Fernsehkoch Craig Taylor („The Taste“) bringt Jugendlichen aus Korntaler Wohngruppen auf dem Schulbauernhof Zukunftsfelder das Kochen näher – wie reagieren die?
Es ist ein heißer Tag Ende April, die Vögel zwitschern und es riecht nach Bauernhof. An diesem Tag findet das Pilotprojekt „Koch-Challenge“ mit „The Taste“-Teilnehmer“ Craig Taylor und Jugendlichen aus Korntaler Wohngruppen auf dem Schulbauernhof Zukunftsfelder statt. Craig Taylor, ein Mann mit Glatze und Vollbart, immer mit einem Lächeln im Gesicht und mit erkennbarer Leidenschaft für das, was er tut, begrüßt jeden Jugendlichen persönlich.
Dann verspricht er in die Runde: „Wir machen heute einen gigantischen Kochkurs!“ Schürzen werden verteilt, danach geht es an die Arbeit. Taylor erklärt den Jungs, wie sie sich richtig die Hände waschen, wie das Timing beim Kochen eine Rolle spielt und wie man perfekte runde Burger-Buns formt.
Nicht „gesund“ lautet das Motto, sondern „gesünder“
Craig Taylor, selbst im sozialen Brennpunkt Hallschlag aufgewachsen, will die Jugendlichen, die in den Wohngruppen meist Essen aus einer Großküche bekommen, spielerisch an gesundes Essen heranführen. „Mir geht es nicht darum, Kindern Kochen beizubringen, das dauert drei Jahre. Mir ist es wichtig, dass Kindern gesundes Essen schmeckt“, sagt er. Nicht „gesund“ ist sein Motto, sondern „gesünder“. Geschmack lasse sich laut ihm täuschen. Das Probieren eines frittierten Spargels steigere die Wahrscheinlichkeit, auch mal frischen Spargel zu probieren.
Ein paar vorbereitende Schritte haben Taylor und sein Team, sein Assistent Stevens Völker und der Koch des Hofes, Eduard Kovaçi, schon vorher erledigt. Unter Taylors Anleitung bereiten die Jugendlichen den Rest zu. Er achtet darauf, dass alle mitmachen, nennt die Jungs für jeden gelungenen Schritt lobend „Maschine!“ und versprüht gute Laune. Ihm gelingt es, dass auch die Zurückhaltenden Teig zu Buns formen, Schokolade schmelzen oder Kartoffeln waschen.
Auf der Speisekarte stehen Caesar Salad und Smashed Burger
Bald ist die Küche von fröhlichem Herumgealbere und dem Duft nach den bald servierten Leckereien gefüllt. „Ich kann selber nicht kochen, mach aber gerne mit“, sagt Samuel, einer der Jungs, der neben den von ihm hergestellten karamellisierten Nüssen steht. Lars, ein anderer Jugendlicher sagt, dass er sich ganz spontan zu dem Kurs angemeldet habe, da er schon ab und an „The Taste“ geschaut habe.
Auf dem heutigen Menü stehen ein „The Taste“-Löffel, auf dem sich unter anderem Karottencremesuppe, Ziegenkäse und gerösteter Sesam befinden, ein Caesar Salad mit frittiertem Ei, Smashed Burger mit gebratenen Kartoffelwürfeln und ein Lavacake mit selbst gemachtem Joghurteis und gebrannten Nüssen.
Eine Stiftung finanziert das Projekt
Um 18 Uhr treffen weitere Gäste ein, unter anderem die Fachleitung der Wohngruppen. Mit dabei ist auch Florian Aufrecht, der Geschäftsführer der Zukunftsfelder. Letzterer hat das Projekt „Koch-Challenge“ zusammen mit Craig Taylor organisiert. „Wir wollen marginalisierten Randgruppen eine Stimme geben“, so Aufrecht. Deshalb arbeiten alle heute ehrenamtlich. Er möchte darauf aufmerksam machen, dass auch Kinder, die in stationären Wohngruppen aufwachsen, viel Potenzial haben. „Im Idealfall wollen wir das auch mit Wohnungslosen machen“, sagt er. Im Moment sei das Projekt für vier Durchgänge durch die Vector-Stiftung finanziert, das Ziel sei ein regelmäßiges Angebot auch darüber hinaus.
Der Bauernhof Zukunftsfelder engagiert sich auch mit anderen Projekten für benachteiligte Menschen. Die „2. Meile“ wartet zum Beispiel gerade noch auf ihre Baugenehmigung. Hier sollen künftig 15 Menschen arbeiten dürfen, die unter psychischen Erkrankungen leiden. „Das gibt ihnen Tagesstruktur, man kommt wieder rein ins Leben“, so Aufrecht. Ursprünglich ist der Hof ein Schullandheim, die Kinder bewirtschaften in dieser Zeit je eine Woche den Hof selbst. Finanziert wird dieser durch den Schullandheimbetrieb, Spenden und den Verkauf der Bioprodukte des Hofes.
Die Jugendlichen falten sorgfältig die Servietten
Als das Essen serviert wird, herrscht aufgeregte Stimmung. Nicht nur das Kochen, sondern auch das Tischdecken und das feine Anrichten sind Programm. „Wenn ihr eine Freundin habt, könnt ihr damit Pluspunkte sammeln“, sagt Taylor zu den Jungs. Die Jugendlichen falten sorgfältig die Servietten und füllen Rhabarbersaft in die mit Zuckerrand vorbereiteten Gläser. Das Essen schmeckt allen. Der Kurs hat die Jugendlichen zu einer Gruppe verschmolzen, sie helfen sich gegenseitig beim Anrichten und reißen Witze, während sie gemeinsam essen. Ein Jugendlicher begleitet die verschiedenen Gänge immer wieder am Klavier.
„Auf einer Skala von eins bis zehn war es eine 100!“, sagt Samuel begeistert über den Kurs, „ich hoffe, dass ich nochmal dabei sein kann, am besten jedes Mal!“
Auch Taylor zieht ein zufriedenes Fazit. „Die Stimmung war emotional geladen, auf positive Weise. Es war sehr motivierend, auch für mich – einer hat sogar zu mir gesagt: ,Boah, ich will auch Koch werden!’“
Craigs Rezept für Joghurteis zum Selbermachen
Zutaten
500 Gramm Joghurt, 100 Gramm Sahne, 100 Gramm Frischkäse, so viel Honig, wie man zum Süßen mag.
Verarbeitung
„Das Rezept ist toll, weil man es einfach nur verrühren muss“, sagt Craig Taylor. Wer keine Eismaschine habe, solle die Mischung im Gefrierfach alle halbe Stunde bis Stunde umrühren.