Die Tennis-Oberliga ist zurück. Foto: IMAGO//Markus Tischler

Die Tennis-Oberliga startet an diesem Wochenende mit acht Teams aus Stuttgart und von den Fildern. Wer sind die Favoriten und welche Herausforderungen stehen den Clubs bevor? Ein Blick auf den Cannstatter TC, TC Bernhausen, TC Blau-Weiss Vaihingen-Rohr, TEC Waldau, TC Weissenhof und die STG Geroksruhe.

Allzu viel Zeit blieb den hiesigen Tennis-Teams nicht, um sich nach der Winterrunde in der Halle auf die an diesem Wochenende beginnende Sand-Saison in der Oberliga vorzubereiten. In den Gruppen der zweithöchsten Liga unter dem Dach des Württembergischen Tennisverbandes tummeln sich eine Handvoll Mannschaften aus dem Raum Stuttgart. Ein kurzer Blick auf alle Teams vor dem Saisonstart.

 

Cannstatter TC (Herren, Gruppe 3)

Die Cannstatter könnten mit ihrer Truppe auch als Ü-30-Mannschaft antreten. Im Gegensatz zu vielen anderen Teams in der Liga verfügen sie dafür über viel Erfahrung. Sandro Meinzer, Fabian Heinrich, Fabian Brugger und Andre Keller bilden den Kern des Teams. Die letzten drei genannten kennen sich bereits aus dem Studium in Konstanz. Sie alle wurden vom eigentlichen Mannschaftsführer Jan Robert Finkbeiner zum Club gelockt. Das Cannstatter Eigengewächs baute das Team um sich selbst herum auf. Ein Einsatz des langjährigen Leistungsträgers ist in dieser Saison jedoch fraglich, da er in Aachen promoviert. Für ihn hat mittlerweile Fabian Heinrich die Rolle des Mannschaftsführers übernommen. „Was uns auszeichnet ist, dass wir größtenteils untereinander trainieren und einen guten Draht zueinander haben“, sagt Heinrich.

Auch zum auf Position Eins gesetzten Italiener Patrick Prader hat das Team einen guten Draht. In dessen Südtiroler Heimat machte Heinrich zuletzt in der Nähe von Meran Urlaub und trainierte mit ihm zusammen. „Er ist trotz seines reiferen Tennisalters noch topfit“, sagt der Mannschaftsführer über den 38-Jährigen. Auch bei dem Italiener sind die Einsätze noch ungewiss, da er noch in der italienischen Liga aktiv ist. Die ersten drei Spiele definitiv verpassen wird der Argentinier Santiago Russo. Der Bekannte von Cheftrainer Santiago Helguera wird erst später nach Europa reisen und im Anschluss in der französischen Liga spielen. Helguera selbst wird voraussichtlich bei dem ein oder anderen Spiel ebenfalls aushelfen. Rudy Richter wird das Team dagegen nur in den ersten beiden Spielen unterstützen können. Gar nicht mehr helfen kann dem Team der Italiener Bautista Nicolas Serrano, der sich verletzt hat.

„Unser Augenmerk liegt schon auch darauf, dass uns ein bisschen der eigene Nachwuchs fehlt“, sagt Heinrich. Deshalb könnte Talent Oscar de Boer zu einigen Einsätzen kommen. „Wir wollen, dass sich auch jüngere Spieler in der Liga etablieren können“, sagt der Mannschaftsführer, der wie die meisten im Team nicht mehr bei Einzelturnieren an den Start geht.

Das Team um Heinrich hat sich nach der guten Winterrunde mit dem Klassenverbleib in der Oberliga vor allem wegen der Unabwägbarkeiten mit den ausländischen Spielern auch in der Sommerrunde den Klassenerhalt als Ziel gesetzt. Der hauptberufliche Lehrer schätzt den VfL Sindelfingen und den TC Markwasen Reutlingen als starke Teams ein.

TC Bernhausen (Herren, Gruppe 3)

Die internen Verwerfungen rund um das Damen-Team beim TC Bernhausen haben auch Auswirkungen auf die Herren am Fleinsbach. „Im Allgemeinen herrscht im Verein aktuell eine Umbruchstimmung“, sagt Moritz Breitbach, der Sportvorstand des TC Bernhausen. Er ist neben Vereinschef Tobias Walldorf der Einzige aus der vorherigen Vorstandsmannschaft, der im Gremium noch verblieben ist. Auch bei den Männern habe man es argwöhnisch verfolgt, dass selbst in der Oberliga vermehrt auf Ausländer in den vorderen Positionen gesetzt wurde, ist zu hören. Mit Markos Kalovelonis sowie Dimitris und Michalis Sakellaridis kamen im vergangenen Jahr drei Griechen zum Einsatz. Alle drei gehören in diesem Jahr nicht mehr zum Aufgebot. Genauso wie Mathis Dahler, Jan und Jakub Smrcka, die den Verein ebenfalls verlassen haben.

„Wir werden es in diesem Jahr mit den Spielern aus unserem eigenen Nachwuchs stemmen müssen“, sagt Breitbach. Weil die an den Positionen eins bis vier geführten Stefanos Sakellaridis, Stellan Strauß, Patrick Blumenschein und Jakov Suler voraussichtlich nicht zum Einsatz kommen werden, rücken die Nachwuchstalente Yannik Maisch, Yassin Nasr und Fabio Wörner nach. „Es war an sich schon geplant, sie in dieser Saison heranzuführen, aber eigentlich an vier, fünf und sechs und nicht an Position eins, zwei und drei“, sagt der Sportchef.

Breitbach rechnet deshalb realistisch damit, dass sie als Abstiegskandidat Nummer eins in die Runde gehen. „Natürlich wollen wir alles versuchen, die Klasse zu halten, aber wenn es am Ende so ist, dann ist es kein Drama“, sagt er.

TC Blau-Weiss Vaihingen-Rohr (Herren, Gruppen 3)

Das Filderteam sieht Jan Finckh, Mannschaftsführer des TC Blau-Weiss Vaihingen-Rohr, als größten Konkurrenten um den Klassenverbleib. „Mit allen anderen Teams hoffen wir auf Augenhöhe zu sein“, sagt Finckh. Als stärkstes Team der Gruppe schätzt er die Cannstatter ein, zudem sei beim VfL Sindelfingen 2 immer unklar, wer letztlich spielen wird. „Dadurch, dass unsere Begegnung gegen sie relativ spät in der Saison ist, könnten wir Glück haben“, sagt Finckh.

Der Aufsteiger aus der Verbandsliga möchte sich erst mal wieder in der Oberliga etablieren. Zurückgreifen kann der TC Blau-Weiss Vaihingen-Rohr größtenteils auf die Aufstiegsmannschaft. Hinzu kamen mit Asier Meneses Perny, ein weiterer Spanier, und Jonas Rades vom TC Ludwigsburg zwei externe Zugänge. Zudem tauschten Juraj Pavlov und Rick Amend die Positionen. Während der Slowake Pavlov jetzt in der zweiten Mannschaft aufschlägt, ist Amend in den Kader des Oberliga-Teams aufgerückt.

In den ersten Spielen wird das Team, angeführt von der Nummer eins Valentin Basel, voraussichtlich nach der Meldeliste auflaufen. Neben dem 20-jährigen Argentinier wird dann noch ein weiterer Ausländer nominiert, sodass Finckh auf Nummer drei gesetzt sein wird. „Je nachdem, wie die Leistungen in der Saison dann waren und wie die Tabellensituation ist, kann es zu Veränderung kommen“, sagt der Mannschaftsführer. Geplant sei aber, immer nur mit zwei Ausländern zu spielen.

Das junge Team, das aber schon seit mehreren Jahren zusammenspielt, sieht sich gut vorbereitet für die Rückkehr in die Oberliga nach drei Jahren in der Verbandsliga. „Wir haben versucht, so viel wie möglich noch auf Sand zu trainieren“, berichtet Finckh. Der frühe Start in die Saison hätte die Vorbereitung jedoch etwas erschwert.

TC Bernhausen (Damen, Gruppen 12)

Oberliga statt Bundesliga heißt es in der kommenden Saison für Vereins-Ikone Steffi Bachhofer. Denn eigentlich hatte sich das Bernhausener Damenteam um die 40-jährige mehrfache Senioren-Weltmeisterin mit ihrem letztjährigen abermaligen Zweitliga-Meistertitel das Teilnahmerecht an der höchsten Spielklasse erworben. Wie berichtet folgten jedoch interne Verwerfungen mit der Konsequenz, auf den Aufstieg zu verzichten. Mehr noch: Die Verantwortlichen beschlossen einen Rückzug in die Regionalliga, in der bislang die zweite Mannschaft antrat.

Doch der TC Bernhausen hatte in den vergangenen Monaten erhebliche personelle Verluste hinnehmen müssen. Nach der Abwanderung der dreifachen deutschen Jugendmeisterin Marie Vogt zum Zweitligisten TC Blau-Weiß Vaihingen/Rohr und der Tochter des ausgestiegenen Teammanagers Matthias Kern, Rebeka, haben mehrere vielversprechende Talente den Verein verlassen. Dazu zählen Kristina Samardzic (Waldbrunn), Mia Mack (TC Doggenburg), Leni Prankl (Grün-Weiß Mannheim) und Delia Weinmann (TC Tübingen). „Alle anderen Spielklassen außer der Oberliga hätten keinen Sinn ergeben“, berichtet Bachhofer. Also der erneute Rückzug, diesmal aus der Regionalliga, und ein völliger Neustart in der Oberliga, mit dem Minimalziel Klassenerhalt.

Der Fokus soll vier Klassen tiefer als ursprünglich geplant wieder verstärkt auf die Förderung regional ansässiger Spielerinnen gelegt werden. „Es wird eine Herkulesaufgabe, an jedem Spieltag vollständig aufzulaufen“, sagt Bachhofer. Die Trainerin wird wegen ihrer Einsätze in der französischen Liga selbst nicht bei jedem Spiel zum Schläger greifen, wenn dann aber wohl an Position eins. Hinter ihr folgen Katharina Spieth und Felicitas Fock. Um die verbliebenen beiden Mannschaften an den Spieltagen aufzufüllen, ist Bachhofer dabei, Spielerinnen des Damen-30-Teams für Einsätze zu gewinnen.

Dass Bachhofer nach ihrer deutlichen Kritik am Verein und internen Abläufen weiter an Bord ist, war zunächst offen geblieben, letztlich blieb sie trotz der Turbulenzen doch. „Es ist mein Heimatclub und ich stehe nach wie vor zu ihm. Ich bin schon sehr lange im Verein, da fällt es schwer, einfach zu wechseln“, sagt die nun ehemalige Bundesliga-Spielerin.

TEC Waldau 3 (Damen, Gruppe 12)

Thomas Bürkle hat alle Hände voll zu tun. Der Clubmanager muss die Spiele und Einsätze von vier hochklassigen Damenteams koordinieren. „Wir sind stolz darauf, dass wir mit einem Frauenteam in der Bundesliga, Regionalliga, Oberliga und Verbandsliga vertreten sind“, sagt Bürkle. Durch Verschiebungen in den unterschiedlichen Teams geht Bürkle davon aus, dass nicht jede Woche die gleichen sechs Spielerinnen im Aufgebot stehen werden.

Grundsätzlich geht die dritte Damenmannschaft in der Besetzung Beatrice Solisch-Granate, Patrizia Bolz, Annabell Lücke, Julika Hofele, Sarah Hellstern, Jana Wittmann und Nina Jäggle an den Start. Zudem steht Neuzugang Ira Vogelmann an der Schwele von der dritten zur zweiten Mannschaft. „Die Mischung stimmt total“, sagt Bürkle mit Blick auf die Altersstruktur des Aufgebots. Zu den erfahrenen Kräften Solisch-Granate, Hellstern und Bolz gesellen sich in Lücke, Hofele und Jäggle drei Talente. „Wir werden keine Ausländerin bei diesem Team einsetzen, weil wir den deutschen Spielerinnen die Möglichkeit geben wollen, auf diesem Niveau performen zu können“, stellt der Clubmanager klar.

Die Nummer eins des Teams, Solisch-Granate, kehrt nach einem Achillessehnenriss zurück. Ihr fehlt nach längerer Verletzungspause noch etwas Spielpraxis. Sie könnte unter Umständen auch in der zweiten Mannschaft eingesetzt werden, wobei vermieden werden soll, dass sie sich dort mit zwei Einsätzen fest spielt.

Das Ziel ist, wie bei allen anderen Teams des TEC Waldau, die Klasse zu halten. „Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt“, sagt der Clubmanager Bürkle.

Die dritte Mannschaft des TEC Waldau ist eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen. Foto: privat

TC Weissenhof (Damen, Gruppe 12)

Im Schatten der Anlage, in der sich die deutsche Nummer eins, Alexander Zverev, vom 7. bis 15. Juni mit dem Turniersieg beim Boss Open auf Rasen das nötige Selbstvertrauen holen möchte, kämpfen die Frauen des TC Weissenhof nach ihrem Aufstieg auf Sand um den Klassenverbleib in der Oberliga. „Das ist unser Hauptziel. Wir wissen, dass wir dafür eine konstante Leistung zeigen müssen“, sagt Katharina Drebka, Mannschaftsführerin des Teams.

Die Mannschaft setzt sich aus den gleichen Spielerinnen zusammen wie im vergangenen Jahr. Hinzu kam Carolien Bauer aus Heidelberg. „Vom Altersschnitt sind wir eher eine erfahrenere Mannschaft. Wir kennen uns alle von den Turnieren früher und sind als Freunde hier zusammen gekommen, um gemeinsam zu spielen“, erzählt Drebka. Die Nord-Stuttgarterinnen wollen möglichst nach Setztliste auflaufen. Dafür reist die Nummer zwei, Nadia Victoria Nemeth, vor dem Auftakt gegen Schorndorf extra aus den USA an.

Drebka rechnet mit einer umkämpften Liga. „Alle Mannschaften sind sehr, sehr gut. Es gibt keinen leichten oder schweren Gegner“, sagt die Mannschaftsführerin, die an Position fünf gelistet ist. Die ersten Spiele werden zeigen, wo die Mannschaft steht. Wobei das zweite Spiel gegen den TEC Waldau reichlich Überraschungspotenzial bietet. „Man kann bei einer dritten Mannschaft immer schwer einschätzen, wer dann aufläuft“, sagt Drebka

STG Geroksruhe (Damen, Gruppe 13)

An der Waldebene Ost ist nahezu alles wie immer. „Wir gehen mit dem gleichen Team in die Runde wie in den vergangenen Jahren“, sagt die Mannschaftsführerin Julia John. Lediglich mit Claire Marie Hupfer (TC 1923 Grenzach) kam eine neue Spielerin ins Team. „Wir spielen seit Jahren konstant in unserer Aufstellung, viele Überraschungen wird es bei uns deshalb nicht geben“, sagt die Mannschaftsführerin

Ein offizielles Saisonziel hat die Mannschaft, die in den vergangenen Jahren zwischen der höheren Württembergliga und der Oberliga pendelte, sich nicht gesetzt. „Das wird sich entwickeln und nach den ersten Spielen zeigen“, sagt John. Zum Start der Saison empfängt die STG Geroksruhe am Sonntag den Aufsteiger TEV Rot-Weiß Fellbach. „Wir freuen uns sehr darauf, auch wenn es vergleichsweise sehr früh im Jahr ist“, sagt die Mannschaftsführerin.

Die STG Gerkosruhe spielt seit Jahren in nahezu der gleichen Besetzung. Foto: privat

TC Blau-Weiss Vaihingen-Rohr 2 (Damen, Gruppen 13)

Mit einem breiten Kader geht die Reserve des Zweiligisten in die Runde. Eine feste Rangfolge oder einen starren Teamkader gibt es nicht. Aus den Verfügbarkeiten der jeweiligen Spielerinnen setzt sich die jeweilige Zusammenstellung der zweiten und dritten Mannschaft zusammen. Im vergangenen Jahr kamen bis zu zwölf Spielerinnen in der Oberliga zum Einsatz.

Trotzdem ist das Team kein zusammengewürfelter Haufen, sondern eine eingeschworene Gemeinschaft. „Was wirklich bemerkenswert ist, ist, dass der Kern schon lange dabei ist“, berichtet die Mannschaftsführerin Jasmin Kling. Auch Trainer Michael Seibold ist seit vielen Jahren mit an Bord. Punkt zwei, den Kling lobt: den Mix der Mannschaft. „Wir haben ein paar U-18-Spielerinnen, ein paar, die studieren und noch welche, die um die 30 sind und mitten im Berufsleben stehen. Trotzdem verstehen wir uns alle sehr gut“, sagt die Mannschaftsführerin.

Für die anstehende Runde, die für die Vaihingerinnen mit drei Auswärtsspielen in Folge startet, lautet das Ziel wieder einmal, die Klasse zu halten. „Ich denke, die Liga passt auch sehr gut zu dem Team“, sagt Kling.