Abenteuerreisen sind auch für Menschen mit Handicap möglich. Ein Trip im Rollstuhl durch den Oman, wo ein Traumurlaub im Land von Tausendundeiner Nacht Wirklichkeit wird.
Gleich am Eingang von Beit Zaffa in Al Hamra endet die Erkundung für Annemarie Metzler. Das viele Jahrhunderte alte omanische Haus, das heute als Museum das frühere Leben der Bewohner zeigt, ist viel zu eng und stufig für die Frau mit Handicap. Enttäuscht dreht sie ihren Rollstuhl, will zurück auf die Straße.
Doch da kommt ein Mann in weißer Dishdasha, der typischen omanischen Tracht, sagt: „I will help you“ und hievt die schlanke Frau aus dem Rollstuhl. Huckepack trägt er sie ins Innere von Al Hamra und Metzler erhält einen kleinen Einblick, wie das Leben der Omaner noch vor 50 Jahren aussah.
Reise für die Gehbehinderte
Die Huckepack-Aktion ist einer dieser Momente, die Annemarie Metzler beweisen, dass sie alles richtig gemacht hat. „Du spinnst, als Frau im Rollstuhl in die Wüste“, lautet die Reaktion von Bekannten, als die Konstanzerin ihnen von ihren Plänen erzählt. Doch Metzler will genau dorthin.
Kein Reisebüro sieht sich in der Lage, eine Reise für die Gehbehinderte zu organisieren. Schließlich landet ihre Anfrage bei Christine Kiefer. Auch sie stammt ursprünglich vom Bodensee, lebt seit zehn Jahren in der omanischen Hauptstadt Maskat. Dort arbeitet sie als Reiseveranstalterin und Reiseführerin. Ihr Spezialgebiet sind Reisen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.
In 50 Jahren vom Mittelalter in die Moderne
Noch vor 50 Jahren war der Oman ein verschlafenes Land. Fischer und Beduinen lebten dort ein Leben wie schon Jahrhunderte zuvor. Der damalige Sultan sperrte sich gegen jede Modernisierung. Sein Sohn Qabus bin Said entmachtet 1970 den Vater und wird Sultan. Er katapultiert das Land in die Moderne und schafft es dabei gleichzeitig, die omanischen Traditionen zu bewahren.
Anders als in den Nachbarländern gibt es keine Wolkenkratzer. Weiße Steinhäuser bestimmen das architektonische Bild der Hauptstadt. Das Land hat eine mehr als 1000 Kilometer lange Küste entlang des Indischen Ozeans, riesige Wüstenflächen, in denen man sich verlieren kann, hohe Berge, tiefe Wadis und atemberaubende Landschaften. Nur vier Millionen Menschen leben in dem Land, das so groß wie die Bundesrepublik ist.
Besuch in der Sultan-Qabus-Moschee
Die Rundreise von Metzler beginnt in der Hauptstadt. Christine Kiefer zeigt ihr die große Sultan-Qabus-Moschee, dann geht es weiter in den Souk nach Muttrah. Hier wird das Märchen von Tausendundeiner Nacht Wirklichkeit. Nur wenige Touristen, aber viele Omaner sind unterwegs.
Frauen mit der schwarzen Abaya, Männer in der traditionellen weißen Dishdasha, auf dem Kopf die Kumma. Sie feilschen mit den indischen, pakistanischen, syrischen Händlern um Weihrauch, Gewürze und Haushaltswaren.
Auch die traditionellen Dolche kann man kaufen, Tücher aus Kaschmir und Laternen in allen Formen und Farben. „Miss, have a look“, laden die Händler Besucherinnen ein. Aber dies nie in einem aufdringlichen Tonfall. Omaner sind stets höflich und zurückhaltend.
Reise zum Ende der Welt
Am nächsten Tag entführt Christine Kiefer ihre Reisegruppe, zu der neben Metzler noch ein älteres Ehepaar gehört, ans „Ende der Welt“ – eine tiefe Schlucht, so tief, dass sie nicht einmal in Google Maps verzeichnet ist. Anschließend führt die Fahrt wieder nach oben bis in 2000 Meter Höhe auf den Jebel Akhdar.
Dort genießt Annemarie Metzler in dem Hotel dusitD2 den sensationellen Ausblick auf die Berge und Täler. Der Hotelmanager ist ein Deutscher. Er kümmert sich persönlich um ihre Wünsche.
Nächster Halt ist Nizwa, die frühere Hauptstadt des Oman. Berühmt ist dort der Fisch- und Dattelsouk. Metzler rollt durch die weitläufigen Hallen, probiert sich durch die verschiedenen Dattelsorten. Am nächsten Tag geht es dann ab in die Wüste. „Festhalten!“, ruft Christine Kiefer und düst im Jeep mit Allradantrieb los.
Übernachten im Wüstencamp
Als erfahrene Dünen-Cruiserin weiß sie: Nur wenn sie schnell fährt, bleibt sie nicht stecken. Annemarie Metzler klammert sich am Armaturenbrett fest. Dann lehnt sie sich entspannt zurück und genießt. „Das ist wie Achterbahnfahren.“ Übernachtet wird im Wüstencamp: Erst der Sonnenuntergang, den die Gäste auf einer Düne erleben, dann das feudale Dinner auf der verglasten Terrasse des Restaurants.
Nicht immer verläuft die Reise problemlos. Es gibt zwar Hotels mit behindertengerechten Zimmern, aber dann ist der Pool für eine Frau mit Gehbehinderung fast unerreichbar. Die Infrastruktur im Oman nimmt nicht immer Rücksicht auf Menschen mit Handicap. Das Highlight ist eine Behindertentoilette, zu der vier Treppenstufen nach oben führen.
Dolphin Watching auf dem offenen Meer
Annemarie Metzler nimmt dies mit Humor, fotografiert sie als Erinnerung. Denn wettgemacht werden solche Mankos durch die große Hilfsbereitschaft. Im Hotel Crowne Plaza steht ihr am Frühstücksbüfett ein persönlicher Assistent zur Seite. „Alles okay, Miss Annemarie“, erkundigt sich der Hotelmanager täglich persönlich bei ihr.
Zum Schluss erfüllt sich die Konstanzerin ihren größten Wunsch: Dolphin Watching. Mit dem Boot geht es von Marina Bandanara Rowdha raus auf Meer. Die Sprünge der Delfine locken auch die Deutsche ins Wasser. Warm wie in der Badewanne ist das türkisblaue Wasser. Annemarie Metzler schließt die Augen und lässt sich treiben. Wenn es nach ihr ginge, dürfte dieser Urlaub nie enden.
Info
Anreise
Mit Oman Air (www.omanair.com/de) ab Frankfurt nach Maskat, Turkish Airlines (www.turkishairlines.com/de) fliegt über Istanbul von Stuttgart aus. Beste Reisezeit: Oktober bis März.
Unterkunft und Veranstalter
Crowne Plaza Muscat, behindertengerechte Zimmer, Pool nur bedingt behindertengerecht, Restmobilität erforderlich, fünf Restaurants im Haus, darunter drei Spitzenrestaurants, DZ ab 120 Rial (312 Euro), www.crowneplaza.com/hotels/de/. Turtle Beach Resort, Ras al Hadd, behindertengerechte Zimmer ab 80 Rial (208 Euro), www.tbroman.com/. Desert Night Camp, Luxus-Wüstencamp, Bungalow-Villen mit Zeltdach, behindertengerechtes Zimmer 110 bis 280 Rial (285 bis 730 Euro); www.omanhotels.com/desertnightscamp/. dusitD2 Jebel Akhdar, behindertengerechte Zimmer ab 85 Rial (220 Euro), www.dusit.com/dusitd2-naseemresort/. Vermittlung und Organisation von Reisen für Menschen mit und ohne Einschränkungen: Christine Kiefer und Salim Al Uwaimri, Rock’n‘Sand, Travel & Adventure, E-Mail: info@rock-n-sand.com, Tel./Whatsapp: +9 68 / 94 15 19 50.
Allgemeine Informationen