An der Unfallstelle erinnern Bürger und Kollegen an den Polizisten. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Die Polizei trauert um einen Kollegen, der am Montag bei einem Unfall in Stuttgart-Degerloch ums Leben kam. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.

An der Kreuzung in Degerloch sind am Dienstag noch deutliche Spuren des Unfalls zu sehen – etwa Markierungen auf der Straße. Blumen sind niedergelegt. Eine junge Polizistin in Uniform kommt und legt einen Strauß dazu. Immer wieder bleiben Passanten stehen. Die meisten wissen, was passiert ist. „Das ist schrecklich – und so unendlich sinnlos“, sagt eine Frau. Sie frage sich, wie die Einsatzkräfte jetzt weitermachen könnten. Schließlich sei das nach dem Todesfall in Mannheim der zweite harte Schlag binnen kurzer Zeit für die Polizei.

 

Ein 61 Jahre alter Polizist der Stuttgarter Motorradstaffel kam am Montag an der Stelle bei einem Unfall ums Leben. Er fuhr in der Begleitkolonne, die den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zum Flughafen eskortierte. Am Albplatz wurde dieser Einsatz jedoch jäh unterbrochen: Eine 69-jährige BMW-Fahrerin fuhr auf die Kreuzung, auf der ein 27-jähriger Beamter sein Motorrad zur Sperrung abgestellt hatte und den Verkehr mit Handzeichen regelte. Nach bisherigen Erkenntnissen soll die Frau aus der Rubenstraße nach links auf die Bundesstraße 27 eingebogen und im Kreuzungsbereich mit dem 61-Jährigen, der im Tross des Staatsgasts unterwegs war, zusammengestoßen sein.

61-Jähriger erliegt seinen Verletzungen

Durch die Wucht des Aufpralls wurde seine Maschine gegen den 27 Jahre alten Beamten geschleudert. Er wurde schwer verletzt. Der 61-Jährige starb wenige Stunden nach dem Unfall im Krankenhaus.

Weshalb die Frau trotz der Sperrung und der Signale des Beamten, der laut der Polizei in der Mitte der Kreuzung stand, einbog, wird noch ermittelt, sagt Aniello Ambrosio, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Die 69-Jährige zeigte keine Auffälligkeiten.“ Atemalkohol sei nicht festgestellt worden. Weil kein Verkehrsdelikt wie Trunkenheit, Unfallflucht oder illegales Autorennen vorliegen würde, sei ihr Führerschein nicht beschlagnahmt worden. Es werde wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung gegen sie ermittelt.

Stundenlange Sperrung

Noch nicht bekannt ist, wie sich der Tross mit Orbán nach dem Unfall weiterbewegte. Der ums Leben gekommene Beamte war in der Gruppe der Begleitfahrzeuge, die vorneweg fuhren. Eines sei klar: „Es ist das Ziel, dass der Konvoi zum Schutz des Staatsgastes nie stehen bleibt“, sagt ein Sprecher der Polizei. Das sei auch im vorliegenden Fall so gewesen: Er habe sein Ziel, den Flughafen, pünktlich erreicht. Ob die Begleitfahrzeuge und das Auto des Ministerpräsidenten an der Unfallstelle vorbeifahren oder auf eine Alternativroute ausweichen mussten, ist noch nicht bekannt. „Das ist für die Kollegen in der Situation natürlich hart, aber der Einsatz muss weitergehen“, so der Sprecher.

Während der Unfallaufnahme war der Albplatz stundenlang gesperrt, auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz, um Luftaufnahmen zu machen. Sachverständige der Ludwigsburger Verkehrspolizei werten die Aufnahmen aus. Es sei bei Dienstunfällen üblich, dass die betroffene Organisationseinheit nicht ermittele.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) ordnete an, landesweit die Flaggen aller Dienstgebäude der Polizei auf halbmast zu setzen und an Dienstfahrzeugen Trauerflor anzubringen. Viktor Orbán schickte Kondolenzschreiben an den Bundeskanzler und die Stuttgarter Polizei.