Bosch-Chef Stefan Hartung war am Mittwoch bei der Diskussion „StZ im Gespräch“ der Stuttgarter Zeitung und „Treffpunkt Foyer“ der Stuttgarter Nachrichten zu Gast. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Bei Bosch gilt eine Konzernbetriebsvereinbarung, welche die Anzahl der Tage für mobiles Arbeiten nicht einschränkt – noch. Wann sie endet und wie Stefan Hartung das begründet.

Das Stuttgarter Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Bosch hat eine Konzernbetriebsvereinbarung über weitreichende Homeoffice-Regelungen aufgekündigt. Das bestätigte Unternehmenschef Stefan Hartung am Mittwoch bei einer Veranstaltung unserer Zeitung. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter des Konzerns wieder häufiger in Präsenz erscheinen müssen.

 

Wie eine Sprecherin des Konzerns auf Anfrage mitteilt, sollen Beschäftigte mindestens 60 Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit entweder am Standort oder beim Kunden verbringen. Mit dem Ziel, dies zu fördern und regulatorische Klarheit zu schaffen, kündige Bosch die Vereinbarung namens „Smart Work“, durch welche die Anzahl der Tage für mobiles Arbeiten nicht eingeschränkt sei, zum 1. August 2026. Flexibles und mobiles Arbeiten sei – auf Basis der seit Jahren bestehenden Konzernbetriebsvereinbarung „Mobiles Arbeiten“ – selbstverständlich nach wie vor möglich. Das sprach Hartung auch in der Diskussion an.

Bosch-Standorte, an denen die „Smart Work“-Regelung bislang gilt, sollen die Betriebsvereinbarung „zeitnah lokal beenden“, heißt es vonseiten des Konzerns auf Nachfrage unserer Zeitung. Und weiter: „Für die konkrete Ausgestaltung und Steuerung der Präsenz vor Ort sind die Standorte, Geschäftseinheiten und Führungskräfte unter Beachtung etwaiger Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertretungen verantwortlich.“

Bosch-Chef Stefan Hartung äußert sich zu „Smart Work“

Die derzeit noch gültige Vereinbarung „Smart Work“ existiert seit der Pandemie, wie Hartung bei der Diskussion „StZ im Gespräch“ der Stuttgarter Zeitung und „Treffpunkt Foyer“ der Stuttgarter Nachrichten erklärte. „Während der Coronazeit war eine völlig andere Situation“, so der Konzernchef.

Durch die damals getroffene Vereinbarung habe jeder selbst entscheiden können, wo er arbeite. Daheim oder in der Firma – „und 50 Tage im Jahr auf Teneriffa war auch erlaubt“, so Hartung. Mit dieser Regelung werde „ein unheimlich positives Menschenbild“ verbunden. „Ich war selber erschrocken, wie positiv meine Firma ist“, fügte der 60-Jährige schmunzelnd an, „ich fand das auch ganz toll“.

Dann habe man festgestellt, dass es passieren könne, dass ein Arbeitsteam gar nicht mehr da sei. Wenn man dann einen neuen Mitarbeiter in dieses Team einstelle, komme dieser in die Firma und wundere sich, wo denn sein Team sei. „Dann kannst du gar keine neuen Leute mehr integrieren – weil: Wie sollen sie sich denn integrieren?“ Anders verhalte sich das bei denjenigen, die sich seit 20 Jahren kennen würden.

Bosch-Chef Stefan Hartung (links) im Gespräch mit Anne Guhlich, stellvertretende Chefredakteurin der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten und Joachim Dorfs, Chefredakteur der beiden Zeitungen. Rund 460 Besucher waren im Look21 in Stuttgart dabei. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Hartung sprach bei der Begründung für das Ende der Vereinbarung auch von Ungerechtigkeiten – und erwähnt den Mitarbeiter im Werk, der nun mal vor Ort sein muss für die Montage. Trotz der Aufkündigung von „Smart Work“ sei man jedoch „nach wie vor voll leistungsfähig bei diesem Thema“. Man biete massiv Mobilitätsöffnung an. Als Beispiel führte Hartung etwa diejenigen an, die mit Kollegen in China zusammenarbeiteten und dadurch zu anderen Zeiten tätig seien.

Bosch-Chef Hartung: „Jeden Tag muss keiner mehr im Büro sein“

Die Diskussion um das Thema „Smart Work“ hatte eine Bosch-Mitarbeiterin aus dem Publikum mit einer entsprechenden Frage an den Konzernchef angestoßen. Die Publikumsfrage zielte konkret darauf ab, wie die Entscheidung über die Aufkündigung mit Studien zusammenpasse, wonach Homeoffice super sei und Energie spare.

Wie Hartung erklärte, schaue er sich die Studien immer an. „Interessant ist für mich dieser soziale Aspekt des gemeinsamen Arbeitens“, so der Bosch-Chef. Er meint aber auch: Jeden Tag müsse keiner mehr im Büro sein. Zugleich äußerte er sein Unverständnis denen gegenüber, die drei Tage in der Woche nicht da seien.

Bosch erkennt wieder verstärkte Präsenz im Büro

„Bosch ist davon überzeugt, dass gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen eine gezielte Zusammenarbeit am Standort essenziell ist“, so der Konzern. „Indem wir gemeinsam vor Ort anspruchsvolle Aufgaben meistern, stärken wir Innovationskraft, Teamgeist und Kreativität.“ Viele Mitarbeiter hätten den Mehrwert dieser Art der Zusammenarbeit erkannt. Das Unternehmen stellt nach eigenen Angaben bereits wieder eine verstärkte Büropräsenz fest. Es begrüße und fördere diese Entwicklung.

Auch bisher sollen die Beschäftigten bereits mindestens 60 Prozent ihrer Wochenarbeitszeit im Büro oder bei Kunden verbringen, was durch die „Smart Work“-Regelung aber nicht erfüllt werden muss. Künftig wird sich das ändern.