Warum die Ankündigung einer neuen Weinschenke im Kreis Böblingen bei einer Redakteurin einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt - ein Beitrag aus unserer Humorkolumne "Bonbons".
Sie würde ja schon gerne lernen, wie man einen Besen bindet, dachte sich die Kollegin aus dem hohen Norden kürzlich bei der Morgenkonferenz in der Redaktion. Eine andere Redakteurin hatte gerade einen Themenvorschlag gemacht: ein Mann aus Sindelfingen werde nächste Woche einen Besen eröffnen, sie wolle berichten. Die Ostfriesin wurde hellhörig: „Zeigt da jemand, wie man einen Besen herstellt?“, fragte sie ganz begeistert – und bewies gleichzeitig, dass man auch nach knapp sieben Jahren im Kreis Böblingen immer noch neue schwäbische Wörter lernen kann.
Denn mit einem Besen, wie die Kollegen sie – nachdem das Gelächter verebbt war – informierten, ist nicht nur ein Handgerät zum Fegen von Böden gemeint. Offenbar bezeichnet das Wort im Schwäbischen eine zeitlich begrenzte, meist von Privatleuten geführte, Schenke. Meist werden dort Wein und andere regionalen Köstlichkeiten angeboten. Als Zeichen, dass die Wirtschaft geöffnet ist, dient traditionell ein vor der Tür positionierter Besen. Daher auch der Name.
Ostfriesische Äquivalente zum schwäbischen Besen
Ein wahres ostfriesisches Äquivalent zum Besen gibt es in Ostfriesland übrigens nicht – da fehlen schlicht die Weinberge. Wenn man das Thema aber ein bisschen weiter fasst, kann man durchaus fündig werden. Da sind zum einen die Gulfhöfe, die meist am Wochenende Tee und Kuchen aus eigener Herstellung anbieten. Oder in den Wintermonaten die Kohlfahrten, bei denen den Teilnehmern Grünkohl und Pinkel kredenzt werden – stilecht mit Moorgeist oder Kruiden (das sind Kräuterliköre) als Absacker.
Die Tücken des Besen-Baus
Ein bisschen schade ist es aber eigentlich schon, dass es kein Besenbau-Workshop ist, den der Herr aus Sindelfingen da anbietet. Welches Holz sich zum Besenbau anbietet, hätte die Ostfriesin nämlich ganz gerne erfahren. Und ob die Borsten aus Reisig, aus Tierhaaren oder aus Vinyl gefertigt werden würden. Es gibt ja doch erstaunlich viele verschiedene Besenarten – mit enorm verschiedenen Einsatzmöglichkeiten.
Mit Wein kann besagtes Nordlicht dagegen eher wenig anfangen. Aber vielleicht ergibt sich ja mal eine Gelegenheit, einen Besen selbst zu bauen. Wenn es dazu kommt, verspricht sie, wird ein Bericht darüber in der Zeitung Platz finden.