Matthias Glaub ist seit nicht einmal zwei Jahren Chef der Stuttgarter S-Bahn. Nun deutet sich sein Abschied an. Foto: privat, imago images/Arnulf Hettrich

Der Stuttgarter S-Bahnchef soll nach München wechseln. Der Abgang käme zur Unzeit. Das System kämpft mit Problemen, in den kommenden Jahren wird ein neuer Betreiber gesucht.

An der Spitze der S-Bahn Stuttgart steht ein Wechsel bevor. Nach Informationen unserer Redaktion soll der bisherige Vorsitzende der Geschäftsleitung, Matthias Glaub, auf den Chefsessel der S-Bahn München wechseln. Der aktuelle Münchner Stelleninhaber, Heiko Büttner, wiederum ist dem Vernehmen nach für einen Wechsel nach Berlin vorgesehen, wo er an die Spitze der S-Bahn Berlin rücken soll. Der Aufsichtsrat der Berliner S-Bahngesellschaft soll die Personalie in seiner Sitzung am 5. März beschließen – und würde damit die beschriebene Personalkaskade auslösen.

 

Glaub war erst zum 1. September 2024 an die Spitze der S-Bahn Stuttgart gerückt. Zuvor arbeitete er sieben Jahren lang als Geschäftsleiter Personal bei der S-Bahn München. Seine Rückkehr in die bayrische Landeshauptstadt träfe die S-Bahn Stuttgart in einer schwierigen Phase.

Die Ausgangslage für Glaub, der 2024 auf den langjährigen S-Bahnchef Dirk Rothenstein folgte, war schwierig – und hat sich seitdem kaum grundlegend verbessert. Die Stuttgarter S-Bahn kämpft weiterhin mit hohen Verspätungswerten und zahlreichen Zugausfällen. Verantwortlich dafür sind vor allem die vielen Baustellen im hochbelasteten und in die Jahre gekommenen Netz. Neben der Sanierung der maroden Infrastruktur bremsen auch immer wieder Arbeiten für die Digitalisierung der Sicherungstechnik im Rahmen des Projekts Digitaler Knoten Stuttgart die Bahnen, die eigentlich das Rückgrat des Nahverkehrs in der Region Stuttgart darstellen sollten. Glaub hatte in den vergangenen Monaten unter anderem versucht, die Kommunikation mit den Fahrgästen zu verbessern, die neben ausfallenden Zügen häufig auch mit fehlenden Informationen zu kämpfen haben.

Gleichzeitig hat sich die Fahrgastnachfrage nach der Corona-Pandemie zwar erholt, erreicht aber nur langsam wieder frühere Höchststände. Hinzu kommt die wirtschaftliche Dimension: Wegen unzureichender Pünktlichkeit drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe an den Verband Region Stuttgart, der den S-Bahnverkehr bestellt und bezahlt. Der aktuelle S-Bahnvertrag läuft noch bis 2032. Der Regionalverband bereitet derzeit die Ausschreibung für einen Anschluss-Kontrakt vor. Just in diese Zeit würde der Wechsel an der Spitze Stuttgarter S-Bahn fallen.

Auch ein Name für eine Nachfolge bei der S-Bahn Stuttgart macht bereits die Runde. Nach Informationen unserer Redaktion wird dafür Nina Hutwagner gehandelt, die seit rund 15 Jahren beim Bahnkonzern arbeitet. Zuletzt war sie als Leiterin Fahrplan und Verkehrsleitung in Frankfurt am Main für die bundesweite Zugverkehrssteuerung im Fernverkehr sowie deren strategische Weiterentwicklung zuständig. Zudem ist sie Mitglied in der vom Bundesverkehrsministerium einberufenen „Taskforce für eine zuverlässige Bahn“.