Sollten mögliche neue und verschärfte Auflagen greifen, sind mehrere Stadtteilfeste gefährdet – unter anderem das Feuerseefest, das Marienplatzfest und die Westallee. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone/imago/Lichtgut/Zophia Eweska

Sommerfeste haben in Stuttgart eine lange Tradition. In diesem Jahr ist allerdings noch nicht klar, ob alle Veranstaltungen wie geplant stattfinden können. Die Hintergründe.

Bislang sind sie ein fester Bestandteil des Sommers in Stuttgart – die Festle, die die Stadtteile zwischen Mai und September jedes Jahr aufs Neue für ein paar Tage in ausgelassene Feierzonen verwandeln. Events wie die Westallee, das Feuerseefest, das Bohnenviertelfest, das Sommerfestival der Kulturen am Marktplatz, das Marienplatzfest, das Schoettle-Fest oder das Afrika-Festival in Heslach und viele weitere haben – teils seit Jahrzehnten – Tradition.

 

Im Verlauf der Jahre haben sich die Feste von kleinen Nachbarschaftsfeiern hin zu Besuchermagneten entwickelt. Mit dem Trubel in Gassen und auf Plätzen, meist inmitten von Wohngebieten, gehen jedoch immer wieder auch Beschwerden von Anwohnern einher.

Stadt prüft mögliche Änderung der Auflagen

Erst Anfang des Jahres wurde bekannt, dass das Heusteigviertelfest auch 2026 nicht stattfinden wird. Nun stehen auch andere, privat organisierte Stadtteilfeste, die für dieses Jahr geplant sind, auf der Kippe. Der Grund: mögliche neue Auflagen der Stadt.

Bei den Ämtern der Stadt habe es aufgrund von Beschwerdelagen, aber auch wegen grundsätzlicher Themen wie Sicherheit, Gespräche über mögliche neue Auflagen für die Stadtteilfeste gegeben, erklärt Bezirksvorsteher in Stuttgart-West, Bernhard Mellert.

Dass momentan Gespräche darüber stattfinden, das bestätigt auch die Stadt Stuttgart auf Anfrage unserer Redaktion. Wie genau die möglichen neuen Auflagen aussehen könnten, darüber macht die Stadt bislang jedoch keine Angaben. „Derzeit finden noch interne Abstimmungen statt“, so eine Sprecherin.

Veranstalter in Stuttgart sind besorgt

Unter den Veranstaltenden der Stadtfeste machen sich derweil Mutmaßungen und Sorgen breit. Michael Benz, der gemeinsam mit Christoph Warstat und Felix Klenk seit 2016 die Westallee im Stuttgarter Westen veranstaltet, befürchtet Auflagen, die eine Umsetzung des Festes unmöglich machen könnten.

Die Veranstalter Michael Benz, Christopher Warstat und Felix Klenk bei der Westallee im Jahr 2023. Foto: Julika Wolf

Verkürzte Öffnungs- oder Ausschankzeiten oder ein neues, teures Sicherheitskonzept etwa, könnten zum Problem werden. „Solche Auflagen würden es uns nicht mehr möglich machen, die Veranstaltung wie bisher umzusetzen“, so Benz.

Michael Drauz, Geschäftsführer der Rosenau in Stuttgart-West und Mitveranstalter des seit 15 Jahren stattfindenden Feuerseefests, ist ebenfalls in Sorge. Auch er sieht mögliche verschärfte Auflagen, etwa kürzere Spielzeiten für Musiker, als eine Bedrohung für das Feuerseefest. „Für unser Konzept mit der Livebühne auf dem Feuersee ist es entscheidend, wie lange die Bands dort spielen können. Wenn die Musik aus ist, gehen auch die meisten Leute nach Hause.“ Letztendlich müsse man jedoch die Entscheidung der Stadt abwarten.

Die Veranstalterin des Afrika-Festivals am Erwin-Schoettle-Platz, Alice Vetter-Takin sowie Reiner Bocka, Veranstalter des Marienplatzfestes im Stuttgarter Süden, sorgen sich ebenfalls. „Wenn die Bewirtungszeit stark verkürzt wird, wäre das für das Marienplatzfest vermutlich der Todesstoß“, so Reiner Bocka. Der Gastronom verweist auf Kürzungen im Kulturbereich durch den Sparhaushalt der Stadt, die die Veranstalter ohnehin enorm belasteten.

Veranstalter Reiner Bocka beim Marienplatzfest im Jahr 2025. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Aktuelle Auflagen und Kosten belasten Veranstalter bereits seit Jahren

Zudem seien Auflagen und die damit verbundenen Kosten bereits in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gestiegen. „Irgendwann ist eine Grenze erreicht, an der wir nicht mehr weitermachen können“, sagt Michael Drauz von der Rosenau.

Das hebt auch Rolf Graser, Noch-Geschäftsführer des Forums der Kulturen, das hinter dem Sommerfestival der Kulturen auf dem Marktplatz steht, hervor. Gleichzeitig sieht er das Sommerfestival der Kulturen aufgrund seiner zentralen Lage in der Innenstadt schon jetzt mit scharfen Auflagen konfrontiert – Auflagen, die teils strenger seien als anderswo, nicht mitten in der Stadt. „Wir hoffen natürlich, dass nicht noch mehr neue Auflagen dazukommen“, so Graser.

Ähnlich geht es den Veranstaltern des Bohnenviertelfests. Auch sie erfüllen bereits seit letztem Jahr ein verstärktes, teures Sicherheitskonzept. Ein Problem sähen sie vor allem in kürzeren Öffnungszeiten.

Michael Drauz von der Rosenau spricht für alle Festveranstalter, wenn er sagt: „Es wäre sehr bedauerlich, wenn die Feste aufgrund der Auflagen nicht mehr stattfinden könnten.“

Finale Entscheidung über Auflagen noch nicht gefallen

Die finale Entscheidung über die Auflagen ist bei der Stadt jedoch noch nicht gefallen. Mitte kommender Woche solle es dahingehend Neuigkeiten geben, so eine Sprecherin.

Letztendlich müssen dann die jeweiligen Veranstaltenden absehen, ob sie weitermachen können oder nicht. Sobald die Entscheidung steht, wollen sie die Öffentlichkeit in Form eines gemeinsamen Statements informieren. „Spätestens in den nächsten zwei Wochen können wir mehr sagen“, sagte Michael Benz unserer Redaktion am Donnerstag. „Wenn es wirklich so weit kommt, dann wird das ein ziemlich trockener Sommer.“