Stadtbahn Warum Stuttgart trotz U keine U-Bahn hat

Von Felix Beyer 

Gewohnter Hinweis: Hier geht’s zur Stadtbahn Foto: Leif Piechowski
Gewohnter Hinweis: Hier geht’s zur Stadtbahn Foto: Leif Piechowski

Im nächsten Jahr feiert die Stadtbahn mit gelben Zügen des Typs DT 8 ihren 30. Geburtstag. Bereits in diesem Jahr aber feiert ein Symbol Silberjubiläum: das weiße U auf blauem Grund.

Im nächsten Jahr feiert die Stadtbahn mit gelben Zügen des Typs DT 8 ihren 30. Geburtstag. Bereits in diesem Jahr aber feiert ein Symbol Silberjubiläum: das weiße U auf blauem Grund.

Stuttgart - Dem alteingesessenen Stuttgarter und erfahrenen Stuttgart-Besucher wird das kleine grafische Symbol, das auf die Stadtbahnen und deren Stationen hinweist, wohl schon gar nicht mehr auffallen: Ein großes weißes U in einem blauen Quadrat, dazu der diskrete Zusatz „Stadtbahn“.

Erstmals zeigten sich die Haltestellen wie Züge mit dem blauen U zur Eröffnung der Linie U 9 Hedelfingen – Vogelsang im September 1989. Bekannt war das Symbol jedoch schon weitaus länger. Ursprünglich kennzeichnete es die Lage der unterirdischen Haltestellen, anschließend markierte es die Aktivitäten der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die sich damit Anfang der 70er Jahre eine Marke zur Unterscheidung des entstehenden unterirdischen Streckennetzes von der althergebrachten Straßenbahn schuf. Schon viel früher, etwa 1960, galt zunächst die in die sogenannte „zweite Ebene“, sprich unter die Erde verlegte, unterirdische Straßenbahn als Maß der Dinge. Damals hieß sie „U-Straßenbahn“.

1961 beschloss der Gemeinderat das Straßenbahnnetz in der Innenstadt in den Untergrund zu verlegen, auf neue, leistungsfähigere Fahrzeuge umzustellen und es in den Außenbereichen weitgehend, jedoch nicht vollständig vom Individualverkehr zu trennen. Nach dem Bau der unterirdischen Haltestellen wurde ab Ende der 60er Jahre erstmals eine echte U-Bahn für Stuttgart angestrebt, bis 1976 die Entscheidung fiel, die Straßenbahn sukzessive durch eine leistungsfähigere Sowohl-als-auch-Bahn zu ersetzen: die Stadtbahn. Mit der Einführung des Stuttgarter Verkehrsverbundes, 1978, war eine einprägsame Symbolkennzeichnung der verschiedenen Verkehrsmittel erwünscht. So trat die S-Bahn unter dem bundesweit bekannten grün-weißen S-Logo in Erscheinung. Die Buslinien erhielten zur Kennzeichnung ein rotes Achteck. Die Straßenbahn verkehrte zunächst ohne das blaue U-Symbol, denn das – da legte die Nahverkehrsbranche Wert darauf – war U-Bahnen (im eigentlichen Sinne: Untergrundbahnen) oder vergleichbar ausgestatteten Nahverkehrssystemen vorbehalten.

1985 wurde die erste Stadtbahnlinie 3 auf den Fildern eröffnet. In den Folgejahren kamen zahlreiche Tunnels und unterirdische Stationen dazu. Nach und nach wurden, sowohl ober- als auch unterirdisch, immer mehr Bahnsteige barrierefrei, wodurch sich die Stadtbahn immer mehr von der Straßenbahn unterschied. Schließlich entschlossen sich die SSB, aus den damaligen Stadtbahnlinien 1,3 und 14 die U 1, U 3, und U 14 zu machen. Hinzu kam die ganz neue U 9.

Das weiße U auf blauem Quadrat, das schon seit langem von den U-Bahnen in Deutschland benutzt wurde, bot sich zur Ausschilderung der neuen Stuttgarter Bahnen an. Da diese jedoch keine „echten“ U-Bahnen im Sinne unterirdischer Bahnstrecken und Tunneltrassen sind, fügte die schwäbisch-sparsame SSB einfach besagte Schriftzeile „Stadtbahn“ hinzu, anstatt ein ganz neues Symbol zu erfinden. Bei dieser Entscheidung spielte auch der große Wiedererkennungseffekt des deutschlandweit bekannten Emblems eine große Rolle.

Wofür steht nun aber das U? Doch nicht etwa für „Untergrund“ – wie beim berühmten Begriff Underground in der britischen Metropole London? Bei den SSB verweist man darauf, dass jenes U für unabhängig steht. Für den eigenständig, kreuzungsfrei und unabhängig von anderen städtischen Verkehrssystemen konzipierten Bahnkörper, der seit fast 30 Jahren den öffentlichen Nahverkehr in Stuttgart flexibel und überall zugänglich macht.

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