Reparieren statt Wegwerfen: Ein innovatives Waiblinger Unternehmen bringt schwache Akkus in Schwung, spart Geld und Ressourcen. Angefangen hat Johannes Schlee in einem Keller.
Die Situation ist ärgerlich und gar nicht mal so selten: Der Akku des kostspieligen, einige Jahre alten Premium-E-Bikes macht schlapp – doch ein Ersatz-Akku ist nicht mehr erhältlich. Der Händler bietet stattdessen ein komplett neues E-Bike an. Das ist teuer und wenig nachhaltig. „Das kann ja wohl nicht sein, dass es da keine andere Lösung gibt“, hat sich Johannes Schlee gedacht – und dann eine Alternative gesucht.
So ist vor fünf Jahren sein Unternehmen Schwabenakku entstanden, das heute in einer ehemaligen Schweißerei in Waiblingen-Bittenfeld (Rems-Murr-Kreis) ansässig ist und Akkus wieder fit und voll leistungsfähig macht. Das klappt bei funktionsfähigen Akkus meist durch den Austausch alter Zellen, bei defekten Exemplaren durch eine Reparatur der Elektronik. Lose Kontakte, abgebrochene Taster – manchmal braucht es nur eine Lötung und der Akku funktioniert wieder.
Im Jahr 2021 hat Johannes Schlee buchstäblich klein angefangen: Im Untergeschoss eines Wohnhauses in Stuttgart-Stammheim begann er in einem Kellerraum mit neun Quadratmetern, die schwächelnden Akkus elektrischer Zahnbürsten auszutauschen. Übung hatte er vom Akkutausch beim eigenen Gerät. Hinzu kam das Wissen, das er sich im Studium der Fahrzeugtechnik angeeignet hatte. „Ich wollte einen Job machen, der mir Spaß macht“ – so begründet der heute 44-Jährige seinen Weg zum Unternehmer.
Schwabenakku expandiert nach Bittenfeld
Über das Internet wurde die kleine Firma rasch bekannt, im Keller stapelten sich die Kartons und ständig klingelte der Paketbote. Irgendwann war es Zeit, neue Räume zu suchen. Johannes Schlee zog mit der Firma und seinem damaligen Geschäftspartner nach Bittenfeld und sattelte aus wirtschaftlichen Gründen von Zahnbürsten auf E-Bikes, E-Mopeds und E-Roller um.
Alles, was er verdiente, steckte er in die Firma, schaffte ein Punktschweißgerät, einen Prüfschrank, Diagnoserechner und 3-D-Drucker an. Er richtete Lötarbeitsplätze, eine Werkstatt und einen Laborarbeitsplatz für die Entwicklung ein und beschäftigt mittlerweile drei Minijobber mit Fachwissen. Einer davon, der Ingenieur Hartmut Jung, kam als Kunde und ging mit einem Arbeitsvertrag wieder heim.
Der Großteil der Akkus kommt per Post – aus Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz und Italien. Ein kleinerer Teil wird abgegeben. „Viele unserer älteren Kunden schätzen den direkten Kontakt und möchten den Akku nicht versenden“, weiß Johannes Schlee. Manche Akkus sind altersschwach, haben eine geringe Reichweite, laden nicht mehr voll, geben Fehlermeldungen oder gehen erst gar nicht mehr in Betrieb. Schlee und sein Team schrauben zunächst das Gehäuse der Akkus auf, schauen, wo der Fehler liegt, und erstellen ein Angebot. Das kostet pauschal 30 Euro, die im Fall einer Reparatur verrechnet werden. Die Reparatur eines E-Bike-Akku kostet um die 100 Euro, ein Zellentausch bei einem Akku mit 500 Wattstunden (Wh) rund 400 Euro.
Bei Akkus, die nicht mehr richtig laden, werden die Zellen entnommen und in einem Prüfschrank getestet. Der Akku wird dann komplett mit neuen Zellen bestückt, die Schwabenakku von einem europäischen Zwischenhändler bezieht. Darauf gibt es zwei Jahre Garantie. „Ein Akkubrand ist schon gefährlich da steckt richtig Energie drin. Daher ist es wichtig, dass man weiß, was man tut“, sagt Johannes Schlee und versichert, dank Fachwissen und einer peniblen Endkontrolle seien Fehler nahezu ausgeschlossen. Die entnommenen, noch gut funktionierenden Zellen werden weiter verkauft oder recycled.
„Keiner rückt die Originalteile raus“ – Herausforderungen bei Akku-Reparaturen
Manchmal genügt ein simpler Steckertausch, um den Akku wieder flott zu machen. Dank eines 3-D-Druckers ist auch der Austausch eines beschädigten Gehäuses kein Problem. „Wenn wir Originalteile bekommen würden, wäre es einfacher. Aber keiner rückt die raus“, sagt Johannes Schlee. Bei manchen Fabrikaten weiß auch er keinen Rat. So ist ein Zellentausch bei manchen Akku-Frabrikaten nicht möglich, weil eine elektronische Sperre eingebaut ist, die nur der Hersteller beseitigen kann. Manche Gehäusemodelle sind mit Ultraschall geschweißt oder vollkommen verklebt: „Die müsste man quasi aufsägen.“
Es sei ein Katz-und-Maus-Spiel, sagt der Unternehmer, der sich dennoch keine großen Sorgen über die Zukunft macht. Er ist gespannt, wie sich das Recht auf Reparatur, das Mitte des Jahres in Kraft treten soll, auswirkt. Parallel zum Tauschgeschäft entwickelt er neue Produkte. Seit dem Sommer 2025 bietet Schwabenakku etwa abnehmbare Zusatzakkus aus eigener Herstellung an – für Radler, die sehr große Touren machen und für Menschen mit „Reichweiten-Angst“.
Wenn er doch mal frustriert ist, liest Johannes Schlee die zahlreichen, teils euphorischen Bewertungen seiner Kundschaft durch. Dann weiß er: „Es lohnt sich, auch wenn es uns von den Herstellern schwer gemacht wird. Die Leute sind zufrieden und wir können etwas für die Umwelt tun.“