Die 40-köpfige Ermittlungsgruppe Eckensee versucht unter Hochdruck die Randalierer zu ermitteln, die am Wochenende in der Stadt gewütet hatten. Bisher bleibt es bei den 25 identifizierten Verdächtigen.
Stuttgart - Versuchter Totschlag – was einem 16-Jährigen vorgeworfen wird, geht noch weit über das hinaus, was den acht anderen Beschuldigten vorgeworfen wird, gegen die Haftbefehle erlassen und bis auf eine Ausnahme auch vollzogen wurden. Fußtritte gegen den Kopf eines Studenten, der den Jugendlichen zurechtweisen wollte – sie hätten in der Nacht der Randale leicht tödlich enden können.
Laut Polizei spielte sich die Szene am Sonntag gegen 1.15 Uhr an der Ecke Bolz- und Königstraße ab. Ein 24-jähriger Student beobachtete mit seinen Freunden eine Gruppe junger Männer, die Flaschen in Richtung von Polizeibeamten warfen. Der 24-Jährige wollte die Werfer zur Rede stellen – und wurde dafür von zwei 16-Jährigen zusammengeschlagen.
Opfer zur Beobachtung ins Krankenhaus
„Zeugen haben gesehen, dass einer der 16-Jährigen dabei sogar noch gegen den Kopf des am Boden liegenden Opfers getreten hat“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Die beiden Angreifer wurden an Ort und Stelle festgenommen. Der 16-Jährige, ein Deutscher mit Migrationshintergrund, sitzt nun in Untersuchungshaft. Über den Gesundheitszustand des Opfers ist nur wenig bekannt: „Er musste zur Beobachtung für 24 Stunden stationär ins Krankenhaus eingeliefert werden“, sagt Polizeisprecherin Ackermann.
Noch immer sind es insgesamt 25 Verdächtige, die von der 40-köpfigen Ermittlungsgruppe Eckensee identifiziert wurden. Dabei wird es wohl nicht bleiben: „Wir haben umfangreiches Videomaterial, das akribisch ausgewertet wird“, sagt Polizeisprecherin Ackermann.
Mehr als die Hälfte deutlich alkoholisiert
Innenminister Thomas Strobl hat es sich nicht nehmen lassen, am Dienstag über die bisherigen Erkenntnisse zu berichten. Demnach sind 15 der 25 Verdächtigen aus Stuttgart. Das Alter reicht von 14 bis 33 Jahre. Die Nationalität ist bunt gemischt: Zwölf haben den deutschen Pass, überwiegend mit Migrationshintergrund. Die anderen stammen aus Kroatien, Portugal, Polen, Lettland, Bosnien, Afghanistan, Irak und Somalia. Neun der 25 Verdächtigen zählen laut Innenminister zu Flüchtlingskreisen.
Strobl präsentierte auch Zahlen über die Alkoholisierung der Verdächtigen – gut die Hälfte hatte über 0,5 Promille. Genauer gesagt: Acht Personen hatten 0,64 bis 1,1 Promille, vier Personen 1,26 bis 2,08 Promille. Ein 20-Jähriger wies mit 2,34 Promille den höchsten Wert auf. Die meisten sind nicht zum ersten Mal auffällig: 15 Beschuldigte sind bereits polizeibekannt.
Die Sache mit den fehlenden Schuhen
Dass die Randalierer die ganze Härte des Gesetzes treffen soll, hat aber nichts damit zu tun, wie sie am Montag dem Haftrichter vorgeführt worden waren. Mit Fußfesseln und barfuß schritten zwei Beschuldigte über den Hof des Amtsgerichts am Neckartor. Eine Vorführung im doppelten Sinne. Doch Polizeisprecher Stefan Keilbach findet eine einfache Erklärung.
„Bei allen Verdächtigen sind die Schuhe als Spurenträger sichergestellt worden“, sagt Keilbach. Abdrücke von Sohlen am Tatort, sei es am Boden oder an den Schaufenstern, gelten für Kriminaltechniker als wichtiges Beweismittel. Damit die Verdächtigen nicht ohne Schuhe oder gar sichergestellter Kleidung bleiben, gibt es im Polizeigewahrsam ein Lager mit gebrauchten Schuhen und Klamotten.
„Bei einem hatten wir am Wochenende aber nicht mehr die passende Schuhgröße“, sagt Keilbach. Und bei einem anderen hätte es nur Lackschuhe gegeben. Der Betroffene wollte so etwas aber nicht anziehen – und ging dann lieber barfuß.