Cem Özdemir und seine Partnerin Flavia Zaka beim Stuttgarter Landespresseball in der Liederhalle. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Cem Özdemir wollte seine Hochzeit ohne Medien vor der Wahl feiern. Doch der Plan sprach sich herum. Nun bestätigt seine Sprecherin die Trauung in Tübingen. Die CDU übt Kritik.

Eigentlich sollte es ein stiller Moment werden: Cem Özdemir, der 60-jährige Spitzenkandidat der Grünen für das Amt des Ministerpräsidenten, wollte seine 40-jährige Partnerin Flavia Zaka „im kleinsten Kreis“ und ohne Öffentlichkeit in Tübingen heiraten – noch im Februar, also vor der Landtagswahl. Wie unsere Zeitung erfuhr, hat sich das Paar für die Trauung das Tübinger Rathaus ausgesucht mit Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) als Standesbeamten, Özdemirs Freund.

 

Doch weil sich dieser Plan in der Landespolitik herumgesprochen hat, sah sich Özdemir nun zum Handeln gezwungen. Am Mittwoch bestätigte der frühere Bundeslandwirtschaftsminister über seine Sprecherin die geplante Hochzeit. Da war die private Feier schon längst ein politisches Thema.

Kritik an Termin und Ort

Denn die Terminwahl kurz vor der Landtagswahl sorgt beim politischen Gegner für Stirnrunzeln. Dass die Hochzeit mitten im Wahlkampf stattfinden soll, stößt in der CDU auf Kritik. Viele Paare entschieden sich bewusst für die wärmeren Monate – und nicht für eine Phase maximaler beruflicher Belastung. Auch der Ort der Trauung wird hinterfragt. Özdemir lebt in Stuttgart, seine 40-jährige Partnerin ist Kanadierin – ein direkter Bezug zu Tübingen sei nicht ersichtlich. Der Eindruck dränge sich auf, dass die Wahl der Universitätsstadt symbolische Wirkung entfalten solle, heißt es aus der CDU – die damit wohl auf Özdemirs Freundschaft zum Ex-Grünen Palmer anspielt, der als Kandidat für einen Ministerposten gehandelt wird.

Cem Oezdemir und Flavia Zaka bei der Eroeffnung der Bayreuther Festspiele. Foto: IMAGO/APress

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel wollte sich auf Anfrage nicht in die kritischen Stimmen einreihen. Zur Hochzeit seines Konkurrenten äußerte er sich nicht politisch, sondern sagte, er wünsche „nur das Beste“ für die Ehe. Dies habe er Özdemir auch direkt geschrieben.

Der Tübinger OB Boris Palmer schweigt

Tübingens OB Palmer dementierte auf Anfrage nicht, dass die Trauung bei ihm stattfinden sollte. Details wollte er jedoch nicht nennen. „Das ist die Privatsphäre der Betroffenen“, erklärte er und lehnte weitere Stellungnahmen ab. Bereits mehr als 100 Paare hat Palmer nach eigenen Angaben seit seinem Amtsantritt 2007 in der Rolle des Standesbeamten getraut. „Das mache ich aber ausschließlich bei besonderen, persönlichen Beziehungen“, stellt der 53-Jährige klar. Özdemir dürfte die Voraussetzungen erfüllen – seit Jahren sind die ehemaligen Parteikollegen befreundet. Zuletzt zeigten sich die beiden auch gemeinsam bei Wahlkampfterminen – in Tübingen oder bei der OB-Wahl in Böblingen. Damit befeuern sie vor der Landtagswahl am 8. März die kursierenden Mutmaßungen, Palmer könnte eventuell in ein künftiges Kabinett nach Stuttgart wechseln. Doch in Umfragen liegen die Grünen noch deutlich hinter der CDU, erst einmal müsse man die Wahl gewinnen, bevor man darüber spreche, machte Özdemir kürzlich deutlich.

Neben den gesetzlichen Notwendigkeiten, die ein Standesbeamter am Tag der Hochzeit laut vorliest, bereitet Palmer auch immer eine individuelle Rede fürs künftige Ehepaar vor. Bei seinem langjährigen Freund und politischen Wegbegleiter Özdemir dürfte es ihm an Stoff dafür nicht mangeln.

Wer ist Flavia Zaka?

Özdemirs künftige Frau Flavia Zaka ist Juristin aus Kanada. Vor ihrem Jura- und Politikstudium engagierte sie sich unter anderem als Projektmanagerin für eine Initiative zur Bekämpfung des Menschenhandels in der südkanadischen Provinz Ontario. Öffentlich zeigte sich das Paar erstmals beim Konzert des Musikers Sting bei den Jazz Open 2024 auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits im Jahr 2023.

Neues Kapitel nach Trennung

Im November 2023 hatten Özdemir und seine aus Argentinien stammende erste Ehefrau Pia Maria Castro nach 20 Jahren Ehe ihre Trennung bekannt gegeben. Das frühere Paar hat zwei gemeinsame Kinder. Mit der nun bestätigten Hochzeit beginnt für den Grünen-Politiker ein neues privates Kapitel – eines, das durch den Wahlkampf unweigerlich auch politische Aufmerksamkeit erhält.