Um das Esslinger Bahnhofsviertel sicherer und sauberer zu machen, ist Alkohol in bestimmten Bereichen nicht erlaubt. Nicht alle finden, dass das der richtige Weg ist.
Der Bereich rund um den Esslinger Bahnhof gilt als schwieriges Pflaster – viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich dort unsicher, immer wieder kommt es zu Übergriffen. Mit einer „Polizeiverordnung zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und gegen umweltschädliches Verhalten“ hat die Stadt gegengesteuert. Nun läuft die Verordnung aus und soll um fünf Jahre verlängert werden – am Montag berät der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats.
„Die Geltungsdauer der Alkoholverbotszone von 1. März bis 15. November täglich in der Zeit von 12 bis 1 Uhr hat sich bewährt. Eine Änderung dieser Regelungen ist daher nicht erforderlich“, heißt es im Rathaus. Die Stadt will jedoch die Alkoholverbotszone am Bahnhof um einen Bereich in der Fleischmannstraße zwischen Berliner Straße und Bahnhofstraße sowie um den Platz vor und neben dem Gebäude Bahnhofplatz 2 erweitern.
Kritik von Esslinger Gemeinderatsfraktion: „Alkoholverbot beseitigt Ursachen nicht“
Vor der Verwaltungsausschuss-Sitzung am Montag meldet sich die Ratsfraktion Linke/FÜR zu Wort. „Die aktuelle Debatte um eine Verschärfung des Alkoholverbots am Esslinger Bahnhof mutet kurios an“, findet Fraktionschef Martin Auerbach. „Während unser OB medienwirksam nach harten Verboten und landesweiten Verkaufsbeschränkungen ruft, offenbart die gleichzeitige Forderung nach Videoüberwachung ein bemerkenswertes Misstrauen in die eigene Strategie: Würde ein Alkoholverbot tatsächlich die gewünschte Wirkung entfalten und die Szene auflösen, müsste man keine teuren Kameras installieren.“
Wer den Konsum am Bahnhof untersage, verschiebe die Menschen lediglich in angrenzende Wohnquartiere oder Parks, so Auerbach. Der neue „Treff am Bahnhof“ biete Würde statt Stigmatisierung und sei eine Brücke ins Hilfesystem. Investitionen in Streetwork und in den Containertreff seien keine Sozialromantik, sondern aktive Schadensbegrenzung für den Stadthaushalt, da sie Notaufnahme-Einsätze und Polizeistunden reduzierten.