Posieren für die Oberbürgermeisterwahl 2010 in Villingen-Schwennigen: Gabriele und Siegfried Lorek gewährten Einblick in ihr Heim. Foto: Schwarzwälder Bote

Als Polizistin wurde Gabriele Lorek, Frau des Justiz-Staatssekretärs Siegfried Lorek, außergewöhnlich gut beurteilt, nachdem der Politiker in den Landtag eingezogen war.

Gabriele Lorek, Frau des Justizstaatssekretärs Siegfried Lorek (CDU), hat in der Landespolizei Baden-Württembergs einen kometenhaft Aufstieg mit ungewöhnlich positiven Beurteilungen erlebt. Ihr Mann war 2016 Abgeordneter des Landtags und dort Sprecher für die Polizei seiner Fraktion geworden. Nach Recherchen unserer Zeitung erhielt die damalige Polizeihauptkommissarin 2017 für den Beurteilungszeitraum vom 1. Juli 2015 bis zum 30. Juni 2017 auf der bis 5.0 als Bestnote reichenden Skala eine 4.75. Die Folge: Lorek wurde auf in die Besoldungsstufe A 12 eingewiesen und erhielt statt des damaligen Bruttogehaltes von etwa 3500 Euro fortan eines von 3850 Euro.

Für den nächsten Zeitraum bis zum 30. Juni 2019 wurde sie mit der Traumnote 5.0 bewertet, die in der Polizei als nahezu unerreichbar gilt. Lorek versah damals ihren Dienst als Gleichstellungsbeauftragte im Innenministerium. Der Dienstposten wurde im Zeitraum 2017 – 2019 in „Beauftragte für Chancengleichheit“ (BfC) umbenannt. Die Folge der Bestnote: Lorek wurde zur Ersten Polizeihauptkommissarin befördert und in die Besoldungsstufe A 13 eingewiesen. Mit einem Bruttogehalt seinerzeit von etwa 4.575 Euro.

Es ist bei der Polizei üblich, frisch Beförderte bei ihrer nächsten Beurteilung zunächst mit 3.5 bis maximal 4.0 zu benoten. Sie sollen sich im neuen Dienstgrad und/oder neuer Besoldungsstufe mit den Beamten messen, die bereits länger in diesen Funktionen tätig sind. Eine bessere Beurteilung bereits in der nächsten Bewertungsrund ist daher sehr unüblich.

Pikant an den Beurteilungen ist zudem, dass Gabriele Lorek 2016 und 2019 Mutter wurde – also in beiden mit Spitzennoten bewerteten Zeiträumen allenfalls in überschaubarem Zeitraum arbeitete. Während des Landtagswahlkampfes 2020/2021 wurde Gabriele Lorek persönliche Referentin der CDU-Spitzenkandidatin und Bildungsministerin Susanne Eisenmann. Der Wechsel vom Polizei- in den Verwaltungsdienst war verbunden mit einem Aufstieg in den höheren Dienst.

Email an die Kritiker: „Stelle Gabi“

Dieser Schritt führte seinerzeit innerhalb der CDU in Loreks Wahlkreis Waiblingen zu sehr kontroversen Diskussionen. Der Abgeordnete reagierte darauf am 18. Februar 2020 um 19.09 Uhr mit einer E-Mail mit dem Betreff „Stelle Gabi“: Er führt darin aus, der „horizontale Laufbahnwechsel“ sei juristisch einwandfrei. Verschwieg aber, dass ein vergleichbarer Laufbahnwechsel innerhalb der Polizei ein komplexes Auswahlverfahren, zusätzliche Ausbildung und Prüfungen an der an der Polizeihochschule in Villingen sowie der Polizeiführungsakademie in Münster-Hiltrup mit sich gebracht hätte. Immer mit dem Risiko, Prüfungen nicht zu bestehen. Als Erste Polizeihauptkommissarin hatte Gabriele Lorek ihren höchsten möglichen Dienstgrad im gehobenen Dienst erreicht, konnte somit keine Beförderung und höhere Besoldungsstufe mehr erreichen.

Siegfried Lorek gilt als wesentlicher Förderer des wegen sexueller Verfehlungen 2021 vom Dienst beurlaubten Inspekteurs der Polizei, Andreas Renner. Diese hatte war ähnlich gut wie Gabriele Lorek beurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart hatte Renner im Spätsommer im Strafverfahren vom Vorwurf der sexuellen Belästigung einer Hauptkommissarin freigesprochen. Gegen dieses Urteil legten Nebenklage und Staatsanwaltschaft Revision ein.

Siegfried Lorek gilt als bestens im CDU-geführten Innenministerium vernetzt. Viele Ministeriale sehen in ihm einen Strippenzieher. Während des Wahlkampfs 2020/2021 vertraute er Fraktionskollegen an, im Fall einer Nichtwahl in den Landtag würden Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz und Renner schon für ihn sorgen. Zwar wäre dem früherem Polizeioberrat die Rückkehr in die Polizei nach einem Ende als Abgeordneter garantiert gewesen. Er wäre aber bei Beurteilungen mit anderen Oberräten verglichen worden.

Mäßige Beurteilung für den Polizeioberrat

Loreks Sorge, so schält sich im Untersuchungsausschuss des Landtages zu Renner heraus, war offenbar: Weil er als Abgeordneter keinen Dienst versah befürchtete er, bei seiner Rückkehr in die Polizei schlechter beurteilt, deshalb später oder gar nicht befördert zu werden. Zumal seine letzte Beurteilung im Polizeipräsidium für Logistik und Technik (PTLS) eher mäßig ausfiel. Nur nach einer Invention wurde Loreks Beurteilung wohlwollend um 0.25 Punkte angehoben – eine Startrampe für höhere Weihen im Polizeidienst war das indessen nicht.