Eine Hand am Lenkrad hält einen Joint. (Symbolfoto) Foto: IMAGO/Panama Pictures

Zwar rangiert bei Rauschmitteln, deren Konsum zu Unfällen führt, Alkohol unangefochten auf Platz eins. Doch die Zunahme der Fahrten unter Drogeneinfluss bereitet der Polizei Sorgen.

Erst am Montag ist es wieder passiert – wenn auch unfallfrei: Ein Mann saß offenbar zugedröhnt am Steuer. In Schlangenlinien fuhr er über die Gegenfahrbahn, bremste durch seine gefährliche Fahrweise andere Verkehrsteilnehmende aus. Die Polizei konnte ihn stoppen, nahm ihm den Führerschein ab und schickte den Autofahrer zur Blutentnahme.

 

In diesem Fall konnte der mutmaßliche Drogenkonsument aus dem Verkehr gezogen werden, bevor etwas geschah. Doch das ist beileibe nicht immer der Fall. Im Gegenteil: Um 51 Prozent ist die Zahl der drogenbezogenen Unfälle im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zwar ist die Zahl der Unfälle, die unter Drogeneinfluss geschahen, noch immer deutlich niedriger als die unter Alkoholeinfluss verursachten. Bei 215 Unfällen waren Verursacher betrunken – das ist ein Rückgang um 7,7 Prozent. Bei 71 Fällen standen die Verursachenden unter Drogeneinfluss. Dennoch ist das eine Entwicklung, die der Polizei Sorge bereitet, vor allem wegen des schnellen Anstiegs – nämlich um 51 Prozent gegenüber 2024.

Eine Zahl sticht dabei ins Auge: Bei 60 Prozent der Unfälle konnte im Labor nachgewiesen werden, dass die Betroffenen unter dem Einfluss von THC, dem Wirkstoff von Cannabis, standen. Dazu findet Michael Saur, der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion, klare Worte, die auch an die Politik gerichtet sind: „Die Teillegalisierung von Cannabis hat leider deutlich gezeigt, dass der erleichterte Zugang zum Konsum keineswegs zu einem verantwortungsvollen und sicherheitsbewussten Verhalten im Straßenverkehr führt. Weil die Gefahr von Fahrten unter THC-Einfluss überaus real bleibt, werden wir dieser Entwicklung mit weiter intensivierten Verkehrskontrollen entschlossen entgegentreten und Drogenfahrten konsequent verfolgen.“

Bei den Unfällen, die auf Drogenkonsum zurückzuführen waren, waren die Folgen laut der Polizei auch schwerwiegend. Zwei Menschen starben, weil jemand berauscht am Steuer saß. Neun Personen wurden schwer verletzt, 24 weitere leicht. 558 mal erwischte die Polizei Autofahrende, die zwar keinen Unfall verursacht hatten, aber unter Drogeneinfluss am Steuer saßen – das nennt sie folgenlose Drogenfahrten.

Die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss ist um mehr als 50 Prozent gestiegen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbolbild)

Auch wenn die Entwicklung bei den Drogen rasant ist, bleibt Alkohol am Steuer das größere Problem. Bei den 215 Fällen kam ebenfalls ein Menschs ums Leben, elf wurden schwer und 68 leicht verletzt. Zudem wurden 1143 sogenannte folgenlose Trunkenheitsfahrten registriert.

Drogen am Steuer: Zwei Tote und zahlreiche Verletzte in Stuttgart

Zusammen gehören Alkohol und Drogen zu den häufigen Unfallursachen – landen aber nicht einmal auf den ersten drei Plätzen der Statistik. Mit deutlichem Abstand liegt auf Platz eins das Nichtbeachten der Vorfahrt: In 27,4 Prozent der Unfälle ist das die Ursache. In absoluten Zahlen waren das im vergangenen Jahr 891 der 23371 Unfälle. Auf Platz zwei lagen Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren – dazu zählt auch das Abbiegen über die Stadtbahnschienen an Stellen, wo das nicht erlaubt ist. Platz drei sind Fehler bei der Fahrbahnbenutzung.

Insgesamt meldet die Polizei für das Jahr 2025 einen leichten Anstieg der Unfälle um 1,8 Prozentpunkte beziehungsweise 409 Unfällen gegenüber dem Vorjahr. Die traurigste Zahl aus der Statistik: Neun Menschen starben bei Unfällen auf Stuttgarts Straßen. Ein Unfall, der vielen als besonders schrecklich in Erinnerung geblieben ist, war jener am Olgaeck Anfang Mai 2025. Dabei kam eine Frau ums Leben, die auf der Mittelinsel der Haltestelle wartete, um die Straße zu überqueren. Ein Autofahrer hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug, einen Mercedes der G-Klasse, verloren und raste in die Wartenden. Er muss sich demnächst vor dem Amtsgericht verantworten. In der Folge wurde dort ein Geschwindigkeitsbeschränkung eingeführt und eine große Diskussion über die Verkehrsführung aufgenommen. Auch das Verkehrsministerium des Landes schaltete sich ein.