Voller Einsatz beim Afrika-Cup: Marokkos Bilal El Khannouss (li.) im Halbfinale gegen Nigerias Calvin Bassey Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH

Bilal El Khannouss trumpft mit Marokko beim Afrika-Cup groß auf. Der Angreifer macht damit Werbung in eigener Sache – und für seinen Club, den VfB Stuttgart.

Es sind nicht selten Belanglosigkeiten, die auf Social-Media-Kanälen Verbreitung finden. Profifußballer machen da keine Ausnahme. So ließ VfB-Profi Bilal El Khannouss nach dem Einzug ins Finale des Afrika-Cups (Sonntag, 20 Uhr, gegen den Senegal) seine Fans wissen, dass man „den letzten Schritt nun gemeinsam gehen will“.

 

Eine banale Botschaft, die trotzdem viel Anklang findet. Und Reichweite. Auf über 2,2 Millionen beläuft sich die Zahl der Follower des marokkanischen Nationalspielers, der nach dem dramatischen Halbfinale ganz beseelt war. Im heimischen Rabat wurde Nigeria im Elfmeterschießen besiegt. Dabei stand El Khannouss in der Startelf und bis zur 84. Minute auf dem Platz.

2,2 Millionen Follower sind eine Marke. Zum Vergleich: 19 der 31 Spieler im aktuellen Kader des VfB Stuttgart erreichen weniger als 100 000 soziale Anhängerinnen und Anhänger. Was bei El Khannouss besonders auffällt, ist der immense Zuwachs während des Kontinentalturniers. Rund 100 000 neue Follower konnte der Angreifer in den vergangenen Tagen für sich gewinnen. El Khannouss reiht sich damit ein in die Riege der 16 anderen Afrika-Fahrer aus der Bundesliga. Den größten Zuwachs an digitaler Prominenz erfuhr dabei der Algerier Ibrahim Maza von Bayer Leverkusen. Vor dem 20-jährigen Shootingstar rangiert ein alter Hase auf dem ersten Rang der Afrika-Cup-Teilnehmer: Ramy Bensebaini (30) verfügt über 3,4 Millionen Instagram-Follower.

Was sicher auch mit der globalen Bekanntheit seines Clubs Borussia Dortmund zu tun hat. Und uns zum VfB Stuttgart führt. Inwiefern und wie stark profitiert der Club von dem sportlichen Erfolg seines Angreifers? Gerade in puncto Bekanntheit und Popularität?

Zum Hintergrund: Die Clubs der Fußball-Bundesliga versuchen seit Jahren, mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen neue, internationale Märkte zu erschließen. Der VfB versucht sich dabei vor allem in Asien. Könnte El Khannouss die Cannstatter nun auch in Marokko bekannter machen – und dafür sorgen, dass das ein oder andere VfB-Trikot in Rabat oder Casablanca über den Ladentisch geht oder sich Fans Spiele der Stuttgarter im TV ansehen?

Marketing-Experte Marlon Giglinger von der Berliner Agentur Netzschreier ist von einem gewissen Effekt überzeugt. „Afrika ist ein extrem fußballaffiner Kontinent mit einer enormen Fanbasis“, sagt Giglinger. Social-Media-Analysen würden zeigen, dass Spieler mit afrikanischem Hintergrund häufig eine überdurchschnittlich hohe Reichweite im Netz erzielen. „Das sieht man beim VfB am Beispiel von Bilal El Khannouss besonders deutlich.“

Auch in Bad Cannstatt lebt man diesbezüglich nicht mehr in den 1990ern und weiß um die Bedeutung von Instagram. „Es ist schön, dass Bilal als internationaler Akteur des VfB in dieser Hinsicht weiter zulegt und damit auch unserem Club Reichweite und Relevanz im internationalen Kontext gibt“, sagt Kommunikationsdirektor Holger Boyne. „Wir erleben in der Dynamik der Social-Media-Plattformen ohnehin einen enormen Push an Intensität, Engagement und Berührungspunkte, was ein weiteres Merkmal des generellen Wachstums der Marke VfB Stuttgart ist.“

„Neu gewonnene Fans verfolgen auch künftig den Verein“

Social-Media-Experte Marlon Giglinger ist sich sicher: „Die neu gewonnenen Fans verschwinden nicht nach dem Turnier, sondern verfolgen auch künftig den Verein. Das steigert die internationale Sichtbarkeit des VfB nachhaltig.“ Zwar ist Afrika mit Blick auf Kaufkraft oder TV-Erlöse im Vergleich zu Asien nicht der lukrativste Markt. Strategisch kann sich die Reichweite dennoch als wertvoll erweisen. Der Kontinent ist schließlich eine der wichtigsten Herkunftsregionen für Top-Talente im Weltfußball. Da kann es nicht schaden, schon einmal vom Club mit dem Brustring gehört zu haben.

Ein Sieg mit Marokko am Sonntag gegen den Senegal – verbunden womöglich mit einem eigenen Torerfolg – würde die Popularität von Bilal El Khannouss sicher weiter steigern. Und damit auch jene des VfB. Ein Problem gibt es da nur noch: Der 21-Jährige ist von Leicester City nur ausgeliehen, könnte im Sommer also schon wieder weg sein. Doch wie zu hören ist, arbeitet man beim VfB aktiv an einer Festverpflichtung.