Ein Büchertempel: Die Stuttgarter Stadtbibliothek. Drucken und Kopieren kann man hier – und in den 18 Stadtteilbibliotheken – aber nicht mehr. Foto: Lichtgut

Auch die Stuttgarter Stadtbibliothek wird vom Sparzwang nicht verschont. Seit dem 1. Januar kann hier nicht mehr kopiert und gedruckt werden. Viele Besucher sind verärgert.

Die Ankündigung kam für viele Besucherinnen und Besucher der Stuttgarter Stadtbibliothek Anfang Januar überraschend: Drucken und kopieren geht künftig nicht mehr im Haupthaus am Mailänder Platz und den 18 Stadtteilbibliotheken. Auf einem Aushang ist zu lesen: „Im Rahmen der Einsparmaßnahmen wird das Angebot an Kopierern/Druckern eingestellt.“ Darunter die Begründung: Der Betrieb der Geräte verursache jährlich „beträchtliche Kosten“, während die Nachfrage kontinuierlich abnehme. Dazu listet der Aushang Copyshops, Schreibwarenläden oder Postfilialen in der Nähe auf, in denen man drucken und kopieren kann.

 

Dass immer weniger Menschen den Druck- und Kopierservice nutzen würden, dieses Argument lässt Martin Deeg nicht gelten. „Das deckt sich überhaupt nicht mit meinen Beobachtungen“, sagt der Stuttgarter. „In der Bibliothek in Weilimdorf, die ich häufig besuche, bilden sich oft sogar kurz Schlangen vor den Geräten.“ Über viele Jahre hat der 56-Jährige den Service genutzt, „mal mehr, mal weniger intensiv“. Deeg ärgert, dass die Bibliotheksbesucher vor „vollendete Tatsachen“ gestellt wurden, und auch, dass die Ankündigung aus seiner Sicht so kurzfristig kam. „Der Bedarf ist weiterhin da, das sagt auch das Bibliothekspersonal, wenn man vor Ort mit den Mitarbeiterinnen spricht.“

Auch die Stadtbibliothek trifft der Sparzwang in Stuttgart

Der Stuttgarter Gemeinderat musste im Dezember einen Sparhaushalt verabschieden. Nur 850 Millionen Euro Schulden retten die Haushaltslage für die kommenden beiden Jahre. Überall muss abgespeckt werden. „Es hat sich früh abgezeichnet, dass Einsparmaßnahmen auch für die Stadtbibliothek unumgänglich sein würden“, erklärt Laura Barke von der Pressestelle der Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung.

Mit diesen Aushängen informiert die Stadtbibliothek über die Entscheidung. Foto: StZN/Schäfer

Woran man nicht habe sparen wollen: An den Büchern und DVDs, Zeitschriften und E-Books – kurz: dem Medienbestand. „Es ist unser Ziel, diesen Bereich nicht anzutasten und im bisherigen Umfang fortzuführen“, so Barke weiter. „Umgekehrt haben wir Dienstleistungen identifiziert, die auch externe Anbieter zur Verfügung stellen - und deshalb für uns eher verzichtbar sind.“ So wie der Druck- und Kopierservice.

Die 27 gemieteten Geräte werden nun an den Verleiher zurückgegeben. Wie viel Geld genau durch die Maßnahme eingespart wird, teilt die Stadt nicht mit. Nur dieses: „Die Ausgaben liegen deutlich über den Einnahmen, die mit den Geräten erzielt werden. Wir haben hier in den letzten Jahren einen spürbaren Rückgang erlebt.“ Zehn Cent kostete der Service bislang pro Seite.

Bei seinem jüngsten Besuch in der Weilimdorfer Stadtteilbibliothek sah Martin Deeg ratlose Besucherinnen: Eine Seniorin, die dort öfter Artikel aus den Zeitungen im Büchereibestand kopierte – und nun erfuhr, dass der Kopierer abgebaut wurde. Eine jüngere Frau, die eigentlich Dateien von ihrem mitgebrachten USB-Stick ausdrucken wollte und unverrichteter Dinge wieder gehen musste.

Deeg kritisiert die Sparmaßnahme der Stadt vor allem deshalb, weil sie auch Menschen treffe, „die es ohnehin schwer haben und für die die Bücherei vor allem auch eine soziale - und insoweit ‚barrierefreie’ - Anlaufstelle ist.“ Gerade sozial schwächere oder ältere Menschen haben oft keinen Drucker zu Hause und sind weniger mobil. Von der Stadt heißt es angesichts dieser Kritik, das Ziel bleibe, „dass die Schwächeren in der Gesellschaft weiterhin Zugang zu den notwendigen Medien haben.“

Stadt Stuttgart sucht nach einer Lösung

Auch bei der Stadtbibliothek weiß man, dass „nicht alle Nutzenden mit dieser Maßnahme einverstanden sind“. Man hoffe auf Verständnis angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt. Gerade wird nach einer kleinen Lösung gesucht, so dass „zumindest in den Stadtteilen mit großer Nachfrage ein Angebot aufrechterhalten“ werden kann. Im Gespräch sei auch, dass im Publikumsbereich der Stadtbibliothek am Mailänder Platz weiterhin die Möglichkeit zum Drucken und Kopieren besteht.