Stefan Hartung ist seit 2022 Chef von Bosch. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

2,7 Milliarden Euro an Rückstellungen hat Bosch für das Abfindungsprogramm gebildet. 2025 wurden 900 Millionen ausgezahlt, berichtet Konzernchef Stefan Hartung.

Bosch erlebt im Zuge der Automobilkrise gerade den größten Umstrukturierungsprozess seiner Geschichte. Der weltgrößte Zuliefer-Betrieb reagiert darauf auch mit einem groß angelegten freiwilligen Abbauprogramm. Insgesamt sind davon in der Kfz-Sparte rund 22 000 Stellen am Standort Deutschland betroffen, die in den nächsten Jahren wegfallen sollen. Im Gespräch mit dieser Zeitung hat sich Bosch-Chef Stefan Hartung erstmals dazu geäußert, wie weit sein Unternehmen diesen Plan bereits vorangetrieben hat.

 

Anspruchsvolle Verhandlungen für beiden Seiten

„Sichtbar ist bereits ein Abbau von rund 6000 Stellen in der Mobilitätssparte in Deutschland“, sagt Hartung: „Der größte Weg liegt also noch vor uns.“ Darüber hinaus habe man in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern in den vergangenen Monaten Abschlüsse an fast allen betroffenen Standorten erreicht. „Das war für beide Seiten sehr anspruchsvoll, aber leistet einen entscheidenden Beitrag zur Schließung der Kostenlücke und damit zur Sicherung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Bosch“, betont der 60-Jährige, der seit 2022 Vorsitzender der Geschäftsführung ist.

Produktion von Diesel-Einsspritzpumpen im Bosch-Werk Feuerbach. Foto: dpa

Der Konzern hat für 2025 Rückstellungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro für den Stellenabbau gebildet. Auf dem Papier seien damit alle finanziellen Lasten berücksichtigt, so Stefan Hartung: „In der Realität natürlich noch nicht.“ Die Rückstellungen zögen die Belastungen bei den Gewinnen vor, aber das Geld für ausscheidende Beschäftigte werde erst in den kommenden Jahren abfließen.

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2025 hat Bosch laut Stefan Hartung knapp 900 Millionen Euro an scheidende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezahlt. „Die restlichen Mittel werden erst in den Folgejahren eingesetzt“, sagt der Konzern-Chef, „die eigentliche Liquiditätsbelastung kommt also noch.“

Bei Mercedes wird mit einer Summe von 1,6 Milliarden Euro deutlich weniger für den Stellenabbau zurückgestellt. Hartung hält die Zahlen zwar nicht für vergleichbar – klar sei aber, dass Zulieferer im Vergleich zu Herstellern noch stärker unter Druck stünden. Dazu die Erläuterung von Stefan Hartung: „Wenn sich der Markt vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität bewegt, verliert ein Zulieferer für Diesel- oder Benzinkomponenten sehr viel von seiner Wertschöpfung. Der Hersteller dagegen fertigt weiterhin Autos – dann eben solche mit Elektroantrieb.“