Lange Folienbahnen ziehen sich über Phillip Bauerles Spargeldämme auf dem Schmidener Feld. Foto: Marie Part

Riesige Folien prägen das Bild auf dem Schmidener Feld in Fellbach. Doch was bewirken die Abdeckungen eigentlich – und warum sind sie für den frühen Saisonstart verantwortlich?

Wer dieser Tage am Schmidener Feld in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) vorbeikommt – sei es mit dem Auto oder zu Fuß – sieht sie überall: riesige, längliche Folien, die sich über die Spargeldämme ziehen. Ein besonders schöner Anblick ist das nicht. Für den Spargel-Bauern Phillip Bauerle sind die Abdeckungen dennoch unverzichtbar.

 

„Wir haben einen Effekt wie im Gewächshaus.“

Phillip Bauerle, Spargel-Bauer

Denn Spargel wächst erst, wenn es warm genug ist. Genauer gesagt braucht das Gemüse eine Bodentemperatur von etwa 14 Grad. „Wir hatten dieses Jahr echt Glück mit dem Wetter“, sagt Bauerle. In den vergangenen Wochen ist es sehr sonnig gewesen, wodurch sich der Boden erwärmt hat und der Spargel angefangen hat, zu wachsen. Es hätte im Hinblick auf den harten Winter jedoch auch anders kommen können.

Spargel in Fellbach: So sorgen Folien für eine frühe Ernte

Damit die Ernte nicht nur vom Wetter abhängt, kommen die Folien ins Spiel: Sie sorgen dafür, dass sich der Boden schneller erwärmt – und die Ernte früher beginnen kann. Zunächst wird der Spargel unter einer doppelten Folie geerntet, später folgen Flächen mit einer einfachen Abdeckung. So können die Betriebe über mehrere Wochen hinweg ernten – von den ersten Stangen im März bis zum traditionellen Saisonende am Johannistag, dem 24. Juni.

Die Spargel-Ernte auf dem Schmidener Feld hat am 12. März begonnen (Archivbild). Foto: Gottfried Stoppel

Über dem Spargel, der als erstes geerntet wird, ist eine schwarz-weiße Folie gespannt. Dabei zeigt die schwarze Seite nach oben, die weiße nach unten. Während die dunkle Fläche die Sonnenstrahlen absorbiert und in Wärme umwandelt, reflektiert die helle das Licht. Dadurch werden die Folie und der Boden darunter nicht besonders warm.

Über der schwarz-weißen Folie ist mit einem gewissen Abstand eine transparente Folie gespannt, sodass ein Luftpuffer entsteht. „Wir haben dann einen Effekt wie im Gewächshaus“, erklärt der Landwirt. Tagsüber heizt sich die Luft unter der transparenten Folie auf, nachts hält sie die Wärme im Boden. So wächst der Spargel auch bei kühlen Temperaturen weiter.

Abdeckungen bedeuten mehr Aufwand bei der Ernte

Die Anlagen, die erst etwas später abgeerntet werden, sind nur mit einer schwarzen Folie abgedeckt. Tagsüber wird es unter der Folie zwar warm, doch nachts kühlt es relativ schnell wieder ab. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Bauerle. Die verschiedenen Abdeckungen seien nötig, um die Ernte über mehrere Wochen zu strecken. „Wir brauchen unterschiedliche Anbausysteme, damit wir die ganze Zeit eine konstante Menge liefern können.“

Die Folien bringen allerdings auch einen zusätzlichen Aufwand mit sich. Bei der Ernte müssen sie immer wieder geöffnet und anschließend wieder geschlossen werden. „Bei einer Doppelfolie schafft man deshalb nicht so viel“, sagt Bauerle. Statt der üblichen 15 Kilogramm ernten die Helfer bei dieser Art der Abdeckung nur etwa zehn Kilogramm Spargel pro Stunde.

Nachhaltige Lösung: Spargelfolien werden recycelt

Natürlich stellt sich die Frage, was nach der Ernte mit der Menge an Folien geschieht. Die transparente Abdeckung wird im Betrieb etwa zwei Jahre lang genutzt, die schwarz-weiße Folie hält sogar bis zu zehn Jahre. Sind die Materialien nicht mehr verwendbar, werden sie aufgerollt, von einem Entsorgungsbetrieb abgeholt und recycelt. Nach der Verarbeitung zu kleinen Plastik-Chips entstehen daraus Tropfschläuche.

Die Folien mögen nicht besonders schön sein, erfüllen aber einen klaren Zweck: Sie machen den frühen Start der Spargelsaison überhaupt erst möglich und sorgen dafür, dass der Spargel aus der Region über Wochen hinweg geerntet werden kann. Ein Kompromiss, mit dem die meisten wohl einverstanden sein dürften.