Seit Montag fährt die Schönbuchbahn wieder zwischen Böblingen und Dettenhausen. Foto: Julia Theermann

Die Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen (Kreis Tübingen) fährt wieder, doch das Vertrauen der Pendler ist erschüttert. Nach Pannen und Ersatzverkehr bleibt die Skepsis.

Es riecht neu im Elektro-Triebwagen der Schönbuchbahn von CAF, der an diesem Montagvormittag vom Böblinger Bahnhof losfährt. Ein bisschen nach heißer Elektronik. Der Boden und die blauen Sitze sind sauber, nur eine Scheibe hat von außen ein Vogelschiss getroffen. Wochenlang standen die neuen Nexios – außer für Tests – still, aber jetzt fahren sie wieder. Vorerst nur halbstündlich, Busse helfen, den Viertelstundentakt zu erreichen. Grund zur Freude für Pendler und Schüler, die monatelang mit dem Bus fahren mussten. Zumal ab dieser Woche eine Baustelle auf der Dettenhäuser Straße bei Weil im Schönbuch eine Umleitung nötig macht. Jetzt kommen die Fahrgäste wieder vollelektrisch an ihr Ziel.

 

Seit dem verzögerten Start der neuen, elektrischen Triebwagen im vergangenen Sommer gab es kaum eine Woche ohne Pannen, Fahrtausfälle und Schienenersatzverkehr. Ein Brand in einem der Triebwagen Anfang des Jahres setzte dann einen weiteren Nexio-Zug außer Gefecht. Zuletzt war der Zugbetrieb Anfang Februar wieder komplett eingestellt worden, weil die Züge bei nasskaltem Wetter Probleme mit den Bremsen haben. Der Zughersteller hatte nach eigenen Angaben einen Maßnahmenplan vorgelegt, um die Probleme auszumerzen.

Landrat Bernhard setzt Zughersteller CAF unter Druck

Der scheint Früchte getragen zu haben, denn die Bahn kann wieder fahren. Die gut zehn Fahrgäste, die am Montagvormittag am Gleis 1 in Böblingen auf die Schönbuchbahn warten, steigen ungerührt ein, nachdem der Triebwagen schließlich eingefahren ist. Einer verspeist Musik hörend ein Brötchen, eine Frau hat ihr Kind im Buggy dabei, es bekommt einen Snack gereicht. Offensichtlich erleichtert wirkt keiner von ihnen, dass erstmals seit Anfang Februar wieder Züge statt Busse zwischen Böblingen und Dettenhausen (Kreis Tübingen) verkehren. Das ist aber nur der erste Eindruck.

Am Bahnhof Böblingen stehen und fahren wieder die Nexio-Züge der Schönbuchbahn. Foto: Julia Theermann

„Das Vertrauen in die Schönbuchbahn ist weg“, konstatiert eine 27-jährige Frau, die mit ihrem Fahrrad eingestiegen ist. Sie pendele täglich mit dem Zug nach Holzgerlingen zu ihrem Pferd. „Ich habe mir jetzt ein Auto gekauft“, sagt sie. Ist das nicht schlechtes Timing, wenn die Züge jetzt wieder fahren? Nein, findet sie. „Lange wird die bestimmt nicht fahren, da kommt bald das nächste Problem“, ist sich die Böblingerin sicher.

Pendler erleichtert: Schönbuchbahn spart Zeit und Stress

Andere finden nicht ganz so deutliche Worte, sind vielmehr froh, Zeit sparen zu können. Einen 35-jährigen Büroangestellten freut es, dass er die 25 Minuten Fußweg zu seinem Arbeitsplatz jetzt wieder durch eine Station in der Schönbuchbahn ersetzen kann. Ähnlich sieht es eine 30-Jährige, die mit ihrem einjährigen Kind unterwegs ist. Sie nutze die Bahn täglich mit ihrem Sohn. Der Stress des Schienenersatzverkehrs sei nicht gut für das Kind gewesen. Auch ein 18-jähriger junger Mann freut sich über ein bisschen mehr Zeit für sich auf dem Weg zur Arbeit.

Das Thema Schönbuchbahn hatte in den vergangenen Wochen immer wieder Schlagzeilen gemacht. Weil der Zweckverband Schönbuchbahn aktuell nicht nur die Betriebskosten für die Nebenbahn, sondern auch den Schienenersatzverkehr zahlt, hatte Landrat Roland Bernhard (parteilos) dem Zughersteller ein Ultimatum gestellt: entweder bis Montag, 23. Februar, sind mindestens neun fahrtüchtige Triebwagen geliefert, oder der Zweckverband stellt CAF die Kosten für den Schienenersatzverkehr in Rechnung.

Ob die Drohung des Landrats gefruchtet hat, oder ob der Triebwagenhersteller CAF ohnehin geliefert hätte, ist den Fahrgästen am Bahnsteig an diesem Montagmorgen nicht so wichtig. Sie wollen zur Arbeit, zu ihrem Pferd, zur Kita. Und zumindest an diesem Tag geht das ohne Zwischenfälle.