Seit Jahren hat die Privatklinik auf dem Burgholzhof in Bad Cannstatt mit Verkehrsproblemen zu kämpfen. Für Abhilfe könnte eine besondere Lösung sorgen.
Das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) bietet hoch gelegen über Bad Cannstatt auf dem Burgholzhof nicht nur eine herrliche Aussicht, sondern strahlt mit seiner Reputation auch weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus. Doch die exponierte Lage über den Dächern von Stuttgart birgt auch ihre Schattenseiten – vor allem im Hinblick auf den Verkehr. „Wir benötigen deutliche Verbesserungen “, betont Professor Mark Dominik Alscher. Im Blick hat er dabei eine für Stuttgart neuartige Lösung: Eine Seilbahn.
Stadtbahn zu teuer und zu langwierig in der Planung
Den Vorschlag der Cannstatter CDU, eine neue Trasse der Stadtbahn U16 vom Pragsattel aus zum Burgholzhof zu bauen, hält der Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses für wünschenswert, aber „grundsätzlich für zu langwierig und teuer, zudem müsste ins Landschaftsschutzgebiet eingegriffen werden“. Dennoch: Eine bessere Erschließung der Klinik und des angrenzenden Wohngebiets im Dreieck zwischen Pragsattel, Hallschlag und Rot sei unausweichlich. Schließlich entstanden, vornehmlich zwischen 1998 und 2005, rund 1100 Wohneinheiten auf dem Burgholzhof. „Das ist für uns von zentraler Bedeutung“, betont Alscher.
Seit Jahren liefen daher Gespräche zwischen Klinikleitung und Stadt – bislang ohne Erfolg. Dabei setzt er auf eine andere, nicht ganz neue Idee: Denn bereits bei der Aufsiedelung des Burgholzhofs auf dem Gelände der früheren US-Kaserne wurde über eine Seilbahn nachgedacht. Diese hält Alscher und auch Gerhard Pfeifer, Regionalgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), für weitaus realistischer und kostengünstiger. Konkret könnte die Luftseilbahn direkt von der Stadtbahnhaltestelle am Pragsattel aus über die Weinberge bis zum Robert-Bosch-Krankenhaus führen. „Und dadurch schneller zu realisieren sein wird“, mutmaßt Alscher.
Für BUND-Geschäftsführer Pfeifer könnte als Vorbild für ein solch „bundesweites eindrucksvolles Zeichen für die Verkehrswende“ die erfolgreiche Bahn in Koblenz über den Rhein dienen. Vor allem aber die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs steigern, „und somit die Straße entlasten“, ergänzt Alscher. Denn bislang ist das Robert-Bosch-Krankenhaus und der Burgholzhofturm einzig über die Linie 52 von Bad Cannstatt aus und der Linie 57 vom Pragsattel aus mit Bussen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) erreichbar.
Die Folge sind nahezu tägliche Staus auf der engen, als einzigem Zubringer dienenden Auerbachstraße vom Pragsattel aus. Immer wieder bilden sich auch Schlangen vor der Einfahrt ins Klinikum selbst. „Bereits des öfteren musste die Polizei diese sperren“, erklärt Alscher. Der Grund: Die bisher 607 Parkplätze reichen für Besucher und Mitarbeiter bei weitem nicht aus. Eskaliert sei die Lage durch den Wegfall weiterer 150 Stellplätze durch den Neubau am Robert-Bosch-Krankenhaus. Bis Anfang 2027 sollen mehr als 300 neue Wohnungen für Mitarbeiter, eine Kindertagesstätte mit 50 Plätzen, eine Supermarktfiliale und auch ein Fitnessbereich entstehen.
Zwar sollen im Zuge des Krankenhaus-Neubaus mehr als 900 weitere Parkplätze entstehen, „aber was sollen wir bis dahin machen?“, fragt sich der Geschäftsführer. Vor allem zu den Hauptverkehrszeiten sei aufgrund der Staus auf der Auerbachstraße bereits jetzt häufig kein Durchkommen mehr möglich. Für die SSB-Busse, die Anwohner des Burgholzhofs aber auch für die Rettungswagen. „Das ist einfach gefährlich“, betont Alscher angesichts von bis zu 150 Notfällen pro Tag. Als Zwischenlösung miete man bereits verschiedene Flächen und Parkhäuser an. Und während eines Streiks der SSB-Mitarbeiter wurde gar ein eigener Shuttle-Service zwischen der Stadtbahnhaltestelle am Pragsattel und dem Robert-Bosch-Krankenhaus eingerichtet. „Das kann aber kein dauerhafter Zustand sein“, sagt Alscher.
Auerbachstraße ab 8. September gesperrt
Bereits in der kommenden Woche müssen Besucher, Anwohner und auch Rettungswagen mit weiteren Behinderungen rechnen. Von Montag, 8. September, bis Freitag, 12. September ist die Auerbachstraße zwischen dem Aussichtsturm Burgholzhof und der Schozacher Straße für den Verkehr gesperrt. Hintergrund ist die Erneuerung der Fahrbahndecke nach der Verlegung neuer Stromleitungen durch die Stuttgart Netze GmbH. Dadurch ist die Zufahrt vom Hallschlag aus über den Schnarrenberg deutlich erschwert. Für Klinik-Besucher und Anwohner keine allzu große Umstellung – so lange es keine Seilbahn gibt.
Robert-Bosch-Krankenhaus
Geschichte
Das Robert-Bosch-Krankenhaus wurde im Jahr 1940 von Robert Bosch gegründet. Das Krankenhaus bezog 1972 den aktuellen Standort am Burgholzhof. Träger ist die in Stuttgart ansässige Robert Bosch Stiftung.
Größe
Es verfügt über 1191 Betten mit den beiden Innenstadtstandorten. Derzeit sind rund 3600 Mitarbeiter aus 84 Nationen beschäftigt.
Bedeutung
Zuständig ist das zu den größten Krankenhäusern in Deutschland zählende RBK inzwischen für mehr als 180 000 Einwohner im Stuttgarter Norden. Besonders bekannt ist es für die Herzchirurgie sowie Onkologie, Geriatrie und seit der Übernahme der Schillerhöhe für Lungenkrankheiten.