Die Wohnungen in der Rosen- und Brennerstraße fallen aus der Sozialbindung und werden somit teurer. Foto:  

Die Vonovia AG erhöht die Mieten – weil sie es kann. Die Stadt muss deshalb das Bohnenviertel schützen.

Die ausschließlich ihren Aktionären verpflichtete Vonovia AG, Deutschland größter Wohnungsbaukonzern, erhöht im Bohnenviertel nach Ablauf der bisher den Erhöhungsdrang einbremsenden Sozialbindung die Mieten. Es verwundert nicht, dass ein seine Kunden üblicherweise mit dreisten Methoden – Betriebs- und Heizkosten oder Rauchmelder stehen besonders in der Kritik – zu Verzweiflung bringendes Unternehmen Mieterhöhungen vornimmt, die ihm der Gesetzgeber gestattet. Mietpreisbremse und Kappungsgrenze verhindern anfangs vermutlich das Schlimmste. Die Forderung des Haus- und Grundbesitzervereins, in seiner Wut über die nur um ein Prozent erhöhte Mietspiegelmiete, diese Werkzeuge abzuschaffen, entpuppt sich als kontraproduktiv.

 

Es droht der Ausverkauf

Es ist aber Vorsicht angesagt: Eine Neuvermietung brächte die Miete auf ein ganz anderes Niveau – um bis zu zehn Prozent über die ortsübliche Vergleichsmiete. Mit einer Modernisierung wären weitere Erhöhungen denkbar. Vorschau: ein drohender Wandel im Mietermilieu, wobei sogar eine Aufteilung des Bestands mit anschließendem Verkauf der Wohnungen an den Meistbietenden zwangsläufig erscheint.

Gerade im verkehrsberuhigten Herzen der Stadt dürften solche Wohnungen ein attraktives Investment darstellen, zumal die Verknüpfung mit dem Leonhardsviertel ansteht, dessen Attraktivierung die Stadt gerade in Angriff nimmt. Dagegen hilft eine Erhaltungssatzung, wie sie im Norden vor mehr als zehn Jahren erlassen wurde, nur um Vonovia in ihre Schranken zu weisen.

Sozialwohnungsbau vernachlässigt

Der Konzern hat sich als sperriger Verhandlungspartner entpuppt. Die Strategen sollten allerdings das Erinnerungsvermögen städtischer Beamter nicht unterschätzen. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Dabei müsste die Politik nicht vor Vonovia in die Knie gehen, würde sie nicht bis heute den sozialen Wohnungsbau in unverantwortlicher Weise vernachlässigen und immer nur im Wahlkampf auf dieses Thema zurückgreifen. Das hat zur Konsequenz, dass Wohnungsunternehmen nun verstärkt um die Verlängerung von Sozialbindungen angebettelt und dafür hohe Summen bezahlt werden müssen.

Fataler Fehler von Grün-Rot und LBBW

Als wohnungspolitischer Totalversager hatte sich bedauerlicherweise 2012 Grün-Rot im Land präsentiert, das aus unverständlichen Gründen den Verkauf von 21 000 gebundenen Wohnungen an die Augsburger Umwandlungsprofis Patrizia durchwinkte – das Portfolio ist heute nach mehrmaligem Verkauf übrigens mehr als das Doppelte wert. Zur Wahrheit gehört aber auch: Hätte sich der Aufsichtsrat der LBBW als verantwortungsvolle Mietervertretung verstanden, müsste man sich heute nicht mit Vonovia herumschlagen.