Ramon Hendriks ist die Entdeckung der Saison in der Abwehr des VfB. Gegen den BVB zählt für ihn nur ein Sieg, denn Platz drei will der 24-Jährige möglichst nicht mehr hergeben.
Was Deniz Undav für die Offensive ist, das verkörpert Ramon Hendriks für die Abwehr des VfB: Er ist der Mann der Stunde bei den Stuttgartern. In wichtigen Spielen ist der 24-jährige Niederländer immer gesetzt – so wie an diesem Samstag (18.30 Uhr) im Heimspiel gegen Borussia Dortmund.
Herr Hendriks, mit 41 von 44 möglichen Einsätzen, die meisten davon in der Startelf, sind Sie beim VfB zu einem nahezu unverzichtbaren Stammspieler gereift. Wie war dieser steile Formanstieg möglich?
Ich habe in dieser Saison sehr oft das Vertrauen des Trainers erhalten, durfte viel spielen. Wenn der Chefcoach und der ganze Verein auf einen setzen, dann macht das etwas mit dem Selbstvertrauen – und das fördert wiederum die Entwicklung. Ich analysiere zudem jedes meiner Spiele mit einer Firma in den Niederlanden. Da geht es darum, wie ich mich weiter steigern kann, um ein noch stärkerer Verteidiger zu werden. All diese Faktoren zusammen genommen haben dafür gesorgt, dass meine Leistungen konstant gewachsen sind.
Wie muss man sich Ihre Zusammenarbeit mit den Analysten konkret vorstellen?
Ich bekomme zunächst relativ kurz nach dem Spiel eine Nachricht, wie sie mein Spiel gesehen haben. Dann tauschen wir uns meist am nächsten Tag in einer Video-Sitzung aus. Sie haben eine App, in der die wichtigen Punkte aufgezählt werden. Nehmen wir zum Beispiel die Momente, in denen ich Eins-gegen-Eins verteidige: Da zeigen sie dann so um die sechs, sieben kurze Clips. Die schauen wir uns gemeinsam an. Ich sage, was ich zu meinen Aktionen denke – und sie sagen dann etwa: „Wenn du deinen Fuß hier mehr nach rechts nimmst, bist du in einer besseren Position.“ Es geht da sehr um die Details. Das hilft mir enorm.
Sie kamen im Sommer 2024 von Vitesse Arnheim als Kader-Ergänzungsspieler. Jetzt sind Sie meist ein wichtiger Teil der Startelf. Nicht jeder hat Ihren Leistungsschub so vorher gesehen. Sie schon?
Bereits in der vergangenen Saison hatte ich einige Einsätze über 90 Minuten, auch wenn andere Verteidiger da zunächst mehr gespielt haben. Aber gegen Ende der Runde lief es besser für mich. Im Sommer hat es bei mir durch die ersten Erfolge ein mentales Umdenken gegeben. Je mehr du spielst, umso stärker wird dein Selbstvertrauen. Ich habe auch gemerkt, dass beispielsweise das Vertrauen meiner Mitspieler in mich gestiegen ist. So wächst man als Spieler.
Trainer Sebastian Hoeneß hat Ihnen zuletzt ein sehr schönes Kompliment gemacht, als er sagte, dass Sie „einer der besten Verteidiger der Bundesliga“ seien. Haben Sie das mitbekommen?
Ich habe es gehört, nicht wörtlich, aber man hat mir gesagt, dass er mich gelobt hat. Solche Worte tun dem Innenleben eines Spielers natürlich sehr gut. Wenn dein Trainer so über dich denkt, dann willst du weiter auf dem Feld beweisen, dass du es kannst, dass das Lob nicht unberechtigt war. Dafür gebe ich in jedem Training Gas. Ich will mich weiter steigern. Langsam, aber stetig, das ist mein Motto.
Wie muss man sich den Austausch mit dem Trainer vorstellen?
Sebastian Hoeneß hat mir vom ersten Tag an immer klar meinen Weg aufgezeigt. Er hatte einen Plan, hatte etwas im Kopf mit mir – und hat mir stets gesagt, worauf ich mich im nächsten Schritt konzentrieren soll. Etwa: „Das läuft bei dir gut, jetzt kannst du dich hier verbessern“. Er macht das mit vielen Spielern, spricht sie mal auf dem Platz, in der Kabine oder auf dem Gang an. Er ist ja unter anderem bekannt dafür, dass er Spieler besser macht. Und so sehe ich ihn auch. Er ist ein wirklich guter Trainer.
Bisher läuft die Saison nahezu optimal für Sie?
Ja, das kann man so sagen. Es trifft aber genauso auf die gesamte Mannschaft zu. Es hilft jedem Spieler, wenn er in einem erfolgreichen Team spielt. Klar ist aber auch: Wir haben bisher noch nichts Zählbares erreicht.
Tatsächlich beginnt die heiße Phase der Saison am Samstag mit dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Was ist vom VfB zu erwarten, es geht außer RB Leipzig ja noch gegen alle Top-7-Mannschaften?
Die Herausforderung ist in der Tat groß. Der BVB ist eigentlich in jedem Spiel in der Lage, mindestens ein Tor zu schießen. Aber wir laufen nicht davon. Wir können bei Heimspielen auf unsere fantastischen Fans setzen – und haben in dieser Saison bereits mehrfach gezeigt, dass wir auch große Mannschaften schlagen können. Gegen Dortmund wollen wir möglichst drei Punkte holen, denn am Ende wollen wir die Tickets für die Champions League. Wenn Du Dritter bist, dann willst du sie nicht mehr hergeben.
Es gab zuletzt Gerüchte, gerade der BVB sei an Ihnen interessiert. Und zwar für den Fall, dass Nico Schlotterbeck zu den Bayern gehen sollte. Sie haben in Stuttgart einen Vertrag bis 2028. Was ist dennoch dran?
Gerüchte gibt es immer. Aber ich habe davon nichts gehört. Das ist auch gerade nicht mein Thema. Ich bin sehr glücklich hier beim VfB. Ich entwickele mich gut. Und das ist für mich momentan das Allerwichtigste.
Eine Ihrer Stärken ist Ihre Schnelligkeit. Im Spiel gegen Leipzig wurde eine Geschwindigkeit von 35,07 Stundenkilometern gemessen. Das ist ein Liga-Spitzenwert. Ist diese Fähigkeit angeboren?
Ich war von klein auf schneller als die meisten Mitspieler, von daher habe ich da schon einiges in die Wiege gelegt bekommen. Aber dann geht es im Training darum, diese Fähigkeit zu steigern. Ich absolviere auch spezielles Sprinttraining. Da lege ich den Fokus auf die Technik des Sprints, auf die spezielle Stärke in den Beinen. Das hat mir geholfen, ein höheres Level zu erreichen.
In den Länderspielphasen werden es immer weniger Spieler beim VfB, die noch da bleiben. Sie sind einer davon. Wann ruft der Bondscoach Ronald Koeman an?
Man freut sich natürlich für die Jungs, die für Ihre Nationalmannschaften auflaufen dürfen. Für mich war es bislang noch nicht soweit. Aber ich arbeite weiter an mir, bis ich hoffentlich eines Tages diesen Anruf erhalte. Noch hat es keinerlei Kontakt zur niederländischen Nationalmannschaft gegeben. Mein Name war bis vor Kurzem in den Niederlanden noch nicht allzu bekannt. Aber das ändert sich allmählich.
Koeman muss viele gute Verteidiger zur Verfügung haben. Träumen Sie insgeheim noch von einer WM-Nominierung?
Wir haben eine gute Defensive mit einigen großen Namen wie Virgil van Dijk oder Matthijs de Ligt. Ich glaube, Koeman will die Gruppe gerne zusammen halten. Der Wunsch nach einem WM-Ticket ist aber natürlich immer da. Es ist mein großer Traum, eines Tages für mein Land zu spielen. Aber mein Fokus liegt aktuell klar darauf, beim VfB gut zu performen – und mich als Spieler weiter zu entwickeln.