Bei einem Auftritt in Stuttgart vor der Landtagswahl kritisiert die Politikerin Sahra Wagenknecht die Angriffe auf den Iran. Sie hat selbst Wurzeln in diesem Land.
Sahra Wagenknecht, Gründerin der nach ihr benannten Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat den Angriff Israels und der USA auf den Iran bei einem Auftritt in Stuttgart als „völkerrechtswidrig“ kritisiert. „Es graust einem, wie das Faustrecht des Stärkeren nun wieder zählt“, sagte die 56-Jährige im mit rund 600 Menschen vollbesetzten Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle bei einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei.
Wagenknecht hat Wurzeln im Iran. Ihr Vater, der zum Studium in Deutschland war, stammte von dort. Wie Wagenknecht vergangenes Jahr in einem Podcast der „Zeit“ erzählte, habe er sie in ihrer frühen Kindheit auf den Schultern getragen. Allerdings brach der Kontakt ab, als sie drei Jahre alt war und der Vater zurück in den Iran ging. Das sei ein „harter Einschnitt“ für sie gewesen.
Sie habe später eine Zeit lang Persisch gelernt, um sich bei einem Wiedersehen unterhalten zu können, zu dem es aber nicht kam. In den Iran gereist sei sie aus Sicherheitsgründen nie. Aber „vielleicht, wenn der Iran irgendwann ein wirklich freies Land ist, wenn die Mullahs nicht mehr regieren und ich mich dort frei bewegen könnte“, sagte Wagenknecht im Februar 2025 der Zeit.
Ajatollah könnte zum „Märtyrer“ werden
Bei ihrem Stuttgarter Auftritt erwähnte Wagenknecht ihre persönlichen Verbindungen nicht, machte aber deutlich, dass sie das religiöse Regime der Mullahs ablehne. Allerdings sieht sie einen Angriff von außen – wie jetzt geschehen – nicht als den richtigen Weg an: „Mit Bomben schafft man keine Demokratie, man züchtet Chaos“, sagte Wagenknecht. Sie befürchtet einen nun folgenden „Flächenbrand“ und dass der getötete Ajatollah zum „Märtyrer“ stilisiert wird. Außerdem frage sie sich, welche Ländern überhaupt noch mit dem Westen verhandeln werden, wenn dieser „unliebsame Führer“ in anderen Ländern einfach umbringe.
Wagenknecht sieht hier eine Doppelmoral: Den Angriff Putins auf die Ukraine habe Deutschland als völkerrechtswidrig kritisiert, im Fall von USA und Israel nehme man es mit dem Völkerrecht aber nicht so genau. Wagenknecht forderte die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf, nicht weiter zuzulassen, dass Militärbasen in Deutschland, wie etwa Ramstein, für den Krieg gegen den Iran genutzt werden.
Im Saal gab es viel Beifall für Wagenknecht, ebenso wie für die BSW-Landesvorsitzende Jessica Tatti und den Spitzenkandidaten Joachim Tabler, die Wagenknechts Kritik teilten. Umfragen messen dem BSW derzeit keine Chancen zu, in den baden-württembergischen Landtag einzuziehen.