Fabian Wöhrle: „Die Orgel muss erst stabilisiert werden.“ Foto: Avanti/Ralf Poller

Das einzigartige Instrument in der Ludwigsburger Friedenskirche wird in den nächsten Jahren von Grund auf erneuert. Die Kosten dürften bei 800 000 Euro liegen.

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente, aber auch eine Königin kommt in die Jahre, und dann kann ihr allmählich die Puste ausgehen. Sie braucht Hilfe. In Not ist die spätromantische Walckerorgel der Friedenskirche in Ludwigsburg. Ein einzigartiges Instrument, sagt Konrad Seigfried, lange Jahre Erster Bürgermeister in Ludwigsburg und Vorsitzender des Vereins Walcker-Orgel-bewahren.

 

Dem Ziel, die aus dem Jahre 1903 stammende, weitgehend original erhaltene Orgel zu erneuern, ist man jetzt ein gutes Stück nähergekommen. Kürzlich unterzeichneten der Ludwigsburger Dekan Michael Werner und Markus Lenter, Chef der Firma Lenter Orgelbau in Sachsenheim, einen Vertrag. Demnach soll die Walckerorgel bis 2028 von Grund auf renoviert, teilweise rekonstruiert werden. „Ein ehrgeiziger Plan“, gibt Seigfried zu. Aber es wäre schön, wenn die Orgel zu ihrem 125-Jahr-Jubiläum 2028 wieder im ursprünglichen Klang ertönen würde.

Noch eine große Wegstrecke

Möglich wurde die Vereinbarung jetzt, weil der Förderverein seit seiner Gründung 2022 insgesamt mehr als 600 000 Euro einwerben konnte, aus Bundesmitteln, von Stiftungen und Unternehmen, aber auch Privatpersonen. Die geschätzten Kosten für die Restaurierung der Orgel liegen bei rund 800 000 Euro. Vor den Unterstützern liegt also noch eine große Wegstrecke.

Das Objekt der – so die Pressemitteilung – „respektvollen Generalsanierung“ setzt nicht nur akustisch, sondern auch optisch einen starken Akzent im Inneren der Friedenskirche. Die Orgel steht auf der Empore der Ostseite. Als wäre sie mit dem Gotteshaus verwachsen, und tatsächlich wurde das Instrument gleichzeitig mit der Friedenskirche entworfen und eingeweiht. Bezirkskantor Fabian Wöhrle erläutert: „Bevor es an die die Restaurierungsarbeiten geht, muss die Orgel stabilisiert werden.“ Denn die Konstruktion, die das Instrument trägt, weist Instabilitäten auf, das Instrument neigt sich kaum merklich. Diese Probleme müssen zuerst beseitigt werden, bevor es an die Frischzellenkur für die Walckerorgel geht.

Größte Pfeife misst 4,50 Meter

2804 Pfeifen hat die Walckerorgel, die größten 4,50 Meter groß, die kleinsten nur ein paar Zentimeter. „Die müssen alle gründlich gereinigt und notfalls repariert werden“, sagt Wöhrle. An den acht Windladen aus Holz, auf denen die Pfeifen stehen, gibt es Trocknungsschäden. Risse im Holz entstanden, als die Friedenskirche in den zwölf Jahren, in denen sie das Landeskirchliche Museum beherbergte, gut geheizt wurde.

Dass den Pfeifen buchstäblich die Luft nicht ausgeht, dafür sorgen Hunderte Kegelhub- und Relaisbälgchen, pneumatische Teile, gewissermaßen kleine Blasebälge. Sie alle sind zugeschnitten auf ihre spezifische Aufgabe im Orgelwerk. Sie bestehen aus Holz und Leder und sind verschlissen.

Erneuert werden muss zudem der Magazin-Balg, ein großes Luft-Behältnis unterhalb der Orgel, das die Luft für das Instrument vorhält. Auch der Spieltisch, an dem der Organist sitzt, wird neu konstruiert. Lange Zeit wurde die Orgel über elektrische Impulse gesteuert, nun soll die Walckerorgel 2028 wie 1903 wieder pneumatisch bewegt werden.

Noch finanzielle Unterstützung nötig

Viele Herausforderungen also, und Seigfried weiß, dass noch viel finanzielle Unterstützung benötigt wird. Interessenten können spenden, Benefizkonzerte besuchen oder auch Patenschaften für einzelne Pfeifen übernehmen. Mit Beträgen zwischen 25 und 500 Euro pro Pfeife ist man dabei.

In jedem Fall wird die Wiederherstellung dieser hochromantischen Orgel ein Zeichen weit über das kirchliche Milieu hinaus setzen. Dekan Michael Werner meint mit Blick auf das bislang erfolgreiche Bemühen um Spenden: „Das Projekt macht sichtbar, wie viel Verbundenheit mit der Kirche in der Gesellschaft noch vorhanden ist.“