Die evangelische Gesamtkirche will die Pauluskirche in Stuttgart-West nurmehr zur Sicherung sanieren. Und dann? Die Grünen im Stuttgarter Rathaus fragen weiter nach.
Die Grünen im Rathaus schalten sich in die öffentlich gewordene Debatte um die Zukunft der Pauluskirche und des Paulus-Zentrums im Stuttgarter Westen ein. „Die Pauluskirche und das Pauluszentrum“ begründen die Stadträte Andreas Winter und Björn Peterhoff einen jetzt im Gemeinderat eingereichten Antrag, „sind über die Nutzung der Pauluskirche hinaus ein Ort der Begegnung und des bürgerschaftlichen Engagements“. Und sie betonen: „Das kulturelle Programm und die Angebote für alle Generationen ziehen jedes Jahr fast 10 000 Besucherinnen und Besucher an.“
Die Gesamtkirche Stuttgart hatte Ende Juni entschieden, aus einer dringend notwendig Gesamtsanierung von Dach und Stahlbetonstützen des 1961 eingeweihten Kirchenbaus nurmehr die auf 800 000 Euro Kosten geschätzte Sanierung der Stahlbetonstützen an der Ostseite zu übernehmen. Weitere Sanierungsmaßnahmen an der Pauluskirche würden nicht mehr übernommen. Inzwischen ist klar: Auch ein sofortiger Abriss des Komplexes wurde im Sommer diskutiert. Für den Erhalt der Pauluskirche und die Nutzung in der aktuellen Vielfalt hat sich inzwischen ein breites Bündnis formiert. Zu diesem zählt auch das Komitee „Paulus hat Zukunft“.
Eine öffentliche Gemeindeversammlung der für die Pauluskirche zuständigen Kirchengemeinde Stuttgart-West hatte vergangene Woche keine Annäherung gebracht. Überraschend deutlich hatten die Vertreterinnen und Vertreter der Gesamtkirche hierbei wiederholt auf Beispiele hingewiesen, in denen über Abriss und pflegenaher Neubebauung wie etwa Einheiten betreuten Wohnens „erfolgreich transformiert“ worden seien. Paulus-Pfarrerin Sabine Löw und das Komitee „Paulus hat Zukunft.“ hatten dagegen ihr „absolutes Unverständnis“ geäußert, dass die evangelische Kirche „erstmals einen lebendigen Standort schließen wolle“. Für einen offenen Dialog mit bürgerschaftlicher Teilhabe an allen weiteren Schritten hatte Bernhard Mellert, der Bezirksvorsteher in Stuttgart-West, plädiert und angeboten, hierfür gerade auch die Stadtverwaltung anzusprechen.
Die Stuttgarter Grünen stellen die Position der Gesamtkirche, die Pauluskirche und das Pauluszentrum müssten weitere Träger gewinnen, nicht in Frage. „Wir wollen“, so Andreas Winter und Björn Peterhoff, „dass die Stadt den nun angestoßenen Veränderungsprozess begleitet, um die Zukunft der Pauluskirche und des Gemeindezentrums in Stuttgart-West zu sichern“.
Die Zielrichtung weist in das politische Selbstverständnis: „Da es in unserer Stadt einen großen Bedarf an Räumen für Kulturschaffende gibt“, heißt es da, „wäre es deshalb auch denkbar, den Kirchenraum und das Gemeindezentrum in Zukunft für weitere Nutzungen zu öffnen, etwa für Musikerinnen und Musiker sowie Künstlerinnen und Künstler.“ Hierzu hatte die Kirchengemeinde West bereits angemerkt, dass über den Pauluschor, das Paulusorchester und diverse Paulus-Bläsergruppen bereits eine intensive kulturelle Nutzung gegeben sei, überdies pro Jahr weiterhin zwölf Konzerte stattfänden. Ausgehend von einem engen Dialog der Stadt mit der Kirchengemeinde Stuttgart-West beantragen die Grünen nun: „Die Verwaltung eruiert die Bedarfe an Räumen für den Gemeinbedarf sowie an Proberäumen in der Stadt.“ Zudem: „Die Verwaltung berichtet im Verwaltungsausschuss über die Pläne der Kirchengemeinde und die möglichen Optionen, das Ensemble Pauluskirche und das Pauluszentrum in die Richtung breiterer kultureller Nutzungen weiterzuentwickeln.“