Die von der Stadt beschlossene Verlängerung der B-14-Unterführung am Gebhard-Müller-Platz ist im Siegerentwurf des Wettbewerbs zur Umgestaltung des Straßenzuges verschwunden. Foto: asp Architekten/Koeber Landschaftsarchitektur

Das Rathaus räumt ein, dass der siegreiche Entwurf im städtebaulichen Wettbewerb für den Bereich der B 14 stellenweise nachgebessert werden muss, weil er im Widerspruch zu Gemeinderatsbeschlüssen steht. Der politische Streit über die Folgerungen aus dem Wettbewerb beginnt bereits.

Stuttgart - Der mit viel Vorschusslorbeeren bedachte siegreiche Entwurf zur Umgestaltung der B 14 muss an einer zentralen Stelle nachgebessert werden. Das räumt das Rathaus ein. In diesem Bereich zeichnet sich bereits erster politischer Streit über die Umsetzung an.

 

Der von OB Fritz Kuhn (Grüne) mit dem Etikett „visionär“ versehene Entwurf des Büros asp sieht unter anderem vor, den Verkehr zwischen dem Schwanenplatztunnel und dem Marienplatz durchgehend oberirdisch zu führen und dazu sämtliche bestehenden Tunnel unter den großen Plätzen in der Stadt aufzugeben oder anderweitig zu nutzen – so auch am Gebhard-Müller-Platz. Just über die dortige Unterführung hatte es im Frühjahr Zwist im Gemeinderat gegeben, aber eben auch das mehrheitlich befürwortete Ergebnis, die Tunnelstrecke für die Autos um rund 100 Meter in Richtung Neckartor zu verlängern. Den im Zuge der Verlängerung ostwärts verschobenen Tunnelmund kurz vor dem Wulle-Steg sucht man in den Visualisierungen des mit 100 000 Euro bedachten Siegerentwurfs vergeblich. In einem Querschnitt ist zu erkennen, dass künftig Autos in einer Tiefgarage parken sollen, wo heute der Verkehr häufig mehr schlecht als recht unter dem Gebhard-Müller-Platz hindurch rollt. Die vorgesehene Nutzung würde überdies dem Kernerviertel eine neue Tiefgaragenausfahrt an der Sängerstraße bescheren.

Straßentunnel wird verlängert

Die im Mai im Gemeinderat beschlossene Verlängerung des Straßentunnels ist kein visionäres Projekt für die fernere Zukunft, sondern wird alsbald als Teil der Arbeiten für Stuttgart 21 entstehen. Daran ändert auch der Entwurf nichts, der anderes vorsieht. Auf Nachfrage stellt das Referat von Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) klar, dass an dieser Stelle der Entwurf so nicht zu realisieren ist. „Der Entwurf von asp muss an diesem Punkt angepasst werden“, teilt eine Rathaussprecherin mit. Schon bei der Diskussion im Mai sei klar gewesen, dass „es Widersprüche aus dem Wettbewerb geben könnte“. In der schlussendlich von einer Ratsmehrheit gut geheißenen Vorlage der Stadtverwaltung hieß es damals allerdings noch, die geplanten Maßnahmen wie etwa die Verlängerung des Straßentunnels stünden „nicht im Widerspruch zum geplanten Wettbewerbsverfahren“.

Die Bahn hatte bei einer Informationsveranstaltung für Anwohner zu Beginn des Jahres ihren Zeitplan für die weiteren Arbeiten in diesem Bereich offengelegt. Im kommenden Jahr wird zunächst die außer Betrieb gegangene Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie abgerissen, von 2022 an wird an der Verlängerung des Straßentunnels gearbeitet. Verzögerungen für die anstehenden Arbeiten erwartet die Stadt nicht und verweist auf die „Anpassung des Wettbewerbsvorschlags“. Der verlängerte Straßentunnel ist Bestandteil der Baugenehmigung für den Bahnhof und die angrenzenden Tunnelstücke. Er war im Zuge des Genehmigungsverfahrens erst auf Anregen der Stadt selbst in die Planungen mitaufgenommen worden.

Die Bahn hatte dort einen Steg über die Straße favorisiert. „Insbesondere aus städtebaulichen Gründen hat die Stadt als Alternative zur ursprünglich von der Bahn geplanten Steg-Lösung die Verlängerung der bestehenden Unterfahrung des Gebhard-Müller-Platzes bis zur Sängerstraße in die Planungen eingebracht“, hieß es in der Vorlage der Verwaltung.

Politische Streit zeichnet sich ab

Unumstritten war die Entscheidung für eine verlängerte Straßenunterführung damals keinesfalls. Und sie scheint auch nach dem Gemeinderatsbeschluss und der Entscheidung im städtebaulichen Wettbewerb weiter Anlass für politischen Streit zu bieten. Hannes Rockenbauch, Stadtrat von SÖS und OB-Kandidat, pocht darauf, den Gemeinderatsbeschluss doch noch mal über den Haufen zu werfen. Mit Blick auf den Entwurf sagt er: „Die Planungen für die Verlängerung des Autotunnels am Gebhard-Müller-Platz sind sofort zu stoppen. Statt 50 Millionen in überflüssige Tunnel, sollten wir dieses Geld in Lebensqualität investieren.“

Dass man den gekürten Entwurf nochmals überarbeiten muss, hält man im Rathaus für keinen Beinbruch. „Der Wettbewerb B 14 war ein Planungswettbewerb, kein Realisierungswettbewerb. Wettbewerbsarbeiten haben immer einen Überarbeitungs- und Änderungsbedarf, weil es nie Arbeiten gibt, die alles lösen oder beachten“, heißt es im Referat Städtebau der Stadtverwaltung.