Mit Peter Schilling und weiteren Musikern feiern 14 000 Partygäste den Jahreswechsel auf dem Schlossplatz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

14 000 Menschen feiern auf dem Schlossplatz gut gelaunt eine Nonstop-Silvesterparty 2023/24 und gelangen friedlich ins neue Jahr.

Sehr belebt ist die Königstraße am frühen Abend, während ein Heer von fliegenden Händlern bunt blinkende Seifenblasen-Ballons unter die Leute bringt. Damit sind sie ganz gut unterwegs, weshalb die rauf- und runterströmende Menge tupfenweise wirkt wie ein fröhlicher Kindergeburtstag. Richtung Schlossplatz aber wird es kurz mal ein bisschen ernst, denn zur Durchsetzung des Böllerverbots hat die Polizei die Zuwege abgeriegelt und kontrolliert jeden Einzelnen. Nervös wird deshalb niemand, schon gar nicht die Beamten. Am Zugang Bolzstraße etwa wurden bis dato laut Polizei „ein paar wenige“ Feiernde mit Knallkörpern und Leuchtraketen erwischt: „Ganz normale Leute, die sagten, dass sie nichts gewusst hatten vom Verbot.“

 

Die meisten sind offensichtlich auf ihrem finalen Silvesterbummel, oft auch mit Kind und Kegel unterwegs, während am Kesselrand immer mal wieder buntes Feuerwerk in den dunklen Himmel steigt. Die wenigen, die zum böllerfreien Silvester-Event vor dem Neuen Schloss abzweigen, lassen sich leicht zählen, weshalb Stephanie Hirrle vom Veranstalter in.Stuttgart nicht sehr euphorisch wirkt: „Vielleicht entscheiden sich diesmal viele spontan.“ Tatsächlich füllt sich das Gelände immer mehr, und spätestens als Peter Schilling zur Halbzeit die Bühne entert, ist auch in den hinteren Sektoren und in den Seitengassen mit den Gastroanbietern reichlich Publikum zu finden, und der Mann von „Ox am Spieß“ ist sich sicher, dass er noch Nachschub brauchen wird.

Von Beginn an sorgt vor der Bühne ein harter Kern von einigen Hundert Tanzlustigen für gute Stimmung, angeheizt von den bassigen Rhythmen von DJane Alegra. „Stuttgart vereint“, das Motto des Abends, ist hier schon Wirklichkeit, was Moderatorin Celine Jost in Hochstimmung versetzt: „Das kann nur ein guter Abend werden.“ Mehrfach wird durch Einspieler auf den Riesenbildschirmen das Motto des Abends aufgegriffen, mit Statements von Stuttgartern zum Zusammenhalt oder zu Wünschen für 2024. Letztere reichen von „der VfB soll Meister werden“ bis zu „die Döner sollen billiger werden“. Greifbar wird so, wie selbstverständlich bunt und vielfältig die Stadtgesellschaft ist und wie doch alle die Haltung eint, für ein „freundliches, offenes, tolerantes, respektvolles Miteinander“ einzustehen.

Höhepunkt ist der Auftritt von Peter Schilling

Dann aber geht es Schlag auf Schlag, mit Musik und ausgelassenerer Party bis über den Jahreswechsel hinaus. Vollgas gibt The Own Way Orchestra, ein Ensemble von 20 ukrainischen Musikerinnen und Musikern, die mit Kriegsausbruch hier gestrandet waren. Die leidenschaftliche Performance mit quasi sinfonischem Rock zündet sofort und begeistert das Publikum quer übers Gelände. Und eine Botschaft hat Frontman Max sowieso: „Nie aufgeben!“ Und immer wieder wächst sich die Permant-Videoshow, die die vollen sechseinhalb Stunden ein Füllhorn an Computer-Opticals ausschüttet, zur psychedelischen Drogentapete aus, was die Stimmung ebenfalls hoch hält.

Der Höhepunkt des Abends ist dann der Auftritt des gebürtigen Stuttgarters Peter Schilling mit Band, der mit seinem soghaften Sound auf die Titanic lockt – und dann natürlich seinen Megahit „Major Tom“ aus dem Jahr 1982 auspackt und so die Menge schließlich „völlig losgelöst“ in Richtung Jahreswechsel schickt. Keraamika gefällt mit Hip-Hop-Street-Art-Dance, und auch Loi, die Sängerin, sorgt dafür, dass das Publikum „richtig Bock“ hat.

Dann wird das Licht am Riesenrad im Hintergrund ausgeknipst und die „Mapping Show“ macht die Flügelbauten des Neuen Schlosses zur riesigen Kinoleinwand für eine absolut faszinierende Lichtshow, die dann auch auf Mitternacht runterzählt: „3, 2, 1, 0!“ Aufbrausender Jubel begrüßt das neue Jahr: „Stuttgart vereint“ in einer fröhlich feiernden und ausgelassen tanzenden Menge.