Am Samstag steigt das Landesduell zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart. Wir blicken mit verschiedenen Experten auf die Partie und gehen der Frage nach: Wer ist die Nummer eins im Land? Diesmal mit zwei prominenten Fans der Clubs: Sven Hannawald und Manuel Späth.
Am Samstag geht es um drei Punkte, um viel Prestige – und auch um die Frage: Wer ist die Nummer eins im Fußball-Bundesland Baden-Württemberg? Der SC Freiburg empfängt ab 15.30 Uhr (Liveticker) den VfB Stuttgart. Bevor der Anpfiff ertönt erörtern jeweils zwei Experten mit Bezug zu den Clubs die Lage und die Perspektiven. In Teil zwei sind das der Ex-Skispringer Sven Hannawald und der Ex-Handballer Manuel Späth.
Sven Hannawald und seine große Liebe zum SC
Meine Liebe zum SC Freiburg war eine auf den ersten Blick. Zu meiner Zeit als Skispringer habe ich Ende der 90er-Jahre in Hinterzarten im Schwarzwald gelebt. Als ich das erste Mal beim SC im Stadion war, war es um mich geschehen. Man macht in Freiburg nicht einen auf „dicke Hose“, alles ist bodenständig – und trotzdem spürt man die Energie der Menschen, die den SC unterstützen, in guten wie in schlechten Zeiten. In dieser bescheidenen Haltung finde ich mich mit meinem Charakter wieder. Ich bin, wenn man so will, ein Typ wie der SC Freiburg.
Deshalb freut es mich als Fan, dass sich der SC im Vergleich zum VfB zur Nummer eins im Land entwickelt hat. Beim VfB gibt es offenbar schon lange keine klare Linie, es herrscht ein Kommen und Gehen – man sieht aber in dieser Saison auch, was bei diesem großen Verein alles möglich ist, wenn die Rädchen ineinander greifen.
Was mich beim SC Freiburg beeindruckt, ist die Haltung. Niemand dreht im Erfolgsfall durch – man könnte ja jetzt zum Beispiel sagen, dass man auch mal einen echten, teuren Kracher als Neuzugang verpflichtet. Der SC bleibt sich aber treu, man setzt weiter auf die Philosophie mit meist entwicklungsfähigen Profis, oft aus der eigenen Jugend. Und im Misserfolgsfall war immer klar, dass man auch in turbulenten Gewässern gemeinsam weiterrudert.
Mir gefällt auch ein Punkt, der einige Außenstehende wahrscheinlich nervt: Die Verantwortlichen reden immer davon, dass man erst mal die 40 Punkte erreichen wolle. Man kann mit dieser Haltung die finanzkräftigeren Clubs ärgern und am Ende vor ihnen stehen – weil Demut großen Ehrgeiz nicht ausschließt.
Sven Hannawald ist ehemaliger Skispringer. Er ist Team-Olympiasieger, gewann 2002 die Vierschanzentournee und arbeitet heute unter anderem als TV-Experte.
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Manuel Späth und die „wahre Nummer eins“
Man muss es sich als VfB-Fan eingestehen – der SC Freiburg hat uns in den vergangenen Jahren den Rang als Nummer eins in Baden-Württemberg abgelaufen. In dieser Saison ist der VfB als wahre Nummer eins im Land aber zum Glück wieder dabei, das Bild zurechtzurücken. Ich hoffe daher sehr, dass diese Runde keine Eintagsfliege ist und in Stuttgart jetzt das gelebt wird, was in Freiburg zum Erfolg geführt hat: Kontinuität auf den Führungspositionen.
Als VfB-Fan macht mir das Zuschauen in dieser Saison endlich wieder viel Spaß. Die Jungs spielen unter Trainer Sebastian Hoeneß Fußball – es wird nicht nur geackert und gekämpft. Das überträgt sich dann auch auf die Ränge, zu den Zuschauern. Wobei die Fans sowieso einzigartig sind. Das Stadion war auch zu Zweitligazeiten immer voll, die Stimmung famos. Und sorry, liebe Freiburger: Beim Fanmarsch durch Bad Cannstatt vor dem ersten Heimspiel, da sind gefühlt mehr Leute unterwegs als bei euch ins Stadion passen.
Aber bitte nicht falsch verstehen: Ich habe großen Respekt vor dem SC Freiburg und vor dem, was da geleistet wird. Vor allem vor der Arbeit des Trainers Christian Streich kann man nur den Hut ziehen. Und irgendwie kann man selbst als Stuttgart-Fan ernsthaft kaum ein böses Wort über den SC verlieren. Denn sie bieten einfach kaum eine Angriffsfläche, weil sie auf vielen Ebenen so viel richtig machen. Freiburg ist auch nicht der große Rivale im Land für jeden VfB-ler, denn das ist der KSC – mit Freiburg gibt es da weniger Reibungspunkte. Außer jenem, dass sie in den letzten Jahren die Nummer eins in Baden-Württemberg waren – dies ändert sich jedoch jetzt auch wieder.
Manuel Späth ist ehemaliger Profihandballer. Er spielte unter anderem für Frisch Auf Göppingen, den TVB Stuttgart und die deutsche Nationalmannschaft.