplatz hin. „Der Verkehr wird davon aber nicht beeinträchtigt, es stehen immer zwei Fahrspuren in beide Richtungen zur Verfügung“, verspricht Schmidt. Und der Leuzeknoten endlich seine volle Leistungsfähigkeit erhalten.