Die Stuttgarter Lebensversicherung investiert auf einem Grundstück zwischen Lautenschlager- und Friedrichstraße. Der Neubau soll Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Wohnungen beherbergen.
Die City der Landeshauptstadt ändert in den kommenden Jahren ihr Gesicht. Nicht nur in der Königstraße, wo die LBBW Immobilien-Gruppe bis 2028 rund 700 Millionen Euro in das Schlossgartenhotel und die Gebäudereihe Königstraße 1–3 investieren möchte. Am anderen Ende der Einkaufsmeile, am Hirschbuckel, wo einst die Schausteller- und Wasenlegende Walter Weitmann in Nachbarschaft zum Kaufhof-Komplex ihr Büro hatte, will die Firma Stinag einen Neubau errichten. Nur wenige Meter entfernt macht das LBBW-Projekt „Vier-Giebel“ bereits große Fortschritte. Neben Gastronomie und Einzelhandel im Erdgeschoss sind in den Stockwerken darüber neben Büroflächen auch noch rund 40 Wohneinheiten geplant. Und unweit des Charlottenplatzes entstehen der Mobility Hub und das Haus für Film und Medien.
Mit dem Projekt „KarLa“ steht jetzt ein weiteres Großprojekt in zentraler Lage in den Startlöchern. Die Stuttgarter Lebensversicherung als Bauherrin möchte in den kommenden Jahren nach dem Abriss der Bestandsgebäude ein modernes Stadtquartier errichten, das Gastronomie, Handel, Büro und Wohnen unter einem Dach vereint. Für die Projektsteuerung des Bauvorhabens, das nach den Plänen des Architekturbüros Caspar aus Köln entsteht, ist der deutschlandweit tätige Immobilienentwickler Blue Estate GmbH verantwortlich.
Fußgängerdurchgang gilt als Schmuddelecke
Das Grundstück ist etwa 5300 Quadratmeter groß. Auf ihm liegen die Gebäude Lautenschlagerstraße 20 und Friedrichstraße 15. Beide sind jedoch in die Jahre gekommen. Der düstere Fußgängerdurchgang als Verbindung Richtung Touret- und Königstraße gilt als Schmuddelecke. Zwar gibt es eine Fußgängerbrücke über die viel befahrene Friedrichstraße in Richtung Uni-Gelände, allerdings ist sie nur über eine Treppe zu erreichen und dadurch nicht barrierefrei. Im Zuge des Neubaus wird auch die Brücke abgerissen. An gleicher Stelle soll künftig ebenerdig das Passieren der Friedrichstraße möglich sein. Beide Gebäude sind aktuell noch zu 100 Prozent vermietet. Neben der Landeszentrale für Politische Bildung, die bereits auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten ist, sind in der Lautenschlagerstraße 20 auch das griechische Szenelokal Cavos sowie die Taverna Sultan Saray beheimatet.
Innenhof mit Bäumen
„Das Projekt umfasst eine Gesamtnutzfläche von rund 38 000 Quadratmeter“, sagt Tim Lerner. Mit 22 000 Quadratmeter liege der Schwerpunkt auf gewerblichen Nutzungen. Der Leiter der Immobilienabteilung bei der Stuttgarter Lebensversicherung sieht in dem Bauvorhaben ein wichtiges städtebauliches Bindeglied zwischen Universität, Königstraße und dem Schlossgarten.
Um Eingriffe in das Grundwasser möglichst zu vermeiden, wird der Neubau mit zwei Untergeschossen auf das bestehende dritte Untergeschoss gegründet, das wiederum mit Abrissbeton aufgefüllt wird. „Dadurch entfällt zwar die dritte Tiefgaragenebene, aber es gibt auch weniger Erdaushub und der Projektablauf wird effizienter“, so der Leiter der Immobilienabteilung. Das zukünftig durchlässige Erdgeschoss soll Platz für ein großflächiges gastronomisches Angebot in Kombination mit Einzelhandelsflächen bieten.
Hotelbetrieb ist möglich
Auch die Angliederung eines Hotelbetriebs ist möglich. In einem separaten Gebäuderiegel entstehen zudem auf vier Obergeschossen voraussichtlich 24 Wohnungen, die über einen exklusiven Innenhof mit Spielplatz verfügen werden. Für die Wohnungs- und Büronutzer sind getrennte Dachgärten vorgesehen.
„Namensgeber des Neubaus in der Stuttgarter Innenstadt ist der ehemalige Oberbürgermeister Karl Lautenschlager“, sagt Tim Lerner. Der Bauantrag sei noch nicht eingereicht worden, soll aber noch in den nächsten Wochen erfolgen. Laut seinem Zeitplan hoffen die Verantwortlichen der Stuttgarter Lebensversicherung, die sich zum Investitionsvolumen nicht äußern wollten, mit einem Baubeginn im Jahr 2026. Drei Jahre später soll dann „KarLa“ bereits fertig sein.
Neubauprojekt „KarLa“
Größe
Das Grundstück ist 5300 Quadratmeter groß. Der geplante Bau umfasst eine Gesamtnutzfläche von 38 000 Quadratmetern, die sich auf sieben oberirdische Geschosse sowie eine zweigeschossige Tiefgarage verteilen.
Grün
Das Gebäude erhält eine moderne, teils begrünte Fassade und einen bepflanzten, rund 1700 Quadratmeter großen Innenhof mit Bäumen für eine natürliche Beschattung mitsamt Außengastronomie.
Parken
Eine zweigeschossige Tiefgarage mit Zufahrt über die Friedrichstraße bietet 120 Autostellplätze, in einer separaten Tiefgarage mit Zugang über die Lautenschlagerstraße gibt es Abstellflächen für insgesamt 300 Fahrräder.
Büros
Vom ersten bis sechsten Obergeschoss sind flexibel nutzbare Büroflächen vorgesehen, die voraussichtlich ab 400 Quadratmeter angemietet werden können.
Projektsteuerung
Für die Projektsteuerung ist der Immobilienentwickler Blue Estate verantwortlich, an dem die Stuttgarter Lebensversicherung über die Stuttgarter Versicherung Holding zu 60 Prozent beteiligt ist.