Seit einigen Jahren ist das Gassenquartier im Böblinger Teilort Dagersheim ein Sanierungsgebiet. Wer dort etwas an seinem Haus macht, kann auf Förderung hoffen. Wie wird das Programm angenommen? Und was hat es mit den Leerständen im Ortskern zu tun?
Es geht vorwärts im Gassenquartier des Böblinger Teilorts Dagersheim. Seit sechs Jahren sind die Straßen rund um den Ortskern Teil eines städtischen Sanierungsgebiets. Insgesamt 2,1 Millionen Euro aus mehreren Fördertöpfen stehen speziell für Modernisierungen an Privathäusern zur Verfügung. Darunter sind die Städtebauförderung „Lebendige Zentren“ des Bundes sowie das Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“.
Der Bewilligungszeitraum endet am 30. April 2027 Eine Verlängerung sei aber möglich, sagt Stadtsprecher Gianluca Biela, dessen Angaben zufolge sich viel getan habe, seit das Gassenquartier in die Städtebauförderung aufgenommen wurde.
Mit der Sanierung der Schwippehalle sei die erste städtische Maßnahme bereits abgeschlossen, wenn auch noch nicht vollständig abgerechnet. Für die Schwippehalle gibt es nämlich noch einen separaten Fördertopf über das Bund-Länder-Investitionspaket Sportstätten. Daraus seien bereits 648 000 Euro an die Stadt ausbezahlt worden, 248 000 stünden noch aus. Zudem laufen in Dagersheim gerade die Bauarbeiten an der Kita Ostelsheimer Straße – hier wurde über die Sommerferien das Dach saniert –, am Bezirksamt und an der Hauptstraße West.
Ein Zehntel ist ausbezahlt
In erster Linie soll die Förderung aber Privatleuten zugutekommen. Eine Vielzahl von Beratungen mit Interessenten habe es gegeben. Fünf Modernisierungen seien schon abgeschlossen. Zwei Gebäude im Gassenquartier, unter anderem in der Schmalen Gasse, seien abgerissen worden. Ein Neubau, in der Großen Gasse, ist demnächst bezugsfertig. Für ein weiteres neues Haus gebe es eine Baugenehmigung, die Arbeiten hätten aber noch nicht begonnen, so Biela.
Insgesamt, sagt er, werden bis Ende des Jahres wohl 896 000 Euro an Fördermitteln von Bund und Ländern abgerufen. An die Stadt ausbezahlt worden sei erst ein Zehntel des Fördervolumens, nämlich 215 000 Euro. Die Stadt wiederum habe bisher 35 000 Euro für die Abrisse von Häusern und 380 000 Euro für Modernisierungen fest zugesagt und weitgehend ausgezahlt.
Sanierungswillige gehen in Vorkasse
„Bei der Städtebauförderung läuft es so, dass erst die vereinbarte Maßnahme finanziert werden muss und dann wird mit der bezahlten Rechnung die Auszahlung der Förderung beantragt“, erklärt Biela. „Auch die Privaten müssen erst die vertraglich vereinbarten Modernisierungen vornehmen und können dann die Förderung bei der Stadt mit den bezahlten Rechnungen anfragen.“
Ein zentrales Ziel des Sanierungsgebiets sei über die reine Sanierung von Gebäuden die Belebung des Ortskerns. Das ist besonders im Lichte der aktuellen Welle von Geschäftsaufgaben sicher nicht ganz einfach.
Leerstände im Ortskern
Bereits im August 2023 hatte die Bäckerei Sehne ihre Filiale in Dagersheim aufgegeben. In diesem August dann hatte auch das Restaurant Rafa am Markt, der Nachfolger des Heißen Ofen auf dem Marktplatz, zugemacht – nach nur einem Jahr im Geschäft. Ebenfalls im August schloss der traditionsreiche Bäcker Bauer. Zwar liefen alle drei Läden augenscheinlich gut, doch zwangen verschiedene andere Gründe – besonders Personalmangel oder gesundheitliche Gründe – die Inhaber schließlich zum Aufgeben.
Ortsvorsteher Hendrik Queck sei seit Bekanntwerden der Schließung der Bäckerei Braun in Gesprächen mit der Wirtschaftsförderung sowie dem Amt für Städtebau und Stadtentwicklung in engem Kontakt, sagt der Stadtsprecher. „Wir als Stadt Böblingen werden auf die Eigentümer der leer stehenden Flächen zugehen und bei der Reaktivierung unterstützen, wenn dies von Seiten der Eigentümer gewünscht ist“, sagt Biela.
Über das Sanierungsgebiet sei die Förderung beispielsweise von Umbauten, um das Geschäft wieder attraktiver zu gestalten, möglich. „Zudem wäre für Ideen, die auch das gemeinschaftliche Zusammenleben im Quartier im Blick haben, auch eine Anschubfinanzierung über die nichtinvestive Städtebauförderung möglich.“