Benedikt Strambach dirigiert die Stadtkapelle Plochingen beim Weihnachtskonzert. Der junge Musiker bringt frischen Wind in die Stadthalle.
Dass Benedikt Strambach mal Berufsmusiker werden würde, stand nicht in den Sternen. Als Kind wollte er eigentlich kein Instrument erlernen. Doch seine Mutter, eine studierte Kirchenmusikerin, stellte ihn vor die Alternative: Entweder du spielst Gitarre oder Trompete. Eher widerwillig entschied er sich schließlich für das Blasinstrument.
Heute ist er froh über diese Wahl. Mittlerweile studiert er Trompete an der Musikhochschule in Mannheim, und seit einem Jahr ist der 26-Jährige Dirigent des Musikvereins Stadtkapelle Plochingen. Aktuell bereitet er mit dem Orchester das traditionelle Weihnachtskonzert vor, das am 20. Dezember in der Stadthalle Plochingen stattfindet.
„Second Suite for Band“ fordert Stadtkapelle heraus
„Als Höhepunkt des breitgefächerten Programms habe ich die „Second Suite for Band“ von Alfred Reed ausgewählt, ein Werk der Höchststufe, das an die Musikerinnen und Musiker beträchtliche Anforderungen stellt“, sagt Benedikt Strambach. Damit knüpft er an die lange Tradition der Stadtkapelle an, die sich in ihrer über 100-jährigen Geschichte immer wieder anspruchsvollen musikalischen Aufgaben gestellt hat.
Seine musikalische Laufbahn startete Benedikt Strambach als Schüler an der Musikschule Köngen/Wendlingen, wo er von Martin Schmelcher auf der Trompete unterrichtet wurde. Schnell machte der begabte junge Musiker Fortschritte, und nach einem erfolgreich abgelegten D-Lehrgang des Blasmusikverbands spielte er mit 13 Jahren bereits im Kreisjugendblasorchester Esslingen mit. Bald darauf wurde er auch in seinem Heimatverein, dem Musikverein Oberboihingen, in das Stammorchester übernommen. „Anfangs hatte ich etwas Probleme, mit den erfahrenen Musikerinnen und Musikern mitzuhalten, doch ich gewann schnell Anschluss“, erinnert sich Benedikt Strambach.
Vom Jurastudent zum Musiker: Strambachs Weg zur Musikhochschule
Nach dem Abitur 2018 am Nürtinger Max-Planck-Gymnasium startete er ein Jura-Studium in Tübingen. Das hielt Strambach auch sieben Semester durch, doch dann spürte er: Ich muss noch etwas anderes machen. Was lag näher als die Musik beruflich zu betreiben, mit der er sich in seiner Freizeit ohnehin intensiv beschäftigte? Der Trompeter schaffte die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Mannheim.
Die Blasmusik hat den jungen Musiker schon immer begeistert. „Es gibt keine andere Orchesterart, die derart vielseitig ist. Von sinfonischer Musik, über Originalkompositionen und die Volksmusik bis hin zu aktuellen Pop-Hits ist alles machbar“, weiß der Dirigent, der vor etwas über einem Jahr von der Stellenausschreibung der Stadtkapelle Plochingen angesprochen wurde: „Das Orchester entsprach mit seiner großen Besetzung und seinem Leistungsanspruch genau meinem Anforderungsprofil“, erzählt Strambach.
„Benedikt Strambach überzeugt Plochingen und wird Dirigent“
Auch umgekehrt hat es gepasst. „Von den zehn eingegangenen Bewerbungen hat uns die von Benedikt Strambach am meisten überzeugt. Nach einem Probedirigat wurde er vom Orchester mit großer Mehrheit gewählt“, berichtet Vereinsvorstand Philip Schulz. Er ist froh, dass die Stadt Plochingen der Stadtkapelle, neben weiterer Förderung, auch einen Dirigentenzuschuss gewährt. So stand einer Verpflichtung Strambachs nichts im Wege: Zum Jahresbeginn 2025 trat der aufstrebende Dirigent, der als weiteres Blasorchester die „Blauen Husaren“ in Hockenheim dirigiert und im Blasmusikverband Esslingen für die Organisation der D-Lehrgänge verantwortlich ist, die neue Stelle an.
Die Chemie zwischen Orchester und musikalischem Chef stimmt. Das Credo des Dirigenten: „Man muss den Musikerinnen und Musikern wertschätzend begegnen, dabei jedoch auch den eigenen musikalischen Anspruch im Auge behalten“. Die vielfältigen Aufgaben einer Stadtkapelle nimmt Strambach gerne wahr, überdies entwickelt er eigene Ideen: „Denkbar sind neue Formate wie beispielsweise ein Picknick-Konzert, und auch in die Struktur der Jugendausbildung möchte ich neue Gedanken einbringen“.
Strambachs Vielseitigkeit: Dirigent, Solist und Lehrer
Benedikt Strambach weiß, dass man als Musiker seinen Lebensunterhalt nur verdienen kann, wenn man vielseitig ist. Deshalb hat er verschiedene Eisen im Feuer. Zum einen ist er ein leidenschaftlicher Dirigent, spielt jedoch ebenso gerne als Trompetensolist und in Ensembles. Und natürlich ist sein drittes Standbein das Unterrichten.
„Egal was man macht - die Musik muss Spaß machen, doch auch die Qualität ist wichtig“, sagt Benedikt Strambach. „Das Musizieren ist ein Ausdruck der Emotionen und bereichert das Leben der Menschen ungemein“.
Der Musikverein Stadtkapelle Plochingen
Historie:
Die Blasmusik hat in Plochingen eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1870 zurückreicht. Nach einer wechselvollen Geschichte mit mehreren musikalischen Formationen wurde 1924 der Musikverein gegründet, der 1948 zur Stadtkapelle Plochingen ernannt wurde. Heute zählt der Verein 360 Mitglieder, von denen mehr als 60 aktiv im Orchester spielen.
Jugendausbildung:
Junge Menschen für die Musik zu begeistern ist ein zentrales Anliegen der Stadtkapelle. Aktuell sind 50 junge Musikerinnen und Musiker in der Ausbildung. Über die Musikalische Früherziehung und Blockflötenunterricht wird der Nachwuchs an die Instrumentalausbildung herangeführt. Im Vorstufenorchester und dem anschließenden Jugendblasorchester werden die Musikerinnen und Musiker auf die spätere Mitwirkung in der Stadtkapelle vorbereitet. Neben der musikalischen Arbeit bietet die Jugendleitung auch verschiedene Freizeitaktivitäten an.
Veranstaltungen:
Höhepunkt im Jahreskalender ist das traditionelle Weihnachtskonzert. Als Stadtkapelle ist der Musikverein Plochingen zudem bei der Umrahmung offizieller Anlässe und bei Stadtfesten sehr gefragt. Auftritte bei befreundeten Vereinen gehören ebenso zu den Aufgaben wie Kirchenkonzerte, das Turmblasen und die Teilnahme an Wertungsspielen.