Szene aus dem KitKatClub in Berlin. Stelle Bossi (Mitte) heizte den Halb- bis Ganznackten ein. Foto: www.gilishani.com

Der legendäre KitKatClub in Berlin hat erstmals Videomaterial während einer der verruchten Partys veröffentlicht. Was das sollte – und wie man in Stuttgart auf die Aktion blickt.

Der KitKatClub in Berlin ist ein mystischer Ort. Wie in vielen Lokalitäten des Nachtlebens in der Hauptstadt gilt dort striktes Film- und Fotografierverbot, Handykameras müssen abgeklebt werden. Das führte dazu, dass für Nicht-Besucher die sexuell außerordentlich freizügigen Partys zumeist nur aus Erzählungen überliefert waren – bis jetzt.

 

Denn zum ersten Mal seit 30 Jahren durfte ein Videoteam dort filmen. Zu sehen ist ein Set von DJ Stella Bossy aus der Partyreihe Symbiotikka, um die Menschen herumtanzen, die sehr wenig Kleidung tragen. Explizite Inhalte – überliefert sind im KitKatClub auch allerlei sexuelle Begegnungen zwischen den Gästen – sind allerdings nicht zu sehen, zumeist ist der Videoausschnitt nur auf das DJ-Put gerichtet und zeigt keine dunklen Ecken des Clubs. Außerdem sollen alle gezeigten Personen ihr Einverständnis gegeben haben, gefilmt zu werden.

In einer kurzer mitveröffentlichten Doku kommen außerdem die Macher der „Symbiotikka“ zu Wort – und wirken dabei deutlich angespannter als die fröhlich feiernde Meute in dem Videoclip. „Wir öffnen diesen geschützten Raum für einen sehr kurzen Moment“, sagt Veranstalter Christoph Steinweg über den Videodreh. Und es soll auch eine einmalige Aktion bleiben.

Berlins Technokultur zu immateriellem Kulturerbe erklärt

Sinn und Zweck der Sache: Auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Clubs hinzuweisen. „Alle Clubs in Berlin sind in irgendeiner Weise gefährdet“, sagt Steinweg, „außer vielleicht das Berghain, weil denen gehört das Gebäude.“ Die steigenden Mieten macht er dabei als Hauptgrund für die Probleme aus.

Zwar wurde erst im März 2024 wurde die Technokultur der Hauptstadt von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Doch die Realität sehe düster aus, teilen Nachtkulturschaffende mit: „Ende 2024 schloss das Watergate, die Wilde Renate wird Ende 2025 ihren Standort aufgeben, und auch der KitKatClub kämpft mit existenziellen Sorgen.“

Techno-DJ Stella Bossi, der mehr als eine Million Menschen auf Instagram folgen, ergänzt: „Der KitKatClub ist kein Ort, den man einfach betritt – er ist ein Mythos, ein Gefühl, ein eigener Kosmos.“ Die Berliner Clublandschaft leide unter den Herausforderungen der Gegenwart. „Mit diesem Video werden wir diese nicht retten, aber wir können Aufmerksamkeit schaffen“, so Bossi.

Auch in Stuttgart hat Video aus dem KitKatClub Aufmerksamkeit erregt – die Landeshauptstadt mag in Sachen Nachleben nicht Berlin sein, aber freizügige, sogenannte sexpositive Partys werden auch im Kessel immer beliebter.

Auch in Stuttgart Handyverbot

Eine dieser Partyreihen ist heißt „Sanctuary“, die nächste Ausgabe wird an diesem Samstag im Club Proton gefeiert. „Sanctuary“ sei „eine aufwändige sex-positive elektronische Danceparty mit einer Vielzahl von atemberaubenden Showattraktionen, die parallel zum Tanzgeschehen stattfinden“, heißt es auf der Homepage, „ eine Sandbox für kreative und offene Geister.“ Veranstalter Elmar Jäger wertet das Video, das die sonst eher öffentlichkeitsscheue Gemeinde beim exzessiven Feiern zeigt, als positives Signal. „Auch hier in Stuttgart sind die Clubs und Veranstaltung jenseits von Großveranstaltungen unter Druck“, sagt Jäger. Da sei es gut, wenn die Szene mal sichtbar gemacht werde.

Sein Eindruck ist: Die Partyveranstalter und Clubbetreiber wollten Transparenz schaffen, um sich möglicherweise für öffentliche Kulturfördertöpfe zu empfehlen. „Die stehen sexpositiven Partys und Locations, wo sie regelmäßig stattfinden, leider eher nicht zur Verfügung.“

Auch bei sexpositiven Partys in Stuttgart gilt: keine Handys. Jäger findet es zwar überlegenswert, auch mal von einer seinen Partys Bewegtbild zu produzieren, konkrete Pläne dafür hat er aus Kapazitätsgründen aber aktuell nicht. Und man müsse das den Gästen natürlich auch klar kommunizieren. „Innendrin ist es natürlich schwierig ohne mein Safe-Space-Versprechen zu brechen als Veranstalter.“ Somit dürfte der Einblick in den KitKatClub vorerst der einzige seiner Art bleiben.