Die Stuttgarter Volleyballerinnen vergeben im ersten Duell der Play-off-Halbfinalserie gegen den Dresdner SC drei Matchbälle – nun droht das schnelle Saison-Aus.
Lucia Varela Gomez ist zweifelsohne eine der besten Aufschlägerinnen der Volleyball-Bundesliga. Weshalb sinnbildlich für die aktuelle Lage von Allianz MTV Stuttgart ist, was der Mittelblockerin im Tiebreak des ersten Play-off-Viertelfinales gegen den Dresdner SC passierte. Beim Stand von 12:9 warf die Spanierin den Ball in die Höhe, stolperte dann aber und musste die Aufschlagbewegung abbrechen. Der Punkt ging an die Gäste – und am Ende des fünften Satzes brachten die Stuttgarterinnen sich vollends selbst zu Fall.
Das beste Team der Bundesliga-Hauptrunde führte mit 14:11, hatte drei Matchbälle. Dann unterlief Eleanor Holthaus ein Aufschlagfehler, Antonia Stautz und Pauline Martin wurden geblockt, der Dresdner SC hatte Glück bei einem Netzroller-Aufschlag und lag nach vier Punkten in Serie plötzlich 15:14 vorne. Diesen Matchball wehrte Antonia Stautz mit einem Schmetterschlag vermeintlich ab, doch DSC-Coach Alexander Waibl machte per Challenge den Sieg perfekt, weil Pauline Martin einen Fuß im gegnerischen Feld gehabt hatte. Nach der 2:3-Pleite (25:20, 18:25, 25:15, 22:25, 14:16) war das Entsetzen bei Allianz MTV Stuttgart groß. Über die eigene Pleiten-Pech-und-Pannen-Schlussphase. Über den verpatzen Auftakt. Und auch über den Verlust des Heimvorteils.
Klare Botschaft von Konstantin Bitter
Bisher waren die Stuttgarterinnen davon ausgegangen, die entscheidenden Spiele in den Play-offs in der Scharrena austragen zu können. Das ist nun nicht mehr der Fall. Denn schon in der nächsten Partie am Mittwoch (19 Uhr) droht das Saison-Aus – und diese findet in Dresden statt. Die Vorbereitung auf dieses zweite Duell begann bereits kurz nach den drei vergebenen Matchbällen. Konstantin Bitter scharte seine Spielerinnen um sich und hatte eine klare Botschaft für sie: „It ain’t over till it’s over!“ Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.
Es gehört zur Aufgabe eines Trainers, Optimismus und Kampfgeist zu zeigen. Leichtgefallen ist Konstantin Bitter dies allerdings nicht. Auch er war nach der Partie, in der sein Team schon im vierten Satz einen Vorsprung verspielt hatte, sichtlich angeschlagen. „Wir haben das Spiel mehr verloren, als es unser Gegner gewonnen hat“, sagte der MTV-Coach, „wir waren in der Schlussphase zu hektisch und ungeduldig. Fünf Aufschlagfehler im Tiebreak sind zu viele gewesen, dazu kamen schlechte Entscheidungen. Letztlich waren wir nicht gut genug, um es zu Ende zu bringen.“ Mit Blick auf die gesamte Partie, meinte Bitter, habe sein Team allerdings „super gespielt“ und „viel Kontrolle“ gehabt. „Diese Niederlage ist keine Schande, und wir sind auch nicht in einer Krise“, erklärte der Trainer von Allianz MTV Stuttgart, seinem Team sei es nur nicht gelungen, den finalen Punkt zu machen: „Fertig!“
Antonia Stautz schimpft über den Schiedsrichter
Das kann man so sehen, doch auch Konstantin Bitter sind die Schwächen in der Annahme und die oft fehlende Durchschlagskraft im Angriff natürlich nicht entgangen. Dazu kam ein Gegner, dessen zweite Garde (Zuspielerin Larissa Winter, Diagonalangreiferin Rosa Entius) voll überzeugte, was auch deshalb bemerkenswert gewesen ist, weil die Tiefe des Kaders zuvor als großes Stuttgarter Plus ausgemacht worden war. „Wir haben uns in diesem Bereich extrem verbessert“, sagte Alexander Waibl, der Trainer des Dresdner SC, „und auch über Comeback-Qualitäten verfügen wir.“ Dazu kamen einige umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen – zumindest aus Sicht von Antonia Stautz.
Die Kapitänin von Allianz MTV Stuttgart, die noch nie in ihrer Karriere ein Play-off-Finale erreicht hat, kritisierte den Unparteiischen mit deutlichen Worten. „Die Niederlage war sehr bitter, weil wir das Spiel kontrolliert haben und die bessere Mannschaft waren“, sagte Antonia Stautz, „leider meinte der Schiri am Ende, das Spiel entscheiden zu müssen. Waibl bekommt immer dann seinen Willen, wenn er die Schiris anschreit, weil sie Angst vor ihm haben.“ Der DSC-Coach wollte diese Äußerungen nicht groß kommentieren. „Wir waren nicht zufrieden damit, wie der Schiedsrichter das Führen des Balles interpretiert hat, das war alles“, sagte er – und fügte mit Blick auf die Stautz-Aussagen hinzu: „Am Ende ist es immer wichtig, bei sich zu bleiben.“
An Brisanz, so viel ist klar, wird es auch im zweiten Duell am Mittwoch nicht fehlen. Das Problem für Allianz MTV Stuttgart: Es bleibt nicht viel Zeit, um die Enttäuschung und den Frust zu verarbeiten. „Bitterer hätten wir das erste Spiel nicht verlieren können, das hat sehr wehgetan“, meinte Geschäftsführer Aurel Irion, „die Mannschaft liegt am Boden, und es wird sehr, sehr schwierig, wieder aufzustehen. Dazu kommt, dass wir besser spielen müssen. Eine Leistung wie heute wird in Dresden sicher nicht reichen.“