Die Kappelbergstraße ist in einem schlechten Zustand, die Gehwege sind teils viel zu schmal. Foto: Sebastian Steegmüller

Die Kappelbergstraße wird wegen Kanalarbeiten gesperrt – für mehr als zwei Jahre. Die Kosten belaufen sich auf rund 7,5 Millionen Euro.

Mehr als 8000 Autos, Busse und Lastwagen rollen täglich über die Kappelbergstraße in Untertürkheim. Noch. Denn ab Anfang kommenden Jahres wird die Hauptverbindung zwischen dem Ortskern und dem Stadtteil Luginsland sowie Fellbach wegen wichtiger Kanalsanierungen komplett gesperrt – für mehr als zwei Jahre. Die Baustelle sorgt für massive Einschränkungen und weite Umwege im Auto- und Busverkehr.

 

„Es ist eine sehr große Baumaßnahme“, weiß Nikolaus Welker, der Leiter der Abteilung Neckar beim Tiefbauamt. Seit Jahren wurde die Sanierung daher immer wieder aufgeschoben. Doch jetzt geht das nicht mehr. Die in der Kappelbergstraße sowie im gesamten Wohngebiet um die Fellbacher-, Margareten-, Hettich- und Munkstraße verlaufenden Abwasserkanäle aus den 1920er Jahren „weisen sehr starke Schäden auf“, ergänzt Projektleiter Fabian Burtzländer. Insgesamt werden auf einer rund 1,1 Kilometer langen Strecke neue Kanäle und 85 Hausanschlüsse verlegt. Die Gesamtkosten sind auf 7,5 Millionen Euro veranschlagt.

Neuer Straßenbelag und barrierefreie Bushaltestelle

In den Kosten enthalten sind auch die Sanierung des maroden Straßenbelags in der Kappelbergstraße auf einer Fläche von knapp 4000 Quadratmetern, zugleich wird die Bushaltestelle „Im Hag“ der Buslinie 60 der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die zwischen Untertürkheim Bahnhof über Fellbach nach Oeffingen verkehrt, barrierefrei ausgebaut. Für den Schulweg wird eine Querungshilfe eingerichtet und nicht zuletzt auch der äußerst schmale Gehweg auf Höhe der Kappelbergstraße 10 verbreitert. „Es handelt sich aber um keine Umgestaltungsmaßnahme“, betonen Welker und Burtzländer unisono.

Diese wird seit langem gefordert. Derzeit findet eine Unterschriftensammlung der eigens gegründeten Bürgerinitiative „Untertürkheim entschleunigt“ für eine Verkehrsberuhigung im Ortskern statt. Aufgrund der sehr beengten Verhältnisse seien vor allem Radfahrer und Fußgänger stark gefährdet, fast täglich komme es zu Fast-Unfällen. Eine Anwohnerin drohte der Stadt gar mit einer Klage. Auch die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat haben bereits einen Antrag auf Tempo 30 zwischen Untertürkheim und Fellbach gefordert. Dies sei im Zuge der jetzt anstehenden Sperrung der wichtigen Verbindungsstraße der richtige Zeitpunkt.

Denn die mehr als zwei Jahre dauernde Sanierung umfasst neben dem Bau der neuen Abwasserkanäle ein ganzes Bündel an Maßnahmen zusammengefasst. So werden zeitgleich neue Gas- und Wasserleitungen verlegt. „Wir packen so viel wie möglich hinein“, erklärt Welker. Ob auch die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen in Luginsland integriert werden kann, sollen weitere Gespräche mit den Netzbetreibern klären.

Umleitung um den kompletten Ortskern herum

Einschränkungen bringt die Sperrung der Kappelbergstraße vor allem auch für den Verkehr mit sich. Die offizielle Umleitung führt um den kompletten Ortskern herum über die Augsburger und Dietbachstraße. „Die Zufahrt für die Anwohner wird bis zur Baustelle aber immer möglich bleiben“, sagt Burtzfelder. Deshalb werde die Sanierung in offener Bauweise immer nur in rund 20 Meter langen Etappen durchgeführt. Eine Durchfahrt sei aber gänzlich unmöglich – auch nicht für die SSB-Buslinie 60. „Eine Ersatzbushaltestelle wird auf Höhe der Ecke Dietbach-/Barbarossastraße eingerichtet“, sagt Burtzfelder. Um den Weg zur Luginslandschule und der Seniorenwohnanlage Paul-Collmer-Haus so kurz wie möglich zu halten, sei für die Buslinie ein Abstecher in Richtung Luginsland geplant. Die genaue Route müsse aber noch von der SSB festgelegt werden.

Eine Anwohnerinformation findet am Donnerstag, 27. November, ab 18 Uhr im katholischen Gemeindezentrum St. Johannes, Warthstraße 22, statt.