Die Handballerinnen der SG Schozach-Bottwartal treten vor vollen Rängen an. Jetzt hoffen sie auch auf finanzielle Unterstützung der Fans. Foto: Andreas Essig

Weil Sponsorengelder weggebrochen sind, bangt die Handball-Spielgemeinschaft um die Fortsetzung des Spielbetriebs ihrer beiden Topteams. Spendenaufruf und Crowdfunding gestartet.

Die Gerüchte machten schon länger die Runde, dass sich die Handball-Spielgemeinschaft Schozach Bottwartal in einer finanziellen Schieflage befindet. Dennoch haben die Verantwortlichen lange überlegt, ob sie den Schritt gehen und die prekäre Situation öffentlich zu machen. „Wir dachten, wir bekommen das noch hin. Aber jetzt steht unsere Zukunft auf dem Spiel“, sagt Sendy Terzic, der Vorsitzende der SG Schozach-Bottwartal.

 

Die seit 15 Jahren bestehende Spielgemeinschaft startete deshalb einen dramatischen Aufruf. „Ohne einen großen Gönner, einen starken Hauptsponsor und mehrere kleinere Sponsoren und Spender wird es schon bald nicht mehr möglich sein, den aktiven Spielbetrieb unserer ersten Mannschaften aufrechtzuerhalten“, steht in dem Schreiben.

SGSB hofft auf Spenden von 40.000 Euro

Es steht eine Summe von 40.000 Euro im Raum, die aktuell nicht gedeckt ist und bis spätestens Anfang Januar gesammelt werden muss. Vor einigen Wochen lag der Betrag sogar noch bei 70.000 Euro. Schon damals ging die SGSB in ihrem Umfeld auf die Suche nach finanziellen Unterstützern. Jetzt startet sie zusätzlich noch eine Crowdfunding-Aktion.

Doch wie war es so weit gekommen? Der ehrenamtlich geführten GbR aus den Vereinen TGV Eintracht Abstatt, TGV Eintracht Beilstein, TSV Gronau, SV Schozach und TSV Untergruppenbach sind im vergangenen Jahr dramatisch viele Sponsoren weggebrochen. „Wir sind wohl zu optimistisch in die Planungen für diese Runde gegangen, obwohl wir schon mit einem Minus gestartet sind“, räumt das Vorstandsmitglied ein. Man habe die gesamtwirtschaftliche Situation vor einem Jahr noch anders eingeschätzt. „Einige Unterstützer mussten selbst Insolvenz anmelden, andere sind ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen“, sagt Terzic.

Hinzu kamen steigende Kosten für den Spielbetrieb. Die Verträge mit den Spielerinnen und Spielern in den beiden ersten Mannschaften waren aber bereits geschlossen. Schon jetzt sei es schwierig, diese Verpflichtungen bis zum Saisonende zu erfüllen.

Vorstandsmitglied Sendy Terzic will um den Verbleib der beiden ersten Mannschaften im Spielbetrieb kämpfen. Foto: SGSB

„Unsere Probleme sind ähnlich gelagert, wie bei HB Ludwigsburg, auch wenn wir nicht von einem Sponsor abhängig sind“, sagt Terzic. Mit dem ganz großen Unterschied, dass die SGSB weder Insolvenz anmelden muss, noch ihre Mannschaften komplett vom Spielbetrieb zurückziehen wird. Auf der Kippe stehen allerdings die beiden ersten Mannschaften – die Frauen, die in der 3. Liga unterwegs sind, und das in der Oberliga aktive Männerteam. Diese beiden Mannschaften stellen sozusagen die größten „Gläubiger“ dar.

„Um maximale Transparenz zu bieten, haben wir die Spielerinnen und Spieler früh mit ins Boot genommen, die sich jetzt auch kreativ einbringen, um die Einnahmeseite zu verbessern“, sagt Sendy Terzic. Jetzt gelte die Devise „Zusammenstehen in der Not“. Die Vereinsführung hofft deshalb auch, dass die Akteure und Akteurinnen von der Platte auch bereit sein werden, in der neuen Saison mit einem reduzierten Etat anzutreten. Der Zuschauerzuspruch bei den Heimspielen ist groß. Jetzt setzt man auch auf finanzielle Unterstützung seitens der Fans.

In den Gremien wurde natürlich auch diskutiert, ob man die beiden Top-Mannschaften des Vereins überhaupt erhalten will. Mit Blick auf die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der SGSB hat Terzic hat dazu eine klare Position. „Kinder brauchen Vorbilder. Diese beiden Teams sind die Leuchttürme für unseren Nachwuchs.“

Unterstützung für SGSB-Weg kommt auch vom BWHV-Präsidenten

Diese Meinung teilt auch Peter Knapp, der Präsident des neu gegründeten Baden-Württembergischen Handball-Verbandes (BWHV). Knapp war jahrelang selbst Vorstand der HG Oftersheim/Schwetzingen, weiß um den schwierigen Spagat, den ehrenamtlich geführte Vereine, die im Spitzensport unterwegs sind, leisten. „Wir konnten bei unserer Handballgemeinschaft damals eine Insolvenz abwenden“, sagt Knapp.

Die SGSB sieht er auf dem richtigen Weg, weil sie Breiten- und Spitzensport vereint. Es gehe nicht um entweder oder. „Ich vergleiche das mit einer Pyramide. Wer ein sicheres Fundament haben will, benötigt eine starke Spitze“, sagt Knapp, der aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation damit rechnet, dass auch andere Handballvereine im Land bald mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben werden wie die SGSB.