Fingerzeige in Kiel: VfB-Kapitän Atakan Karazor. Foto: Baumann

Schön war’s nicht, wichtig beim Stand von 2:0 in der Nachspielzeit auch nicht mehr – dennoch ging das 3:0 von Atakan Karazor bei Holstein Kiel viral im Netz. Aus guten Gründen.

Der Kapitän des VfB Stuttgart machte sich in der Nachspielzeit auf die Reise – und die begann zunächst noch sehr elegant. Virtuos dribbelte sich Atakan Karazor über die halblinke Seite durch die Reihen von Holstein Kiel, er passte gekonnt zu Deniz Undav. Der Angreifer leitete den Ball zu Ermedin Demirovic weiter – während Karazor in den Sechzehner durchstartete.

 

Es folgte wieder ein elegantes Element: Nach tollem Querpass kam die Kugel bei Karazor an. Ehe die Dinge nicht mehr so elegant werden sollten. Denn nun nahm etwas seinen Lauf, das in solchen Fällen nicht nur bei der Kultsendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ als sogenanntes „Kacktor“ firmiert.

Karazor also legt den Ball am heraushechtenden Kieler Keeper vorbei – der den VfB-Kapitän im vollen Lauf am Fuß trifft. Karazor fällt: auf den Ball. Und im Fallen, oder besser: im Abrollen, da berührt der Stuttgarter Mittelfeldmann die Kugel, irgendwie und ohne jede Absicht, mit dem linken Bein. Und die Kugel? Die kullert ins leere Tor. So muss es aussehen, wenn ein Kacktor seinem Ideal sehr nahekommt.

Atakan Karzor erzielt ein Kacktor

Karazor machte mit seinem Treffer in der Nachspielzeit zum 3:0 den Deckel drauf, der VfB steht im Halbfinale des DFB-Pokals – und der VfB-Spielführer stand danach prominent im Netz. So ging ein Video steil, das ein kleines Krokodil dabei zeigt, wie es mit der berühmten Todesrolle eine kleine Beute aus einer menschlichen Hand zerlegt.

Die Jagdtechnik des Krokodils

Die Todesrolle, das ist die tödliche Jagdtechnik von Krokodilen und Alligatoren, bei der sie sich mit ihrer Beute im Maul blitzschnell um die eigene Längsachse drehen. Dieses Manöver dient dazu, Beutetiere zu ertränken, zu desorientieren und Fleischstücke aus großen Kadavern herauszureißen, da Krokodile nicht kauen können. Schnell also wurde im Netzvideo der Bogen zu Karazor und VfB-Maskottchen Fritzle gespannt, und zwar so: „Du willst Karazor vom 3:0 abhalten, aber er hat sich die Todesrolle bei Fritzle abgeschaut.“

Karazor rollte in Kiel zum Tor und zerlegte Kiel so vollends, VfB-Maskottchen Fritzle ist bekanntlich ein Krokodil – fertig war der Spaß im Netz.

Der VfB-Kapitän erzielte bei Holstein übrigens schon sein zweites Tor im laufenden DFB-Pokal-Wettbewerb, schon beim 2:0-Sieg beim FSV Mainz Ende Oktober hatte er getroffen. Ein echter Torjäger aber, klar, ist der Mittelfeldmann deshalb noch nicht – im Gegensatz zum früheren Stuttgarter Knipser Mario Gomez, der vor fast 20 Jahren ebenfalls mal ein echtes Kacktor für den VfB geschossen hat.

Im November 2007 bezwangen die Weiß-Roten den FC Bayern daheim mit 3:1 – und Gomez traf, nun ja, mit einem speziellen Körperteil. Ludovic Magnin flankte von links, der Ball segelte quer durch den Fünfmeterraum der Münchner. Genau auf Gomez, der am langen Pfosten lauerte. Der Torjäger wollte schießen oder köpfen – doch die Kugel kam genau auf Hüfthöhe bei ihm an. Wo er den Ball getroffen hat? „Es war irgendwo im Bereich zwischen Bauch und Oberschenkel“, sagte Gomez damals und lachte: „Es ist groß, und es tat fürchterlich weh.“

Das sogenannte „Penis-Tor“ des Mario Gomez ging in die Geschichte ein – jetzt zog Kapitän Karazor in Kiel mit der Krokodilsrolle und seinem speziellen Kacktor nach.