Eine Polizistin steht vor dem Haus in Plochingen, wo sich das Familiendrama ereignete. Foto: Oskar Eyb

Die Staatsanwaltschaft erkennt beim Familiendrama in Plochingen keine Mordmerkmale.

Plochingen - Die 41-Jährige, die am Sonntag ihren Ehemann erschossen hat, ist wegen Totschlags in Untersuchungshaft gekommen. Mordmerkmale würden bei dem Familiendrama nicht vorliegen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Mittwoch unserer Zeitung.

Sabine W. hat ihren 47 Jahre alten Mann mit mehreren Schüssen aus einer 9-mm-Sportpistole getötet. Das Drama hat sich im Haus der Familie in Plochingen (Kreis Esslingen) zugetragen. Die 41-Jährige hat bei ihrer Vernehmung erklärt, dass sie aus Angst um ihre fünf Kinder - vier Buben im Alter von sieben Monate bis zehn Jahre und ein zwölfjähriges Mädchen - zur Waffe gegriffen habe. Thomas W. soll gedroht haben, den Kindern etwas anzutun. Und er hat nach Angaben der Frau den knapp zweijährigen Sohn gepackt und gegen die geschlossene Balkontür gedrückt.

Hat die 41-Jährige in Nothilfe, also zum Schutz der Kinder in Notwehr gehandelt? Die Staatsanwältin, die das Familiendrama bearbeitet, soll einen Akt der Notwehr nicht ausgeschlossen haben. "Das gehört zur vollständigen juristischen Bewertung dazu", erklärt Claudia Krauth, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Aber dann hat die Strafverfolgungsbehörde doch einen Haftbefehl gegen die Todesschützin beantragt: "Wegen Totschlags, nicht wegen Mordes", sagt Krauth.

Die Staatsanwaltschaft sieht in diesem Fall keine Mordmerkmale. Niedrige Beweggründe wie Eifersucht würden nicht vorliegen, so die Sprecherin. Auch Heimtücke der Täterin oder Arglosigkeit des Opfers seien nicht vorhanden. Das Paar hatte einen heftigen Streit. "Der Mann musste damit rechnen, dass sie ihn angreift", meint Krauth.

Frau fährt mit Kindern zu ihren Eltern

Noch sind viele Fragen offen. Warum hatte der Vater zunächst eine Auseinandersetzung mit zwei seiner Söhne? Worum ging es, und weshalb ist der Streit eskaliert, als die Mutter sich einmischte? "Die Ermittlungen laufen", so der Esslinger Polizeisprecher Michael Schaal am Mittwoch.

Sabine W., das steht fest, ist am Sonntagvormittag in den Keller des Einfamilienhauses in der Plochinger Neubausiedlung Lettenäcker gegangen. Sie hat den Waffenschrank geöffnet, eine 9-mm-Sportpistole herausgeholt und geladen. Und sie hat mit dieser Pistole ihren Ehemann erschossen. Wie oft sie abgedrückt hat und wo sie ihn getroffen hat, verrät die Polizei weiter nicht. Die 41-Jährige steigt dann mit ihren Kindern ins Auto und fährt zu ihren Eltern. Auch sie wohnen in Plochingen. Ihre Mutter alarmiert Rettungskräfte. Thomas W. ist aber nicht mehr zu helfen. Die Waffe findet die Polizei am Tatort, dem Wohnzimmer.

Das Ehepaar besitzt die 9-mm-Sportpistole und drei weitere Pistolen legal. Sabine und Thomas W. sind Mitglied in einem Schützenverein. Die Frau aber "hat aktiv aufgehört, als das erste Kind zur Welt kam", weiß Polizeisprecher Schaal. Thomas W. sei bis zuletzt ein Sportschütze gewesen.

Wie inzwischen bekannt wurde, war das Paar Mitglied im Bund der Militär- und Polizeischützen (BDMP). Genauer: bei der Schießleistungsgruppe Schwäbische Alb im Landesverband Baden-Württemberg. Der Verein hat im Land rund 3000 Mitglieder und 136 Schießgruppen. Ihm gehören "mehr Bundeswehrleute als Polizisten an", meint Schaal. Es können beim BDMP aber auch Menschen mit anderen Berufen Mitglied sein. So wie Sabine W., eine gelernte Zahnarzthelferin, und ihr Mann Thomas, ein studierter Informatiker.

Die 41-Jährige ist in Untersuchungshaft. Die Kinder sind bei Angehörigen der Familie untergebracht. Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden hat nach dem Familiendrama seine Forderung nach einem Waffenverbot in Privathaushalten bekräftigt.

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